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06.09.2017

20:17 Uhr

Großbank Nordea

Flucht vor scharfer Regulierung aus Schweden

Nachdem Schweden für seine Banken einige der schärfsten Kapitalvorschriften in Europa erlassen hat, verlagert die Großbank Nordea ihren Sitz nach Finnland. Durch den Umzug winken dem Geldhaus enorme Kosteneinsparungen.

Die Großbank bezifferte die Kosteneinsparungen durch die Verlagerung nach Finnland auf eine Milliarde Euro. Reuters

Nordea

Die Großbank bezifferte die Kosteneinsparungen durch die Verlagerung nach Finnland auf eine Milliarde Euro.

StockholmDie Großbank Nordea verlagert wegen der scharfen Regulierung ihren Sitz von Schweden nach Finnland. Durch den Umzug in ein Land, das sich an der europäischen Bankenunion beteiligt, werde Nordea genauso reguliert wie seine europäischen Wettbewerber und könne Kosten sparen, erklärte das gemessen am Börsenwert neuntgrößte europäische Institut am Mittwoch. Das Geldhaus wird künftig von der Europäischen Zentralbank überwacht, die die größten Banken in der Euro-Zone kontrolliert.

Schweden hat für seine Banken einige der schärfsten Kapitalvorschriften in Europa erlassen. Zudem hat die Mitte-Links-Regierung Wege geprüft, um die Geldhäuser stärker zu besteuern.

Die neuen Abwicklungsregeln für Großbanken in Europa

Zuständige Abwicklungsbehörde

Im Fokus stehen die aktuell 125 Großbanken, die unter direkter Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen, sowie grenzüberschreitend aktive Banken. Entscheidungen über deren Restrukturierung oder Abwicklung werden in der Abwicklungsbehörde „Single Resolution Board“ (SRB) getroffen, die auch beim Notverkauf von Banco Popular das Heft in der Hand hatte. In den übrigen Fällen - insbesondere bei kleineren Geldinstituten - bleibt vor allem die nationale Abwicklungsbehörde zuständig.

SRB

Exekutivdirektorin des SRB ist die Deutsche Elke König. Ihr Stellvertreter ist der Finne Timo Löyttyniemi. Stellt die EZB fest, dass eine Bank in Schieflage ist, tritt das SRB zusammen und macht einen Vorschlag für die Abwicklung oder Restrukturierung des Geldhauses.

Fall Banco Popular

Die EU-Kommission muss dem Vorschlag des SRB zustimmen. Genau dies geschah bei Banco Popular, nachdem die EZB das Institut als nicht mehr überlebensfähig eingestuft hatte. Das SRB entschied sich in diesem Fall für einen Verkauf des Instituts an Santander.

Abwicklungsfonds

Um die Abwicklung oder Restrukturierung abzufedern, wird ein Abwicklungsfonds (SRF) aufgebaut. In den Fonds sollen die Banken bis zum 31. Dezember 2023 rund 55 Milliarden Euro einzahlen. Die dazu fälligen Bankenabgaben werden seit 2015 von den Mitgliedstaaten erhoben, ab 2016 auf nationale Kammern des Fonds transferiert und dort schrittweise vergemeinschaftet.

Im Pleitefall

Bevor der SRF angezapft werden kann, ist allerdings eine private Verlustbeteiligung in Höhe von mindestens acht Prozent der Bilanzsumme vorgeschrieben. Dazu wurde eine Haftungskaskade erstellt: Im Pleitefall werden zuerst die Anteilseigner und Gläubiger der Bank zur Kasse gebeten.

Ausnahmen

Für gesetzlich gesicherte Einlagen oder besicherte Verbindlichkeiten gibt es Ausnahmen. Bei Banco Popular tragen Besitzer so genannter AT1- und AT2-Anleihen Verluste von rund zwei Milliarden Euro. Aktionäre verlieren alles. Die Besitzer vorrangiger Titel wurden geschont.

Regeln in Aufbauphase

Während der Aufbauphase des Fonds gibt es verschiedene Möglichkeiten, zusätzlichen Geldbedarf zu decken – etwa über Sonderabgaben der Banken oder Kreditaufnahmen des SRF. Eventuelle Sonderkredite der EU-Staaten an den SRF müssen vom jeweiligen Bankensystem des Landes zurückgezahlt werden.

Die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson sagte, sie hätte es gerne gesehen, wenn Nordea im Land geblieben wäre. Durch den Umzug des Instituts, das einst dem schwedischen Staat gehörte, sinke aber zugleich das Risiko durch den übergroßen Bankensektor. Die Bilanzsumme der schwedischen Geldhäuser liegt beim Vierfachen der Wirtschaftsleistung des Landes.

Nordea bezifferte die Kosteneinsparungen durch die Verlagerung nach Finnland auf eine Milliarde Euro. In welchem Zeitraum diese erzielt werden sollen, ließ das Bankhaus offen.

Durch den Umzug könnte Nordea schwedische Kunden vergrätzen. Einige Gewerkschaften haben gedroht, Gelder und Geschäfte abzuziehen. Zudem bringen die strengen Kapitalvorschriften Analysten zufolge auch Vorteile: Schwedische Geldhäuser können sich billiger refinanzieren als Wettbewerber. Ihre Kapital- und Dividendenpolitik will Nordea nach eigenen Angaben beibehalten.

Von

rtr

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