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29.04.2018

13:54 Uhr

Großbritannien

IT-Panne der TSB betrifft Millionen Kunden – und stürzt die britische Bank in die Krise

VonKerstin Leitel

Eine IT-Panne hat bei der britischen Bank TSB eine Existenzkrise ausgelöst. Der Vorfall ist eine Warnung für die gesamte Branche, sagen Experten.

Eine IT-Panne sorgt für Krisenstimmung bei der Bank. dpa

TSB

Eine IT-Panne sorgt für Krisenstimmung bei der Bank.

London2,30 Pfund für den Kaffee-to-go? Bezahlt der Londoner mit seiner Bankkarte. Die 1,50 Pfund für das Ticket mit dem berühmten roten Doppeldecker-Bus? Ebenfalls. Unzählige Transaktionen laufen in Großbritannien heutzutage nicht mehr mit Bargeld, sondern mit der Karte – wenn die Bank einem keine Schwierigkeiten macht. Das erleben nämlich momentan viele Kunden der britischen Bank TSB.

Das Geldhaus, das aus der britischen Bankengruppe Lloyds hervorging, 2015 an die spanische Bank Sabadell verkauft wurde, ist wegen einer IT-Panne in eine regelrechte Existenzkrise geraten. Seit Tagen haben unzählige der über fünf Millionen Kunden keine Ahnung, wie viel Geld auf ihrem Konto ist – oder aber sie sehen, wie viel Geld auf dem Konto eines anderen Kunden ist.

Es begann harmlos. Vergangenes Wochenende kündigte TSB an, dass einige Transaktionen für weniger als 48 Stunden nicht durchgeführt werden können. 1,3 Millionen Daten der Kunden müsste die IT auf ein neues System übertragen, das von der spanischen Muttergesellschaft aufgesetzt wurde. Rund 100 Millionen Pfund (113 Millionen Euro) sollte das pro Jahr einsparen. Die IT-Experten der Bank waren optimistisch: Alles habe gut geklappt, vermeldete TSBs Muttergesellschaft am Sonntagabend, ein Foto mit Mitarbeitern, die gut gelaunt auf die gelungene Umstellung mit Sekt anstießen, machte intern die Runde. Doch die Freude war verfrüht: Die Umstellung endete im Desaster.

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Am vergangenen Sonntagabend kontrollierte TSB-Kunde Matthew Neal wie jede Woche seinen Kontostand, um Bilanz von seiner vorabendlichen Pub-Runde zu ziehen. „Ich konnte alle meine Konten sehen“, berichtete er der BBC, „aber darüber hinaus auch drei Konten anderer Menschen: Ein Sparkonto mit 35.000 Pfund, ein weiteres Konto mit 11.000 Pfund und das Konto eines Unternehmens“. Und nicht nur, dass er die Konten sehen konnte – er hatte auch alle für eine Überweisung notwendigen Daten der anderen Konten.

Und Neal war bei Weitem nicht der einzige. Manche hatten auf einmal weniger Geld auf dem Konto, andere zu viel. Einigen Briten wurde mitgeteilt, dass ihre Bankkarte im Ausland genutzt wurde. Hunderte Kunden beschwerten sich bei der Bank, ihren Filialen, ihrer Hotline und in den sozialen Netzwerken – zunächst am Sonntag, aber auch über die nächsten Tage. Fast zwei Millionen Kunden, berichteten britische Medien, seien von der IT-Panne betroffen.

Fast täglich beteuerte die Bank nun, man habe die Probleme behoben. Doch das wurde jedes Mal rasch widerlegt. TSB sei „auf ihren Knien“, musste der Chef des Instituts, Paul Pester Mitte der Woche öffentlich zugeben. „Bei dem Umzug auf unsere neue Bankplattform am vergangenen Wochenende haben wir eine unglaublich holprige Landung hingelegt, und das tut mir aufrichtig leid.“

Auf der Homepage der Bank tauchte eine lange Liste mit Problemen, Entschuldigungen und Kontaktmöglichkeiten auf. Experten von IBM wurden eingeflogen. Auf Fragen, ob er denn über seinen Rücktritt nachgedacht habe, entgegnete Pester, dass er „keine Zeit hatte“, um darüber nachzudenken.

Wie es auf dem Bankkonto des Managers aussieht, ist im Zuge des IT-Skandals nicht öffentlich geworden. Aber dass dort in Zukunft weniger Geld landen dürfte als Pester noch vor Kurzem dachte, ist wohl auch klar: Sein Bonus war daran geknüpft, dass die IT-Umstellung gut klappt.

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Für Experten ist TSB ein warnendes Beispiel für die Branche. „Die Krise von TSB führt klar vor Augen, wie komplex die IT-Strukturen vieler Banken sind und wie schwierig es ist, die Daten auf andere Systeme zu transferieren“, sagte Nick Hammond von World Wide Technology der BBC. Dabei, so berichten britische Medien, sei TSB schon 2015 gewarnt worden, dass zu wenig Geld in die IT investiert werde.

Das Boulevard-Blatt „Daily Mail“ benannte das Institut nun um: Die eigentlich für Trustee Savings Bank stehende Abkürzung TSB bedeute wohl eigentlich „Totally Shambolic Bank“: „Total chaotische Bank”.

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Kommentare (1)

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Herr Oxi Sokrates

30.04.2018, 12:09 Uhr

Als EDV Verantwortlicher eines kleinen Unternehmens möchte ich einen dritten Grund anführen, warum es in Unternehmen zu Schwierigkeiten mit der EDV kommt: fehlende Fortbildung und schlechte Dokumentation der Datenbanken und Software-Programme.
Bei kleinen und mittleren Unternehmen steht die Geschäftsleitung auf dem Standpunkt, dass der IT Verantwortliche die erforderlichen Kenntnisse einfach haben muß - woher interessiert niemanden. Und für Fortbildungen will auch niemand zahlen.
Ein zweiter wichtiger Grund, der nirgendwo erwähnt wird, ist die schlechte Dokumentation der Programme und Datenbanken. Ich habe keine Probleme mich selber in die Materie einzuarbeiten, aber finde erst mal die Informationen. Und so kommt es, dass Tabellen mit Kundendaten, Kreditkarteninformationen, etc. von Hackern geklaut werden können. Da trägt der Hersteller von Datenbanken eine Mitschuld. Und zwar die größte.

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