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23.05.2019

20:09

Hauptversammlung

Deutsche-Bank-Aktionäre mahnen Achleitner und Sewing ab

Von: Yasmin Osman

Die Aktionäre haben Vorstand und Aufsichtsrat mit schlechten Ergebnissen entlastet. Zwei Vorstände kamen besonders miserabel weg. Achleitner gibt sich anschließend gelassen.

Paul Achleitner und Christian Sewing wurden auf der Hauptversammlung entlastet. Reuters

Hauptversammlung der Deutschen Bank

Paul Achleitner und Christian Sewing wurden auf der Hauptversammlung entlastet.

Frankfurt Die Vorzeichen für die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank waren schlecht: die Aktie auf Rekordtief, der Gewinn winzig, die Boni für den Geschmack vieler Aktionäre zu hoch. Doch als es zur Abstimmung kam, schrammte die Deutsche Bank gerade noch einmal an einer Blamage vorbei. Alle Vorstände und Aufsichtsräte wurden von den Aktionären mehrheitlich entlastet – allerdings mit zum Teil miserablen Ergebnissen.

Gerade einmal 71 Prozent der Aktionäre stimmten für die Entlastung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Kein Aufsichtsrat erhielt weniger Zuspruch durch die Aktionäre. „Ich bedanke mich persönlich“, sagte der Österreicher dennoch sichtlich erleichtert. Auch Vorstandschef Christian Sewing erhielt nur eine Zustimmungsquote von 75 Prozent.

Noch strenger gingen die Aktionäre mit Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie ins Gericht: Beide erhielten mit rund 61 Prozent noch miserablere Abstimmungswerte. Nach einem vergleichbar schlechten Stimmergebnis von rund 60 Prozent hatten 2015 die damaligen Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, ihre Ämter bald nach dem Aktionärstreffen aufgegeben. Mehr als 17 Prozent stimmten jeweils einem Antrag zu, Matherat und Ritchie das Vertrauen zu entziehen.

Gemessen am Vorjahr ist das Votum der Aktionäre ein Rückschlag für die Führungsriege: Im Vorjahr hatten Aktionäre Achleitner und den anderen Aufsichtsräten noch mit einem Ergebnis von 84 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Die Vorstände hatten eine Zustimmung von 94 Prozent erhalten. Gemessen an den enorm pessimistischen Erwartungen im Vorfeld des Aktionärstreffens, fühlte sich das Ergebnis für die Führungsriege der Bank aber vermutlich fast wie ein Erfolg an.

Immerhin galt zeitweise sogar eine Nicht-Entlastung als möglich. Mehrere Großaktionäre hatten sich unzufrieden mit Achleitner gezeigt und die Entscheidung über ihr Stimmverhalten bis zuletzt hinausgezögert.

Außerdem hatten mit ISS und Glass Lewis erstmals die beiden wichtigsten Stimmrechtsberater von der Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats abgeraten. Viele Großinvestoren wie Publikumsfonds, Versicherer oder Pensionsfonds folgen häufig bei ihren Abstimmungen dem Rat dieser Beratungsfirmen, deren Einfluss auf Hauptversammlungen auf bis zu 40 Prozent geschätzt wird.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner wirkte nach Ende der Veranstaltung jedenfalls fast schon gelöst: „Wenn man diese Art von Demokratie will, kann man nicht immer eine Zustimmung von 99 Prozent der Aktionäre erwarten“, sagte er am Rande der Hauptversammlung. „Wir müssen wegkommen von den kommunistischen Wahlergebnissen.“

Immerhin, der Antrag, Achleitner von seinem Posten abzuberufen, wurde mit 90 Prozent abgelehnt. Gut für Achleitner: Er hatte einige Stunden zuvor mitgeteilt, dass er nicht vorhabe, die Investoren und Kunden des Instituts im Stich zu lassen.

Mehr zum Thema: Wie die Hauptversammlung der Deutschen Bank gelaufen ist – hier im Newsblog alle Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

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