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21.05.2019

14:03

Hauptversammlung

Investoren wollen Deutsche-Bank-Führung entlasten – doch der Frust ist groß

Von: Yasmin Osman, Daniel Schäfer

Etliche Großaktionäre sind unzufrieden, insbesondere mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Dennoch bleibt der Spitze der Deutschen Bank wohl eine Abstimmungsniederlage erspart.

Einige der größten Aktionäre der Deutschen Bank sind mittlerweile unzufrieden mit der Arbeit des Aufsichtsratschefs Paul Achleitner. Reuters

Paul Achleitner

Einige der größten Aktionäre der Deutschen Bank sind mittlerweile unzufrieden mit der Arbeit des Aufsichtsratschefs Paul Achleitner.

Frankfurt Kurz vor der Hauptversammlung stärkt die Fondsgesellschaft Union Investment der Führungsriege der Deutschen Bank den Rücken. „Wir werden Vorstand und Aufsichtsrat entlasten“, sagte die Fondsmanagerin Alexandra Annecke im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das ist angesichts der gewaltigen Probleme und Altlasten, mit denen die Bank immer noch zu kämpfen hat, keine Selbstverständlichkeit“, stellte Annecke klar.

Auch Anlegeranwalt Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte dem Handelsblatt, er werde beide Gremien entlasten.

Das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment zählt mit einem Anteil von rund 0,4 Prozent zu den 20 größten Investoren der Deutschen Bank. Nieding vertritt auf der Hauptversammlung sowohl Kleinaktionäre als auch institutionelle Investoren wie Bayern Invest, Oddo BHF, Hansa Invest sowie die Kapitalanlagegesellschaft der französischen Großbank Société Générale.

Für die Führung der Deutschen Bank ist die Ankündigung ein kleiner Lichtblick in einer heiklen Situation: Die einflussreichen internationalen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis hatten Aktionären in den vergangenen Wochen davon abgeraten, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten. Juristisch hat die Entlastung auf einer Hauptversammlung zwar keine große Bedeutung, sie gilt jedoch als wichtiger Gradmesser für das Vertrauen der Aktionäre in die Führung einer Aktiengesellschaft.

Angesichts der schwierigen Lage der Bank dürfte das Stimmergebnis in diesem Jahr auf jeden Fall schlecht ausfallen. Die Fusion mit der Commerzbank ist geplatzt, der Umbau des Instituts trägt noch keine sichtbaren Früchte, und in dieser Woche erst ist der Aktienkurs des Instituts auf ein neues Rekordtief gerutscht.

Aufsichtsrat in der Kritik

Etliche Großaktionäre sind unzufrieden, insbesondere mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Das Votum der Großaktionäre ist entscheidend für die Frage, ob sich eine Mehrheit für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat findet. Mittlerweile zeichnet sich Finanzkreisen zufolge ab, dass die Bank zumindest eine Abstimmungsniederlage vermeiden kann. Ein Insider betonte, die Zustimmungsrate dürfte bei mehr als 50 Prozent liegen. Das ist nicht selbstverständlich, denn einige Großaktionäre, die Achleitners Rolle sehr kritisch sehen, wollen bis zuletzt prüfen, ob sie den Aufsichtsrat entlasten sollen oder nicht.

Auch Fondsmanagerin Annecke sieht Defizite bei der Deutschen Bank. „Eine Anpassung der Investmentbankstrategie ist überfällig“, sagt sie etwa. Das Kapitalmarktgeschäft sei einmal die Paradedisziplin der Bank gewesen und sei heute nur noch ein Schatten seiner selbst. „Was die Sparte aktuell an Erträgen erwirtschaftet, ist aus Investorensicht völlig unzureichend“, betont die Vermögensverwalterin.

Auch mit der Vergütungspolitik des Instituts steht Annecke auf Kriegsfuß: „Die Vorstandsvergütung und die Boni stehen in keinem Verhältnis zur operativen Entwicklung und zum Aktienkurs“, bemängelt sie.

Dennoch ist sie für eine Entlastung der Führungsriege der Bank. Man wolle Vorstandschef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Achleitner die Chance geben, den Restrukturierungskurs konsequent fortzusetzen. „Erste Erfolge gibt es bereits, aber das ist noch lange nicht genug“, meint die Fondsmanagerin. So lobt sie etwa die bessere Kostendisziplin in der Bank. Das sei „immens wichtig“.

Warnung vor der Führungsschwäche

Die Stimmrechtsberater hatten ihr Votum unter anderem mit den Defiziten der Deutschen Bank bei den Kontrollsystemen begründet und mit der jahrelangen geschäftlichen Misere des Instituts. DSW-Vizepräsident Nieding sieht diese Argumentation kritisch. „Die Entlastung ist aktienrechtlich der Ausdruck dafür, dass Vorstand und Aufsichtsrat im Berichtsjahr pflichtgemäß gehandelt haben. Es geht um das Jahr 2018 und nicht um frühere Jahre“, sagt er.

Er warnt außerdem vor den Folgen eines Führungsvakuums. Es habe Fälle gegeben, in denen Vorstände, die nicht oder mit schlechtem Ergebnis entlastet wurden, die Brocken hingeworfen hätten. Damit spielte er unter anderem auf das frühere Deutsche-Bank-Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen an, die nach einem miserablen Stimmergebnis auf der Hauptversammlung im Jahr 2015 ihren Rückzug angekündigt hatten. „Wir brauchen bei der Deutschen Bank Ruhe auf dem Schiff und eine stabile Führung, denn die äußeren Umstände sind schwierig“, warnt Nieding.

So erfreulich für die Deutsche Bank das Votum von Union Investment und DSW-Vize Nieding auch sein mag, entscheidend wird sein, wie die Großaktionäre des Instituts abstimmen werden. Der Finanzinvestor Cerberus etwa, der mit drei Prozent an der Deutschen Bank beteiligt ist, hat Finanzkreisen zufolge noch nicht entschieden, wie er auf dem Aktionärstreffen abstimmen will. Auch andere große Investoren haben ihr Votum noch nicht gefällt. Auf der Hauptversammlung wird sich die Führung der Deutschen Bank nicht zurücklehnen können - auch wenn ihnen wohl zumindest eine Niederlage erspart bleibt.

Mehr zum Thema: Nach neuen Vorwürfen um Zahlungen an den US-Präsident Donald Trump und einem negativen Analystenurteil trennen sich Investoren von Aktien der Deutschen Bank. Lesen Sie hier mehr über die heiklen Vorwürfe.

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Kommentare (1)

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Herr Frank Krebs

21.05.2019, 16:39 Uhr

Kein noch so schmieriges Geschäft wurde und wird ausgelassen. Trotzdem verdient diese Bank kein Geld. Das muß man erst mal hinkriegen.
Eine Überhame durch ein anderes Institut wäre wünschenswert. Die Risiken sind aber viel zu groß. Diese Bank ist toxisch wie Monsanto. Nur leider gibt es hier keinen Dummen, der sie übernehmen will.
Fazit: Die Deutschen verstehen einfach nichts vom Bankwesen. In Finanzkreisen heißt es nicht umsonst: "Stupid German Money"

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