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29.07.2019

11:38

Investmentbanking

E-Mail-Zugang nicht gesperrt: Deutscher Bank unterläuft Panne bei Entlassungen

Von: Yasmin Osman

Job verloren, E-Mail behalten: Bei der Deutschen Bank konnten einige Aktienhändler nach ihrer Kündigung noch Nachrichten verschicken. Die Bank prüft den Vorfall.

Deutsche Bank vergisst E-Mail-Zugänge nach Entlassungen zu sperren Reuters

Deutsche Bank

Passanten vor der Zentrale der Deutschen Bank in London.

Frankfurt Entlassungen im Investmentbanking wirken oft rüde: Mitarbeiter müssen noch am selben Tag ihren Arbeitsplatz verlassen und unter dem strengen Blick des Sicherheitspersonals ihre persönlichen Habseligkeiten einpacken. Zu groß ist die Sorge vor frustrierten Racheaktionen der Geschassten. Deshalb klemmen Banken die Entlassenen auch sofort von allen Handels- und Kommunikationssystemen ab. Normalerweise.

Bei der Deutschen Bank ist das im Aktienhandel nur teilweise geglückt. Das Kreditinstitut hatte Anfang Juli beschlossen, komplett aus dem Aktienhandel auszusteigen, und unmittelbar etwa 900 Mitarbeiter aus dem Bereich entlassen. Zwar verloren die Betroffenen sofort ihre Zugänge zu den Handelssystemen der Bank. Doch bei einigen von ihnen vergaß die Bank, auch die E-Mail-Zugänge zu sperren.

„Der Zugang zu den Handelssystemen wurde umgehend abgeschaltet, als die Mitarbeiter über ihre Entlassung informiert wurden. Eine geringe Anzahl von Mitarbeitern hatte über persönliche Geräte für einen begrenzten Zeitraum weiterhin Zugriff auf ihre Firmen-E-Mails“, sagte ein Sprecher der Bank. Er reagierte damit auf einen Bericht der „Financial Times“, die geschrieben hatte, rund 50 Händler in London und New York hätten noch Wochen nach der Entlassungsrunde, die am 8. Juli startete, Zugriff auf ihre E-Mails gehabt.

Der Sperrung des Zugangs zu den Handelssystemen ist für die Bank am wichtigsten. Frustrierte Wertpapierhändler könnten ihrem Ex-Arbeitgeber sonst noch mit wenigen Klicks eine verlustreiche Transaktion einbrocken.

Eine E-Mail-Sperre ist aber auch wichtig: Schließlich können Mitarbeiter damit auch noch versuchen, die Reputation ihres Ex-Arbeitgebers zu schädigen, der Bank Kunden abspenstig zu machen oder sensible Informationen zu verschicken. Man darf deshalb davon ausgehen, dass sich auch die Aufsichtsbehörden über die Panne haben informieren lassen.

Die Bank hat deshalb den E-Mail-Verkehr der Entlassenen untersucht. „Wir haben fast alle gesendeten E-Mails bereits überprüft und konnten keinen Beleg dafür finden, dass preissensible Informationen kommuniziert wurden oder sonstiges Fehlverhalten stattgefunden hat“, so ein Sprecher der Bank. Der Zugriff auf die beruflichen Mails sei in der Zwischenzeit vollständig abgeschaltet worden.

Auch wenn durch die Panne bislang kein messbarer Schaden entstanden zu sein scheint, ist der Vorfall für die Bank unangenehm. Schließlich ist das Institut in der Vergangenheit immer wieder durch Kontrollmängel aufgefallen. Kein Wunder also, dass Vorstandschef Christian Sewing trotz aller Sparpläne punktuell auch investieren will: Rund vier Milliarden Euro etwa sollen in verbesserte Kontrollen fließen.

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