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03.12.2019

11:12

Italienische Großbank

Neuer Vier-Jahres-Plan: Unicredit streicht weitere 8000 Stellen

Von: Christian Schnell, Carsten Volkery

Unicredit-Chef Mustier legt neue Sanierungsziele fest und kündigt Aktienrückkäufe an, um die Aktionäre zu trösten. Eine Fusion schließt er aus.

Die Bank, die einen höheren Aktienkurs anstrebt, will Anleger mit einer höheren Ausschüttungsquote locken. Reuters

Unicredit-Filiale

Die Bank, die einen höheren Aktienkurs anstrebt, will Anleger mit einer höheren Ausschüttungsquote locken.

Mailand „Team23“ heißt die Strategie, mit der Jean-Pierre Mustier die italienische Großbank Unicredit bis 2023 weiter umbauen will. In den kommenden vier Jahren sollen weitere 8000 Mitarbeiter gehen. Damit soll langfristig eine Milliarde Euro eingespart werden. Das kündigte der Vorstandschef am Dienstag vor Investoren und Analysten in London an.

Die Bank habe mit der Sanierung in den vergangenen vier Jahren bewiesen, dass sie ihre Ziele erreichen könne, sagte der Franzose. Nun kündigte er weitere Einsparungen und Umbaumaßnahmen an.

Im Einzelnen plant Mustier Folgendes:

1. Stellenabbau und Filialschließungen

8000 Stellen sollen bis 2023 wegfallen. Das entspricht zwölf Prozent der Belegschaft. Ein Teil davon wird durch die Schließung von 500 Filialen in Westeuropa erreicht. Laut Mustier ist noch nicht abschließend entschieden, wo die Stellen gekürzt werden. Man sei in Gesprächen mit den Gewerkschaften, sagte er. Wie in den vergangenen Jahren wolle man das Ziel sozialverträglich mit Vorruhestandsregelungen erreichen.

In Bankkreisen hieß es, 5500 Stellen sollten in Italien, der Rest in Deutschland und Österreich wegfallen. Die Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank zählt aktuell 12.200 Stellen und verfügt über 337 Filialen.

Betroffen könnte auch die Unicredit Services sein, über die Technik und IT intern laufen. Das sind im Moment rund 9000 Mitarbeiter in elf Ländern. Hier sollen etliche Niederlassungen geschlossen werden. In Zukunft will man vermehrt mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten.

2. Neue Holding

Die 13 Auslandstöchter sollen in einer Holding zusammengefasst werden, darunter auch die Münchner HypoVereinsbank und die Wiener Bank Austria. Die Dachgesellschaft soll in Mailand angesiedelt werden, nicht in München, wie früher spekuliert. Man wolle trotz der möglichen Umstrukturierung diese Einheiten weiter an der kurzen Leine der Zentrale führen, hieß es in Bankkreisen.

Mustier trat Spekulationen entgegen, dass die Holding ein erster Schritt zu einer Fusion mit einer ausländischen Bank sei. „Wir schließen das aus“, sagte er. „Keine Fusion.“ Die Holding sei einzig dazu da, die Bank weniger komplex zu machen und so die Mindestkapitalanforderungen zu drücken.

3. Beteiligungsverkäufe und Zukäufe

Um die Kapitaldecke zu verbessern, hat Mustier immer wieder Beteiligungen verkauft, die er für „nicht-strategisch“ hält. Am Dienstag kündigte er an, neun Prozent der Beteiligung an der türkischen Bank Yapi Kredi zu verkaufen. 32 Prozent wolle man behalten, denn die Türkei sei „ein gutes Land“ mit einer jungen Bevölkerung, sagte Mustier. Zuvor hatte er in diesem Jahr bereits die Beteiligungen an den italienischen Finanzinstituten Mediobanca und Fineco veräußert. Weitere große Verkäufe sind laut Mustier nicht geplant. Auch große Zukäufe plant er nicht, allenfalls kleinere Deals in Osteuropa seien denkbar.

4. Faule Kredite

Die Bank will die faulen Kredite in ihren Büchern bis Ende 2020 auf unter fünf Milliarden Euro drücken.

5. Neue Umsatz- und Kostenziele

2023 will die Bank einen Nettogewinn von fünf Milliarden Euro erwirtschaften. Der Umsatz soll auf 19,3 Milliarden Euro wachsen, während die Kosten um 0,2 Prozent per anno sinken sollen.

Die große Frage ist, wo neues Wachstum herkommen soll. In Westeuropa erwartet die Unicredit nur 0,5 Prozent Umsatzwachstum in vier Jahren. In Osteuropa soll der Umsatz um zwei Prozent wachsen. „In Westeuropa erwarten wir wegen der niedrigen Leitzinsen kein großes Umsatzwachstum“, sagte Mustier. Das sei aber eine konservative Schätzung, die unter den Marktprognosen liege.

Mit der neuen Strategie treibt Mustier den Umbau voran, den er im Dezember 2016 mit seinem Plan „Transform19“ begonnen hatte. Die bisherige Bilanz: Die Gruppe hat 14.000 Stellen und 1000 Filialen weniger. 50 Milliarden Euro faule Kredite wurden aus den Büchern entfernt, die Kosten um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr gesenkt.

Die Umsetzung von „Transform19“ beweise, dass man die eigenen Ziele erreichen könne, sagte Mustier. Wenn dann auch noch „Team23“ umgesetzt sei, werde man die Mitarbeiterzahl in acht Jahren um 32 Prozent und die Zahl der Filialen um 42 Prozent reduziert haben. „Nicht viele andere Banken in Europa haben das geschafft“, sagte der Vorstandschef. „Ich habe nicht viele Banken gesehen, die ihre Strategie umgesetzt haben. Wir haben es getan.“

Die Zahlen geben dem Sanierer recht: Im dritten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

Die Kernkapitalquote beträgt 12,6 Prozent, auch die Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres ist besser als bei manchen Wettbewerbern. Besonders stolz zeigte sich Mustier auf die Investmentbanksparte, deren Eigenkapitalrendite mit 12 Prozent im europäischen Vergleich überdurchschnittlich ist. „Wir sind doppelt so effizient wie die Konkurrenz“, sagte Mustier.

Langfristig soll die Eigenkapitalrendite der Gruppe aber nur bei acht Prozent liegen. Die Bank begründet dies mit Verweis auf höhere Kapitalanforderungen unter Basel IV.
Aktionären verspricht Mustier nun eine höhere Ausschüttungsquote. So sollen für dieses Jahr 40 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden statt wie zuvor 30 Prozent. Außerdem soll auch endlich der Aktienkurs wieder steigen. Mustier will mit Aktienrückkäufen im Wert von rund zwei Milliarden Euro nachhelfen. Der Börsenwert ist unter seiner Führung um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Der Aktienrückkauf muss von den europäischen Bankenaufsehern genehmigt werden. Es wäre die Bestätigung, dass die Kapitaldecke der Bank nun dick genug ist.

„Sie können uns vertrauen, dass wir liefern werden“, sagte Mustier. Die Bank werde in den kommenden vier Jahren einen „massiven Shareholder-Value“ generieren. Außerdem stellte Mustier eine höhere Dividende in Aussicht. Die Anleger hörten das gern: Die Unicredit-Aktie legte am Dienstag zu.

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