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14.01.2019

14:13

Italiens Bankenkrise

EZB sorgt sich um die italienische Bank Monte dei Paschi

Von: Regina Krieger

Die Bankenaufseher der europäischen Notenbank sehen Schwächen bei der Kapitalausstattung und Profitabilität der Bank aus Siena. Die Aktie stürzt an der Mailänder Börse ab.

Das italienische Geldhaus ist wegen eines riesigen Bergs fauler Kredite in Schieflage geraten und musste vom Staat gerettet werden. Bloomberg

Bankfiliale von Monte dei Paschi in Rom

Das italienische Geldhaus ist wegen eines riesigen Bergs fauler Kredite in Schieflage geraten und musste vom Staat gerettet werden.

RomDie Bankenbranche in Italien bleibt unter Beobachtung – befürchtet wird offenbar eine neuerliche Krise. Diesmal wollen die Europas Aufseher rechtzeitig reagieren: Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) zu Jahresbeginn die kleine Regionalbank Banca Carige unter Zwangsverwaltung gestellt hatte, gerät jetzt erneut das Geldhaus Monte dei Paschi ins Visier.

Die Banker in Siena erhielten nach eigenen Angaben ein Warnschreiben der EZB. Darin ist von „beträchtlichen Herausforderungen“ die Rede, vor denen Monte dei Paschi bei der Rückkehr an den Kapitalmarkt stehe. Die EZB weist vor allem auf Schwächen bei der Kapitalausstattung und der Profitabilität hin.

Die Reaktion an der Mailänder Börse kam prompt: Zu Wochenbeginn stürzte Monte dei Paschi zwischenzeitlich um bis zu 9,3 Prozent ab. Die Aktien wurden zeitweise vom Handel ausgesetzt. Insgesamt hat die Bank seit ihrer Rückkehr an die Börse im Oktober 2017 rund 69 Prozent ihres Wertes verloren.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Die älteste Bank der Welt war 2016 nach einer gescheiterten Kapitalerhöhung mit 6,9 Milliarden Euro vom italienischen Staat gerettet worden, den Mehrheitsanteil mit 68,5 Prozent hält seitdem das römische Wirtschafts- und Finanzministerium. Die EU-Kommission und die EZB hatten nach langen Verhandlungen über den Plan zur Umstrukturierung Mitte 2017 einer vorsorglichen Kapitalspritze in Höhe von 5,4 Milliarden Euro zugestimmt.

Bankchef Marco Morelli arbeitet seitdem an der Umsetzung des Restrukturierungsplans, der Kosteneinsparungen, Reduzierung der Filialen, Entlassungen und vor allem den Abbau der notleidenden Kredite vorsieht. Bis Mitte des Jahres muss der Hauptaktionär, also das Ministerium, in Brüssel einen Plan präsentieren, wie er sich von seinen Anteilen an der Bank trennen will. Dies soll bis spätestens 2021 geschehen sein, hatte der damalige Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan im Juli 2017 angekündigt. Doch der Umbau der Bank scheint der EZB nicht schnell genug zu gehen.

„Die Nachricht der EZB kommt überraschend“, sagte Analyst Luigi Tramontana von der Bank Akros. Er stufte sein Rating für die Aktien auf „Halten“ von „Kaufen“ zurück. Das Schreiben der Zentralbank sei negativ für die gesamte Branche, ergänzte ein zweiter Analyst in Mailand, und kritisierte vor allem den Regulierungsdruck. Konkret geht es um die Ausgabe einer seit Monaten geplanten Anleihe.

Die Bank aus Siena will nach Medienberichten schon in dieser Woche das Interesse von Investoren an einem nachrangigen Bond ausloten. Seit Sommer ist das Monte dei Paschi nicht gelungen.

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Hier kommt die Politik ins Spiel. Denn seit in Rom die populistische Regierung im Amt ist, sind Investoren zurückhaltender geworden. Gedankenspiele, dass Monte dei Paschi in eine Staatsbank, eine „staatliche Investmentbank“, wie Vizepremier Luigi Di Maio sagte, umgewandelt werden könnte, verunsichern potenzielle Geldgeber. Solche Gerüchte gibt es seit längerem, doch bislang ohne konkrete Einzelheiten.

Am Sonntag sagte Giancarlo Giorgetti, „Kanzleramtsminister“ auf dem Ticket der rechtskonservativen Partei Lega im Amt von Premier Giuseppe Conte, man könne nicht die Augen verschließen vor den Problemen des Kreditsektors. Es gebe ein Carige-Problem, aber auch ein Monte-dei-Paschi-Problem. 

Die Rettung der Banca Carige war in der vergangenen Woche nach der Blaupause von Monte dei Paschi abgelaufen. Die Regierung beschloss, der Regionalbank Garantien für neue Anleihen zu geben und ihr außerdem Gelder für eine vorsorgliche Rekapitalisierung zur Verfügung zu stellen. Die Regierung legte für die potenziellen Kosten zur Stützung der Bank einen Fonds in Höhe von 1,3 Milliarden Euro auf.

„Ich hoffe, dass Monte dei Paschi seine Probleme in den Griff bekommt. Aber wenn das nicht der Fall ist, muss die Regierung ihre Verantwortung übernehmen“, ließ Giorgetti wissen.

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