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03.04.2019

18:00

Jahresausblick

Der Tag X naht – Auslandsbanken erwarten Zitterpartie beim Brexit

Von: Felix Holtermann

Die Auslandsbanken in Deutschland rechnen trotz aller Vorbereitungen mit Brexit-Problemen. Dafür erwarten sie weiter Tausende neue Jobs für Frankfurt.

Banken aus London zieht es an den Main. Imago/Westend61

Blick auf Frankfurt

Banken aus London zieht es an den Main.

Frankfurt Stefan Winter spricht Klartext. Beim Thema Brexit seien mitnichten alle Probleme ausgeräumt. „Nicht alles wird zu 100 Prozent funktionieren und vorhanden sein“, wenn es zum EU-Austritt Großbritanniens komme, warnt der Chef des Verbands der Auslandsbanken auf seiner letzten Pressekonferenz.

Zwar arbeiteten alle betroffenen Institute mit Hochdruck daran, die nötige Infrastruktur zu installieren, um ihre Dienstleistungen und Produkte auch künftig hierzulande anbieten zu können. Jedoch stießen sie immer wieder auf neue Fragen, so Winter am Mittwoch in Frankfurt.

Rund 50 Banken, Wertpapierfirmen und Finanzdienstleister hätten sich im Zuge des geplanten EU-Austritts Großbritanniens entschieden, ihre Präsenz in Deutschland auszubauen. Viele Institute, die bisher ihre britische Lizenz nutzen konnten, um ihre Produkte in der gesamten EU anzubieten, brauchen nach dem Brexit eine eigene Lizenz. Dazu müssen sie, wenn nicht bereits vorhanden, Töchter in der EU aufbauen.

Viele betroffene Banken würden derzeit neue Mitarbeiter einstellen, schwerpunktmäßig in Bereichen wie Risikomanagement, Compliance, Recht, Steuern, Meldewesen, Interne Revision, Finance und Treasury, erklärte Winter. Der Vorstand der Europa-Tochter der Schweizer Großbank UBS steht seit 2009 an der Spitze des Verbands. Im Sommer hört er aus Altersgründen auf.

Nach wie vor erwartet Winter, dass bis zu 5000 Banker aus aller Welt im Zuge des Brexits nach Deutschland kommen. Dabei gehe es aber nicht vorwiegend um „Heerscharen von Londonern, die hier in Frankfurt auch als Schreckensbild prognostiziert wurden“. Es kämen vielmehr auch Mitarbeiter aus Indien, Japan, Korea, Polen, Singapur oder den USA. Der Stellenabbau früherer Tage sei bei den Auslandsbanken damit gestoppt.

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Der mit dem Brexit erwartete Wechsel Tausender Banker nach Deutschland wird die Konkurrenzsituation auf dem deutschen Finanzmarkt nach Winters Einschätzung kaum verschärfen. „Die großen Häuser werden ihre Strategie aufgrund einer größeren Präsenz in Deutschland nicht ändern.“

Die Töchter ausländischer Banken, die im Zuge des Brexits ihre Standorte in Frankfurt und anderen deutschen Städten ausbauen, würden das Kapital für ihr Geschäft in den verbleibenden 27 EU-Staaten einsetzen – und nicht gezielt in Deutschland.

Dennoch könnte sich die aggregierte Bilanzsumme der 200 Mitglieder des Verbands in den nächsten Jahren von aktuell rund 430 Milliarden Euro auf 900 Milliarden Euro verdoppeln, so Winter.

Bei den Geschäftsaussichten der Auslandsbanken in Deutschland sieht er ein differenziertes Bild, je nach Geschäftsbereich. Während laut einer Verbands-Umfrage insbesondere Banken aus dem Bereich Export und Handelsfinanzierung nach wie vor recht positiv in die Zukunft blickten, „dominieren im Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking eher die Molltöne“.

Schon das vierte Quartal 2018 habe deutlich Bremsspuren hinterlassen und auch die Zahlen aus dem ersten Quartal 2019 würden keine wirkliche Aufhellung erkennen lassen. „Wir sehen nach wie vor keine IPOs, vielmehr wurden einige sogar abgesagt“, sagte Winter. Eine Prognose für die nächsten Monate sei schwierig.

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Das Worst-Case-Szenario ist für die Auslandsbanken ein harter Brexit, also ein EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen. Wenn ein Kunde sie mit dem Kauf oder Verkauf eines größeren Aktienpakets beauftragt, garantieren sie bisher, dass sie für ihn die bestmöglichen Konditionen herausholen. Oft lasse sich eine große Menge an Papieren aufgrund von Angebot und Nachfrage aber nur in London zu bestmöglichen Konditionen handeln, erklärte Winter.

Wenn der Handel in London bei EU-Geschäften künftig nicht mehr erlaubt sei, könnten Banken dieses Kundenversprechen nicht mehr erfüllen.

Mit Agenturmaterial.

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