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05.02.2018

08:00

Josef Ackermann

„Ich habe eine gut aufgestellte Deutsche Bank übergeben“

In wenigen Tagen feiert Josef Ackermann seinen 70. Geburtstag. Während sein Ex-Arbeitgeber tief in der Krise steckt, ist der Spitzenbanker mit sich im Reinen.

Deutsche Bank: Josef Ackermann ist mit sich im Reinen dpa

Josef Ackermann

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sieht die Schuld für die Krise bei anderen.

FrankfurtEr reizte die Massen: Josef Ackermann. Als Chef der Deutsche Bank stand der Schweizer für ein Jahrzehnt (2002-2012) im Rampenlicht wie kaum ein anderer Manager in Deutschland. Buhmann oder Staatsmann? Saulus oder Paulus? Das Urteil über Ackermanns Lebenswerk fällt gegensätzlich aus – je nachdem, welche Quellen man heranzieht.

Ackermann selbst scheint mit sich im Reinen. „Gerade in Deutschland habe ich oft den Eindruck, sie wissen das, was die Deutsche Bank in meiner Zeit an der Spitze erreicht hat, heute mehr zu schätzen als je zuvor“, sagte er anlässlich seines 70. Geburtstages an diesem Mittwoch (7. Februar) der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Im Mai 2002 übernahm der Investmentbanker als erster Ausländer den Chefposten bei Deutschlands führendem Geldhaus. Die Anfangsjahre sind holprig: 2004 zeigt er im Gerichtssaal grinsend das Victory-Zeichen, 2005 verkündet der Deutsche-Bank-Chef in einem Atemzug ein scheinbar wahnwitziges 25-Prozent-Renditeziel und den Abbau Tausender Stellen.

Das Leben von Josef Ackermann

Herkunft

Josef ("Joe") Meinrad Ackermann wurde am 7. Febr. 1948 in Walenstadt (Kanton St. Gallen) als Sohn eines Landarztes geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern, Karl und Daniel, im nahen Mels im Sarganserland auf.

(Quelle: Munziger.de)

Ausbildung

Von 1967 bis 1973 studierte Ackermann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fachrichtung Bankwirtschaft) an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen. Anschließend war er dort als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Nationalökonomie tätig. 1977 promovierte er zum Dr. oec. Er ist Oberst der Schweizer Armee.

Start ins Berufsleben

Seine Berufskarriere begann Ackermann 1977 bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), bei der er eine steile und geradlinige Karriere durchlief. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren leitende Funktionen im Corporate Banking in New York, im Bereich Devisenhandel und Treasury in Lausanne und im Investment Banking bei der CS First Boston in London. Zuletzt leitete er den Bereich Multinational Services Schweiz in Zürich.

Berufliche Lebensplanung

Bereits 1990, als 42-Jähriger, rückte er in die Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt auf, 1993 wurde er deren Präsident. Als Präsident der SKA, der wichtigsten Tochtergesellschaft der mächtigen Schweizer Bank Credit Suisse (CS), war Ackermann nach CS-Chef Rainer E. Gut die unumstrittene Nummer zwei des Bankkonzerns. U. a. besorgte er die Integration der Schweizerischen Volksbank in die Credit Suisse Group. Dessen ungeachtet verließ A. im Juli 1996 etwas abrupt den Konzern und machte dafür Gründe der beruflichen Lebensplanung geltend, während in der Wirtschaftspresse vermutet wurde, Ackermann habe den Wettbewerb um den Vorsitz der neu strukturierten Credit Suisse Group gegen seinen Konkurrenten Lukas Mühlemann verloren. Ackermann äußerte aber auch Kritik am radikalen Umbau der Bankengruppe CS Holding zur Credit Suisse Group.

Wechsel zur Deutschen Bank

Im Herbst 1996 übernahm Ackermann bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied zunächst den Geschäftsbereich Kreditrisiken, dann die Bereiche Marktrisiken, Treasury und Volkswirtschaft und schließlich den zukunftsträchtigen Bereich "Globale Unternehmen und Institutionen" (d. h. Großkundengeschäft und Investment Banking), der im Geschäftsjahr 1999 mehr als 60 Prozent zum Konzerngewinn der Deutschen Bank beitrug.

Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Als enger Vertrauter des Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper galt A., der den früheren Bankchef Alfred Herrhausen wiederholt als sein Vorbild nannte, zu diesem Zeitpunkt bereits als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von Rolf-Ernst Breuer, der im Mai 1997 das Amt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank übernommen hatte. Im Sept. 2000 wählte der Vorstand der Deutschen Bank Ackermann überraschend frühzeitig zu seinem künftigen Sprecher mit Wirkung ab Mai 2002. Begleitet von großem Medieninteresse löste Ackermann auf der Hauptversammlung am 22. Mai Breuer als Vorstandschef der Deutschen Bank ab.

Vertragsverlängerung

Am 1. Febr. 2006 verlängerte der Aufsichtsrat Ackermanns Vertrag - nun in der Funktion eines Vorstandsvorsitzenden statt Vorstandssprechers - bis zur Hauptversammlung 2010. Gestärkt ging Ackermann nach Beobachtermeinung auch aus einer Neuordnung von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai 2006 hervor: Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer übernahm der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig dessen Nachfolge.

Globale Finanzkrise

Insgesamt schrieb Ackermanns Bank im Krisenjahr 2008 erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen und verbuchte einen Verlust in Höhe von 3,8 Mrd. Euro, wobei in erster Linie die Investmentbanking-Sparte die Bilanz mit einem Jahresverlust von 8,5 Mrd. Euro belastete. Ackermann selbst verlor mit einem um 90 Prozent zurückgegangenen Jahresverdienst von 1,4 Mio. Euro seinen Platz als Topverdiener unter den DAX-Vorstandschefs.

Vetragsverlängerung bis 2013

Obwohl er noch bei der Jahrespressekonferenz im Febr. 2009 seinen Abschied für 2010 angekündigt hatte, nahm Ackermann im April 2009 überraschend das Angebot des Aufsichtsrats zur Verlängerung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender um drei Jahre bis 2013 an und beendete damit Spekulationen über den Aufsichtsratschef Clemens Börsig als seinen potenziellen Nachfolger. Im März 2009 hatte das Kontrollgremium eine Verdoppelung des Vorstands auf acht Mitglieder beschlossen. Neu in die Führungsetage gerückt waren dadurch u. a. Koinvestmentbanking-Chef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.

Abschied von der Deutschen Bank

Nach einem in den Medien breit kommentierten Machtkampf zwischen Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die Nachfolgefrage beschloss der Aufsichtsrat Ende Juli 2011 eine personelle Neuordnung des Vorstands ab Juni 2012, bei der aber nicht Ackermanns Wunschkandidat Ex-Bundesbankchef Axel Weber, der kurz zuvor bei der Schweizer Bank UBS zugesagt hatte, zum Zug kam. Als neue gleichberechtigte Kovorsitzende der Deutschen Bank wurden die beiden Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain ernannt, die von Ackermann allerdings - auch nach ihrer Ernennung - nicht ausdrücklich unterstützt wurden. Legendär wurde in diesem Zusammenhang seine Einschätzung: "Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen", die als Werbung für Weber und Abqualifizierung der internen Kandidaten interpretiert wurde.

Ackermann verabschiedete sich bei der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 von der Deutschen Bank. Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Paul Achleitner, bisher Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz.

Nach der Deutschen Bank

Nachdem Ackermann auf einen Verbleib bei der Deutschen Bank verzichtet hatte, wurde bald über seinen geplanten Wechsel an die Spitze des Verwaltungsrats des Schweizer Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich Financial Services AG, in dem er bereits seit 2010 als Vizepräsident tätig war, berichtet. Bei der Generalversammlung des Konzerns Ende März 2012 wurde Ackermann dann mit 82 Prozess der Stimmen erneut in den Verwaltungsrat des in Zurich Insurance Group AG umbenannten Unternehmens und in das Kontrollgremium der Tochter Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG gewählt und wurde anschließend zum Präsidenten beider Gremien bestimmt.

Ende August 2013 tritt er als Zurich-Präsident zurück, nachdem Finanzchef Pierre Wauthier Selbstmord begangen hatte. In Wauthiers Abschiedsbrief an den Versicherungskonzern wurde Ackermann als einziger Manager namentlich genannt, berichtete ein Insider.

Im November 2014 wird Ackermann Verwaltungsratschef der Bank of Cyprus.

Ackermann fühlt sich seinerzeit missverstanden und keilt zurück: „Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen“, schimpft er im Januar 2004 im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess – eine Aussage, die er heute bereut: „Das war aus der Verärgerung heraus gesagt, unüberlegt und sehr missverständlich.“ Der Prozess um Untreue bei der Zahlung üppiger Prämien im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone wurde nach fast drei Jahren gegen Geldauflage eingestellt.

In der Finanzkrise 2007/2008 präsentiert sich Ackermann geläutert. „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen“ – wie eine Monstranz trägt der Manager dieses Credo in seinen letzten Jahren an der Deutschen-Bank-Spitze vor sich her. Die Krise habe Ackermann „nachdenklicher, menschlicher“ gemacht, sagt ein Weggefährte. „Späte Reue“ nennt es Ackermanns damaliger Kommunikationschef Stefan Baron in einem gleichnamigen Buch.

Ackermann räumt Fehler seiner Zunft ein. Hat er auch selbst Fehler gemacht? „Natürlich habe ich das“, sagt der Jubilar. „Wir dachten in der Branche damals zum Beispiel alle, durch die Verbriefung von Forderungen, also deren Verteilung auf viele Schultern, sei die Ausfallgefahr viel geringer geworden. Dabei sind wir wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass sich jeder nur so viel auflädt wie er auch im Notfall noch tragen kann. Das war ein Irrtum.“

Würde er heute wieder Banker werden? „Vermutlich ja. Der Beruf ist sehr reizvoll für Menschen, die vor allem an wirtschaftlichen Dingen interessiert sind wie ich es bin, denn er bietet nicht nur Einblick in eine einzige Branche, sondern in die gesamte Wirtschaft. Er macht dadurch auch viele Freundschaften mit Menschen verschiedenster Art in vielen unterschiedlichen Wirtschaftszweigen möglich. Zudem hat er eine starke politische Dimension. Das alles ist sehr bereichernd.“

Kommentare (6)

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Herr Gerd St

05.02.2018, 10:00 Uhr

Was wollen Sie denn erwarten ? Das er sagt, er hätte alles falsch gemacht, die DB in alle möglichen Rechtsfälle verstrickt, durch das Ausgeben seines Ertragszieles die Mitarbeiter motiviert,riskante und teilweise kriminelle Geschäfte zu machen und die DB so aufgestellt, dass man bei allen Manipulationen im Bankengeschäft dabei war ?
Liebe Leute, seit wann belastet man sich selbst.
Interessant wäre es zuzuhören wie Herr Cryan die übernommenen Situationen bewertet.
Solche selbstgerechten und aufgeblasenen Leute wie Ackermann kann man doch nicht ernst nehmen.

Herr Robbie McGuire

05.02.2018, 11:00 Uhr

Ackermann ..............„Das war aus der Verärgerung heraus gesagt, unüberlegt und sehr missverständlich.“.....
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Unüberlegt - Genau da liegt auch das Problem, in die Ackermann die Deutsche Bank geritten hat. Er hat nicht annähernd die Konsequenzen seines Handelns gesehen bzw. wollte es nicht sehen. Das ist der Ursprung allen Übels der Deutschen Bank. Und der Aufsichtsrat der DB hat nichts begriffen.

Herr Peter Spiegel

05.02.2018, 11:11 Uhr

Die Eigenkapital-Rendite hat bei Ackermann gestimmt, die Kasse war voll, das ist der Unterschied zu den Losern, die überall ihr Unwesen treiben.

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