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05.04.2019

20:07

Kapitalismus-Kritik

Star-Investor Ray Dalio warnt vor einer Revolution

Von: Robert Landgraf

Der Gründer des größten Hedgefonds der Welt schlägt Alarm: Für Ray Dalio geht die Schere zwischen Arm und Reich in den USA zu weit auseinander.

Der Milliardär fordert mehr soziale Gerechtigkeit. picture alliance / ZUMAPRESS.com

Ray Dalio

Der Milliardär fordert mehr soziale Gerechtigkeit.

Frankfurt Ray Dalio hat seinen Reichtum dem Kapitalismus der USA zu verdanken. Gleichzeitig ist er aber einer seiner schärfsten Kritiker und warnt sogar vor einer Revolution. Dabei blickt der Gründer des größten Hedgefonds der Welt auf eine Karriere zurück, die dem amerikanischen Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“ sehr nahe kommt.

Aus dem von ihm 1975 in einem Zwei-Zimmer-Apartment in New York City gestarteten Spezialfonds Bridgewater Associates entwickelte sich ein Hedgefonds, der heute rund 160 Milliarden Dollar verwaltet. Mit einem Vermögen von 18 Milliarden Dollar steht Dalio auf Rang 69 der reichsten Menschen der Welt, wie der Finanzdatenspezialist Loong Palace Hurun Research errechnet hat.

In den vergangenen Jahren war Dalio immer wieder als Kritiker des amerikanischen Kapitalismus aufgefallen. Doch so hart wie in seinem aktuellsten Essay ging er mit ihm noch nicht ins Gericht. Der 69-Jährige glaubt, dass aus dem US-Kapitalismus eine zerstörerische Lücke in der Erziehung, der sozialen Mobilität, im Vermögen und Einkommen entstanden ist, die sich selbst verstärkt. Am Ende könnte das in einer Revolution münden.

Besorgniserregende Entwicklung

In seinem neuen Aufsatz, über den die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtete, verweist der Co-Chairman auf Statistiken, die zeigen, dass die reichsten 40 Prozent der Bevölkerung mit ihren Einkommen weit vor den restlichen 60 Prozent liegen. Dalio steht mit seiner Kritik nicht allein.

Andere Wirtschaftsführer sehen die Entwicklung ebenfalls mit großer Besorgnis. Unterstützung erhält das Finanzgenie etwa von David Rubenstein, dem Mitgründer des Private-Equity-Fonds Carlyle. Der verdeutlichte auf der Finanzinvestoren-Konferenz Superreturn in Berlin, wie stark die die Schere zwischen Arm und Reich in den USA aufgeht.

Laut Rubenstein hat das Nettovermögen in den Einkommen der unteren 40 Prozent seit den 80er Jahren mit minus 8.900 Dollar stark abgenommen. Dagegen hat sich der Reichtum des obersten Prozents mit im Schnitt 26,4 Millionen Dollar mehr als verdoppelt.

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Diese Entwicklung ist umso erschreckender, als dass sie mit fallenden Arbeitslosenzahlen in den USA zusammenfällt. Aus Besorgnis über den Zustand schrieb der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, am Donnerstag in seinem 51-seitigen Brief an die Aktionäre: „Der amerikanische Traum lebt noch, aber er schwächelt für viele.“ Carlyle-Co-Vorstandschef Kewsong Lee warnte kürzlich im Handelsblatt-Interview davor, dass sich die Gesellschaften durch die ungleich verteilten Vermögen polarisieren. „Hier müssen wir dringend gegensteuern“, betont er.

Gleichzeitig gewinnen die Populisten an Macht, wie Hedgefonds-Größe Dalio in seiner 18-seitigen Abhandlung schreibt. Er spricht laut Bloomberg von „existenziellen Bedrohungen“ für die amerikanische Gesellschaft. Gleichzeitig stellt er eine Wirtschaft fest, die schwächelt, einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu rivalisierenden Nationen hinnehmen muss und konstatiert die wachsende Gefahr eines Konflikts.

„Unterschiede in Reichtum, speziell wenn sie von unterschiedlichen Werten begleitet werden, führen zu vermehrten Konflikten, und in einer Regierung, die sich selbst als eine Form von Populismus von links und Populismus von rechts definiert, mündet das oftmals in Revolutionen der einen oder anderen Art“, heißt es.

Auf der Basis von Daten einschließlich des US-Volkszählungsbüros, des World Economic Forums und von Gallup zeichnete er folgendes Bild: Die Löhne der Amerikaner stagnierten seit Jahrzehnten, in der Mittelklasse verdienten die Menschen sogar weniger als ihre Eltern. Reichtum bestimme indes die Qualität der Erziehung und Schulbildung der Kinder. Schlechte Bildung sei zudem eng mit schlechter Gesundheit verknüpft und führe zu einem früheren Tod, was wiederum direkte Konsequenzen für die Wirtschaft habe.

Gerade bei der Gesundheit in einem Land, in dem rezeptpflichtige Arzneien mehr als in jedem anderen Industrieland kosten, versuchen Privatinitiativen gegenzulenken. Top-Unternehmen nehmen ihre Verantwortung stärker als wahr zuvor.

Krankenversicherung von Bezos, Buffett und Dimon

So haben sich mit Jeff Bezos, Warren Buffett und Jamie Dimon drei der mächtigsten Verstandsvorsitzenden der USA zusammengeschlossen. Sie starteten mit ihren Konzernen, dem Onlineversandhändler Amazon, dem Beteiligungsunternehmen Berkshire Hathaway und der Bank JP Morgan Mitte vergangenen Jahres eine eigene Krankenversicherung, um die teuren Mittelsmänner im US-Gesundheitssystem auszuschalten. Das neue Unternehmen soll keinen Profit erzielen.

Für den im New Yorker Stadtteil Queens geborenen Dalio reichen solche Initiativen allerdings nicht aus. Der ehemalige Rohstoffhändler fordert eine bessere Führung an der Spitze der USA, die die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich als einen Fall von nationalem Notstand ansieht und entsprechend handelt. Dazu gehören für ihn: ein Umbau der Wirtschaft, Minimal-Standards bei der Gesundheitsvorsorge sowie Bildung.

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Die mehr als 2000 Milliardäre weltweit sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Wie sie an ihr Geld kommen und wofür sie es ausgeben, verändert unser Leben.

Außerdem verlangt der Milliardär Steuern für Reiche, um Vermögen umzuverteilen, sowie eine engere Zusammenarbeit in der Zins- und Steuerpolitik zur Stimulierung des Wachstums.

Die Forderungen hätten aus einem Wahlprogramm von Demokraten in den USA stammen können. Bernie Sanders etwa geht erneut als Präsidentschaftskandidat ins Rennen und fordert als politisches Gesicht der linken Demokraten eine Krankenkasse für alle, Schulbildung bis zum College sowie eine Anhebung des Mindestlohns

Konkurrentinnen wie die junge muslimische Abgeordnete Ilhan Abdullahi Omar oder Alexandria Ocasio-Cortez machen sich für höhere Steuern stark. Sie schlagen beispielsweise vor, jährliche Einkommen über zehn Millionen Dollar mit einem Steuersatz von 70 Prozent zu belegen und sind damit sogar mehrheitsfähig in den USA.

Bei einer Umfrage befürworteten 59 Prozent der Befragten den Vorschlag, selbst 45 Prozent der republikanischen Wähler. Offenbar ist die Mehrheit der Amerikaner bereit, die Spitzensteuersätze wieder deutlich anzuheben, die US-Präsident Donald Trump gesenkt hat.

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Kommentare (1)

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Herr Christoph Schweizer

09.04.2019, 09:38 Uhr

"So haben sich mit Jeff Bezos, Warren Buffett und Jamie Dimon drei der mächtigsten "Verstandsvorsitzenden" der USA zusammengeschlossen." Absicht oder Freudscher Versprecher?

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