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16.05.2019

17:46

Kartellabsprachen

EU-Wettbewerbshüter verhängen Milliardenstrafe gegen Großbanken – Zivilklage droht

Von: Carsten Volkery

Für illegale Devisen-Absprachen müssen fünf Großbanken Milliarden an die EU zahlen. Doch es wird noch teurer: Anwälte kündigten eine zivile Sammelklage an.

EU-Wettbewerbshüter verhängen Milliardenstrafe gegen Großbanken AFP

JPMorgan

Neben der Großbank sind auch Barclays, RBS, Citigroup und Mitsubishi UFG betroffen.

LondonBarclays-Chef Jes Staley sagt dieser Tage gern, dass die Zeit der Skandale vorbei sei. Man habe alle Altlasten beseitigt und könne endlich nach vorn schauen, betonte er gerade erst wieder auf der Hauptversammlung.

So ganz stimmt das jedoch nicht, wie die Entscheidung der EU-Kommission am Donnerstag zeigte. Die Brüsseler Behörde verhängte eine Geldbuße von 1,07 Milliarden Euro gegen die fünf Großbanken Barclays, Royal Bank of Scotland (RBS), JP Morgan, Citigroup und MUFG.

Davon entfallen 311 Millionen Euro auf die Citigroup, 249 Millionen auf die RBS, 229 Millionen auf JP Morgan, 210 Millionen auf Barclays und 70 Millionen auf die japanische MUFG.

Die Kommission sah es als erwiesen an, dass Devisenhändler der fünf Institute in Chaträumen sensible Informationen ausgetauscht und ihre Handelsstrategien für elf Währungen abgestimmt haben. Beteiligt waren auch Mitarbeiter der UBS. Die Schweizer Großbank entging jedoch einer Strafe in Höhe von 285 Millionen Euro, weil sie die illegalen Aktivitäten in Brüssel gemeldet hatte. „Die erlassenen Kartellbeschlüsse zeigen unmissverständlich, dass die Kommission Verhaltensabsprachen in keinem Finanzmarktsektor tolerieren wird“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Laut EU-Kommission gab es zwei Kartelle: Das erste mit dem Namen „Three Way Banana Split“ operierte von 2007 bis 2013. Hier waren Barclays, RBS und die beiden US-Banken JP Morgan und Citigroup vertreten. Das zweite Kartell mit dem Namen „Essex Express“ existierte von 2009 bis 2012. Hier sprachen sich Händler von Barclays und RBS mit der japanischen Großbank MUFG ab.

Die Ermittler werteten die Protokolle aus diversen privaten Chaträumen aus. Die Händler hatten ihre Online-Treffpunkte etwa „Semi-Grumpy old Men“ oder „Only Marge“ getauft. Ein Chatraum hieß „Essex Express ´n the Jimmy“, weil alle Teilnehmer außer „James“ in der Grafschaft Essex wohnten und sich im Pendlerzug nach London kennengelernt hatten.

Die illegalen Absprachen waren erstmals 2013 bekannt geworden. Die US-Behörden hatten deshalb bereits 15 Banken mit Milliardenstrafen belegt, darunter auch die fünf nun von der EU bestraften Institute. In einem Vergleich mit zivilen Klägern in den USA hatten sie obendrein 2,3 Milliarden Dollar zahlen müssen.

Nun drohen auch Zivilklagen in Europa. Die Anwaltskanzlei Scott and Scott, die bereits die US-Kläger erfolgreich vertreten hatte, kündigte am Donnerstag eine Sammelklage an. Man habe auf die Entscheidung aus Brüssel gewartet, sagte die Partnerin Belinda Hollway. „Wir werden daran arbeiten, die aus dem Fehlverhalten der Banken resultierenden Verluste nicht-amerikanischer Pensionsfonds, Vermögensverwalter, Versicherer und Konzerne zurückzuholen.“

Für die Zahlungen an die EU-Kommission hatten die Banken bereits vorgesorgt. Barclays und RBS etwa haben ausreichend Geld zurückgestellt. Nun wird sich zeigen, wie teuer die Zivilklagen werden.

Kommentare (1)

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Herr Carsten Englert

16.05.2019, 13:50 Uhr

Man sollte Fehler aus der PM nicht einfach übernehmen. Der Devisenmarkt hat ein tägliches Handelsvolumen von ca. 5 Billionen, nicht Milliarden. Klassischer Billionen/Billions/Trillions-Fehler... ;)

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