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15.09.2017

15:00 Uhr

Kartellamt gegen Höchstgrenze

Geldabheben darf weiter teuer bleiben

VonYasmin Osman

Das Bundeskartellamt hat sich gegen eine Obergrenze bei Abhebegebühren an Geldautomaten entschieden. Nur wenn einzelne Institute bei den Gebühren über die Stränge schlagen, droht ihnen die Behörde mit einem Verfahren.

Wer bei der falschen Bank Geld abhebt, muss häufig hohe Gebühren dafür berappen. dpa

Teures Vergnügen am Geldautomat

Wer bei der falschen Bank Geld abhebt, muss häufig hohe Gebühren dafür berappen.

FrankfurtFür Verbraucher ist es ein Ärgernis: Wer mit seiner „Girocard“ Geld an den Automaten fremder Banken abheben will, muss teils üppige Gebühren zahlen. Das Bundeskartellamt hat die Praxis der deutschen Kreditinstitute und Sparkassen unter die Lupe genommen – und die Untersuchung nun ergebnislos eingestellt. „Für die meisten Verbraucher ist es heute möglich, hohe Gebühren beim Geldabheben zu vermeiden“, erklärte der Präsident der Behörde, Andreas Mundt.

Er verwies darauf, dass Kunden nicht nur die Geldautomaten der eigenen Bank nutzen können, sondern dass viele Banken auch Teil eines Geldautomaten-Verbundes sind, der es Kunden erlaubt, auch bei Partnerbanken kostenlos Geld abzuheben. Auch durch die Abhebemöglichkeiten in Supermärkten oder bei Tankstellen hat sich aus seiner Sicht die Abhängigkeit der Kunden von Geldautomaten fremder Banken reduziert.

Die EU-Länder mit den meisten Geldautomaten

Bargeld immer verfügbar

Früher musste man am Wochenende warten, bis montags die Bankschalter wieder geöffnet haben, bevor man sich wieder Bargeld besorgen konnte. Seit 50 Jahren ist das aber passé. Der Geldautomat feiert Geburtstag, doch die Anzahl der verfügbaren Geldautomaten variiert in Europa.

Italien

In Italien gibt es je eine Million Einwohner 832 Geldautomaten. Damit landet Italien auf dem zehnten Platz in Europa.

Quelle: statista.com

Frankreich

Mit 910 Geldautomaten pro 1 Millionster Einwohner landet Frankreich europaweit auf dem neunten Platz.

Luxemburg

Nur minimal mehr Geldautomaten hat Luxembourg vorzuweisen: 911 pro eine Millionen Einwohner.

Kroatien

Kroatien kann deutlich mehr vorweisen. 1049 Geldautomaten je eine Million Einwohner.

Deutschland

Auf dem sechsten Platz befindet sich Deutschland mit 1052 Geldautomaten pro eine Million Einwohner.

Spanien

Spanien kann 1074 Geldautomaten pro eine Million Einwohner vorweisen.

Großbritannien

Die Briten können bei 1079 Geldautomaten pro eine Million Einwohner Geld abheben.

Belgien

Platz drei belegt Belgien mit 1397 Geldautomaten pro eine Million Einwohner.

Portugal

Mit 1501 Geldautomaten je eine Million Einwohner befindet sich Portugal knapp auf dem zweiten Platz europaweit.

Österreich

Die meisten Geldautomaten hat Österreich: 1600 Stück pro eine Million Einwohner.

Anlass der Untersuchung waren die teils exorbitanten Gebühren gewesen, die sich Banken vor einigen Jahren noch untereinander in Rechnung stellten, wenn Kunden fremde Automaten nutzen – ohne dass Kunden davon wussten. Daraufhin stellten die Kreditinstitute die Praxis um und weisen seither aus, wie viel der Service kostet. Zunächst zeigten zumindest die Privatbanken guten Willen und erlegten sich selbst eine Obergrenze von 1,95 Euro auf. Sparkassen und Volksbanken haben sich daran nie gehalten. „Seitdem scheren immer mehr private Banken aus und bitten fremde Kunden wieder stärker zur Kasse“, heißt es in einer Analyse der Stiftung Warentest von November.

Heute verlangen Banken von fremden Kunden fürs Geldabheben überwiegend zwischen drei und fünf Euro, heißt es im ausführlicheren Fallbericht des Bundeskartellamts. „Bei der Nutzung von Geldautomaten spezialisierter Anbieter werden je nach Standort des Geldautomaten teilweise auch deutlich höhere Entgelte verlangt“, so der Fallbericht.

Einen kompletten Freibrief für Preisexzesse will das Bundeskartellamt den Banken aber dann doch nicht geben. Die Behörde werden den Markt weiter beobachten. „Dabei behalten wir uns vor, in Einzelfällen, bei besonders hohen Fremdabhebegebühren an Geldautomaten, für die es weit und breit keine Alternative gibt, Preismissbrauchsverfahren einzuleiten“, warnt Mundt die Branche.

Eine generelle Obergrenze hält seine Behörde dennoch „weder für erforderlich noch für zielführend“. Die Gründe dafür werden im Fallbericht aufgelistet. Zum einen könnte eine pauschale Höchstgebühr nicht nach den unterschiedlichen Kosten differenzieren, die für den Betrieb für Geldautomaten anfällt. Das Kartellamt sieht außerdem das Risiko, dass Höchstgrenzen „Anreize für Investitionen in die Geldautomateninfrastruktur schwächt“.

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Vor 50 Jahren nahm Barclays den ersten Geldautomaten in Betrieb. Die Erfindung hat das Bankgeschäft radikal verändert. Täglich werden Milliarden abgehoben – und in Spanien sogar Fußballtickets am Automaten gezogen.

Die Versorgung mit Bargeld sei für den Verbraucher schon heute mitunter schwierig, „weil immer mehr Bankfilialen, Servicecenter und Geldautomaten geschlossen beziehungsweise abgebaut werden“, so die Behörde. Dieser Befund im Fallbericht widerspricht der offiziellen Aussage Mundts, dass die meisten Verbraucher heutzutage Fremdabhebungen leicht vermeiden können.

Die Motive der Banken für ihre Gebührenpolitik dürften allerdings nicht alleine die Kosten für den Betrieb der Geldautomaten sein. Die Bargeldversorgung ist ein wichtiger Service für Bankkunden. Gerade für Filialbanken mit ihrem breiten Netz an Zweigstellen und Geldautomaten ist die Versuchung groß, den Kunden von Online-Konkurrenten unter die Nase zu reiben, dass es schwierig ist, beides zu haben: ein günstiges Konto und einen breiten Gratiszugang zu Bargeld.

Kommentare (3)

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Herr Sir Alex

15.09.2017, 15:10 Uhr

Gebühren = Negativzins !

Eine geschickte Methode den Negativzins auf die kleinen Bürger abzuwälzen. Den Negativzins haben wir, weil zuviel Schulden und gleichzeitig Vermögen im Geldsystem bestehen. Mit der Methode werden aktuell die Vermögenden Menschen vor Enteignung geschützt und das Problem auf den kleinen Mann umgewälzt. SEHR UNGERECHT!

Jo Black

15.09.2017, 17:54 Uhr

Wer "sein" von den Banken produzierte (Luft-)Geld abhebt, schadet halt dem Geldkreislaufsystem und muss deshalb mittels Gebühren bestraft werden. Da kennen die Produzenten keine Freunde.

Herr Heinz Keizer

15.09.2017, 18:20 Uhr

@ Jo Black15.09.2017, 17:54 Uhr

es geht um Gebühren an fremden Automaten. Jeder kann ja an einem Automaten abheben, an dem es nichts oder weniger kostet. Die Aussage mit der "Produktion" wird auch nicht richtiger, wenn sie oft genug wiederholt wird. Die Geldschöpfung der Banken ist, auch hier, oft genug ausführlich dargestellt worden. Die einzige Bank, die Geld ohne wenn und aber produzieren kann, ist die EZB (im Euroraum). Sie tut es ausgiebig.

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