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17.10.2019

16:47

KfW-Kreditmarktausblick

Kreditgeschäft wächst überraschend robust, aber nicht nachhaltig

Von: Yasmin Osman

Das Kreditgeschäft der Banken trotzt der schwächelnden Konjunktur. Doch die KfW warnt, dass sich die Wachstumsraten wieder abschwächen werden.

Für das Schlussquartal 2019 geht die Förderbank von einem Rückgang des Wachstums von 5,5 Prozent aus. dpa

Bankenskyline von Frankfurt

Für das Schlussquartal 2019 geht die Förderbank von einem Rückgang des Wachstums von 5,5 Prozent aus.

Frankfurt Das Kreditgeschäft der Banken mit deutschen Firmen und Selbstständigen entwickelt sich allen Warnungen zum Trotz robuster als gedacht. Im zweiten Quartal wuchs das Neugeschäft mit Darlehen im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent, zeigt der Kreditmarktausblick der KfW Bankengruppe, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Auch die Prognose für das mittlerweile abgelaufene dritte Quartal liegt mit sieben Prozent noch einen Prozentpunkt über dem Wert zu Jahresbeginn. Ursprünglich hatte die staatliche Förderbank einen allmählichen Rückgang der Wachstumsraten prognostiziert und war von einem Plus von nur fünf Prozent ausgegangen.

Entsprechend skeptisch beurteilt die KfW den Wachstumsschub im Kreditneugeschäft. „Wir halten das überraschende Wachstum im zweiten Quartal für kein nachhaltiges Phänomen“, sagt der KfW-Ökonom Sebastian Wanke.

„Das Wachstum wurde größtenteils von kurzfristigen Krediten getragen, nur ein Prozentpunkt stammt noch von langfristigen Krediten“, begründet Wanke seine Zweifel. Kurzfristige Kredite dienten in der Regel dem Lageraufbau und finanzierten keine wachstumsfördernden Investitionen.

Aus diesem Grund rechnet die KfW damit, dass sich die Wachstumsraten „in absehbarer Zeit“ auch wieder abschwächen werden. Für das Schlussquartal 2019 geht die Förderbank von einem Rückgang des Wachstums von 5,5 Prozent aus. Zu dieser skeptischeren Einschätzung passen die lauter werdenden Stimmen von hochrangigen Bankern, die sich für eine größere Vorsicht bei der Vergabe neuer Darlehen aussprechen.

Diese Zurückhaltung dürfte vor allem Unternehmen aus konjunktursensiblen Branchen treffen. „Das verarbeitende Gewerbe spürt die Eintrübung im internationalen Umfeld bereits deutlich. Das betrifft unter anderem die Automobilproduktion, den Maschinenbau, die Chemie- und Pharmabranche“, sagte der Firmenkundenchef der genossenschaftlichen DZ Bank, Uwe Berghaus, vor Kurzem der Nachrichtenagentur Bloomberg. „In diesen Segmenten prüfen wir Kreditengagements natürlich intensiver.“

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Auch in Kreisen der Deutschen Bank heißt es, man sehe sich Unternehmen aus zyklischen Branchen bei neuen Kreditengagements mittlerweile genauer an. Ähnlich hatte sich kürzlich auch der Chef der Hamburg Commercial Bank, Stefan Ermisch, geäußert.

Und die Landesbank Baden-Württemberg, die stärker als jedes andere Geldhaus im Automobilsektor engagiert ist, will ihr Engagement „leicht reduzieren“, wie Firmenkundenvorstand Karl Manfred Lochner vor Kurzem der „Börsen-Zeitung“ sagte.

Die Banken stehen bei ihrer Risikoabwägung unter großem Druck: Weil die Zinsmargen sinken, müssen die Institute wachsen, wenn sie ihre Erträge stabil halten wollen. Das wird immer schwerer, wenn die Institute dabei Risiken vermeiden wollen. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass sich die Zurückhaltung erst allmählich in Umfragedaten niederschlägt.

Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY gehen 46 Prozent der dafür befragten Banken davon aus, dass sich die Kreditvergabepolitik gegenüber Unternehmen in den kommenden sechs Monaten in Deutschland verschärfen wird. Noch im April 2018 glaubte das nur eine Minderheit von sechs Prozent der Institute.

In der Juli-Umfrage der Bundesbank zum Kreditgeschäft der Banken zeigte sich, dass sich die Kreditrichtlinien der Banken nun das zweite Mal in Folge leicht verschärft haben. Auslöser dafür waren vor allem die eingetrübten Konjunkturaussichten sowie die Aussichten für die Branchen und die Bonität von Unternehmen. Und erstmals seit drei Jahren stieg der Anteil der abgelehnten Kreditanträge.

Kurzfristige Kredite gefragt

Das kann die Nachfrage nach Krediten bei den Unternehmen durchaus befördert haben, meint KfW-Volkswirt Wanke. Manche Unternehmen würden sich, wenn sie eine restriktivere Kreditvergabe bei Banken befürchten, schnell noch Darlehen zu möglichst günstigen Konditionen sichern. „Die Frage ist, ob die Unternehmen aus Zuversicht zu mehr Krediten greifen oder in letzter Not“, meint Wanke. Zumindest im Frühjahr dürfte aus seiner Sicht noch das „Zuversichtsmotiv“ überwogen haben.“

Ungewöhnlich für das Kreditgeschäft ist aber der hohe Anteil kurzfristiger Darlehen, der mittlerweile überraschend lange zu beobachten ist. „Diese kurzfristigen Kredite gewinnen bereits seit dem zweiten Halbjahr 2017 an Bedeutung, während sich das Interesse an langfristigen Krediten seit Ende 2017 schrittweise abgeschwächt hat. Das ist sehr untypisch“, meint Wanke.

„Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, dass immer noch viele Unternehmen hoffen, dass die Konjunkturschwäche irgendwann einmal vorüber ist“, meint Wanke. Auch unerwartete Schocks wie etwa der Brexit oder Handelsstreitigkeiten könnten dafür sorgen, dass Waren nicht ausgeliefert und Lager aufgebaut würden, die von den Unternehmen finanziert werden müssten.

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