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19.09.2018

12:40 Uhr

Kontrollsysteme „unzureichend“

Danske-Bank-Chef tritt wegen Geldwäsche-Skandals zurück

VonHelmut Steuer

Die Danske Bank veröffentlicht einen Bericht, der das Ausmaß eines der größten europäischen Geldwäsche-Skandale offenbart. Bankchef Borgen zieht Konsequenzen.

Danske Bank: Thomas Borgen tritt nach Geldwäsche-Skandal zurück AFP

Bankchef Thomas Borgen

„Das bedauere ich zutiefst.“

StockholmDer umfassende Geldwäsche-Skandal bei der größten dänischen Bank hat Konsequenzen: Danske-Bank-Chef Thomas Borgen tritt von seinem Amt zurück und übernimmt damit die Verantwortung für einen der größten Geldwäsche-Skandale in Europa.

„Es ist eindeutig, dass die Danske Bank im Fall der eventuellen Geldwäsche in Estland ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden ist. Ich bedauere dieses zutiefst“, erklärte Borgen am Mittwoch in Kopenhagen noch vor der Veröffentlichung eines internen Berichts über die möglichen Unregelmäßigkeiten in ihrer estnischen Filiale.

Er betonte weiterhin, dass ihm der Untersuchungsbericht keine Verfehlungen vorwerfe. „Ich glaube aber, dass es für alle Beteiligten das Beste ist, wenn ich zurücktrete“. Borgen war, bevor er die Leitung der Danske Bank übernahm, Chef des internationalen Geschäfts und somit mitverantwortlich für die mangelhafte Kontrolle bei der kleinen estnischen Tochtergesellschaft.

Er wird die Bank bis zur Ernennung eines Nachfolgers weiter leiten. Der Kurs der Danske-Bank-Aktie fiel nach Öffnung der Börse in der dänischen Hauptstadt um zwischenzeitlich sechs Prozent. Seit Beginn der Jahres ist der Kurs um ein Drittel gesunken.

Der Fall beschäftigt die dänische Öffentlichkeit sowie Finanzaufsicht und Gerichte seit Monaten. Bereits im Mai war die Affäre von der dänischen Tageszeitung „Berlingske“ aufgedeckt worden. Sie hatte berichtet, dass zwischen 2007 und 2015 möglicherweise bis zu 9,1 Milliarden Dollar über die estnische Tochter der Danske Bank gewaschen wurden.

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Die Bank räumte jetzt in ihrem internen Bericht ein, dass sie das gesamte Ausmaß der illegalen Transaktionen noch nicht überblicken könne. Allerdings seien über die estnische Filiale insgesamt 234 Milliarden Dollar (200 Milliarden Euro) geflossen – das Neunfache des estnischen Bruttoinlandsprodukts.

Ein Großteil des Geldes soll aus Russland, Moldau und Aserbaidschan stammen. Es gebe außerdem Verbindungen zu dem in russischer Haft verstorbenen Anwalt Sergei Magnitzky, der Verwicklungen der russischen Machtelite in Korruptionsgeschäfte vor mehreren Jahren öffentlich gemacht hatte.

Einer von Magnitzkys Mandanten, der Chef des US-Investmentfonds Hermitage Capital Management, Bill Browder, hat angekündigt, die Danske-Bank-Affäre zum Anlass zu nehmen, um erneut über Korruption der russischen Machtelite zu recherchieren. Browder war im vergangenen Jahr in Abwesenheit von einem russischen Gericht zu neun Jahren Straflager wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Zuvor hatte er über zahlreiche Verwicklungen russischer Politiker und Geschäftsleute in Korruptionsaffären berichtet.

In dem internen Untersuchungsbericht, den die Kopenhagener Kanzlei Bruun & Hjejle im Auftrag der Bank erstellt hat, heißt es unter anderem, dass die Kontrollsysteme der Danske Bank „unzureichend“ gewesen seien.

Man habe jetzt 15.000 nicht in Estland lebende Kunden – Non-Residentials – genauer untersucht und festgestellt, dass diese zwischen 2007 und 2015 finanzielle Transaktionen mit einem Volumen von rund 200 Milliarden Euro durchgeführt haben. Bei 6200 Kunden bestünde der Verdacht, dass sie Geldwäsche betrieben haben. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

In Kopenhagen wurde der interne Untersuchungsbericht zum Teil kritisch aufgenommen. Die Analysten von Citi Research schrieben, dass der Bericht „unglücklicherweise keinen Strich unter die Affäre ziehe“. Andere Analysten betonten, dass es bislang keine Hinweise auf die Höhe möglicher Strafzahlungen gebe. Das werde den Aktienkurs weiterhin belasten, hieß es.

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Die Danske Bank ist nicht die erste Bank in Europa, die in Geldwäsche-Skandale verwickelt ist. Im vergangenen Jahr musste die Deutsche Bank rund 700 Millionen Dollar an Strafe zahlen, weil sie betuchten Russen bei der Ausfuhr von fast zehn Milliarden Dollar geholfen hatte.

Die niederländische ING wurde in diesem Jahr ebenfalls wegen der Verwicklung in eine Geldwäsche-Affäre zur Zahlung von 900 Millionen Dollar verpflichtet. Erst in der vergangenen Woche trat Koos Timmermans als Finanzchef der niederländischen Bank ING zurück, weil ihre Kontrollen zur Verhinderung von Geldwäsche jahrelang mangelhaft waren.

Wie hoch die mögliche Strafe für die Danske Bank ausfallen kann, ist noch unklar. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten bezifferten die mögliche Strafe auf etwa 800 Millionen Dollar.

Wegen der möglichen Strafzahlungen und eines enormen Imageverlusts sowie einer freiwilligen Spende von 1,5 Milliarden Kronen (201 Millionen Euro) für ein Programm gegen Geldwäsche revidierte die Danske Bank am Mittwoch die Geschäftsprognose für dieses Jahr. Der Jahresüberschuss werde nun bei 16 bis 17 Milliarden Kronen (2,14 bis 2,28 Milliarden Euro) statt bei den bisher erwarteten 18 bis 20 Milliarden Kronen (2,41 bis 2,68 Milliarden Euro) liegen.

Mit der Vorlage des internen Untersuchungsberichts ist die Affäre für die Danske Bank noch lange nicht abgeschlossen. Derzeit ermitteln die Finanzaufsichten in Estland, Dänemark und den USA gegen die dänische Bank. Außerdem kündigte die dänische Regierung an, die Strafen für Geldwäsche um 700 Prozent zu erhöhen.

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