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11.10.2018

17:35 Uhr

Korruption

Bankraub in Südafrika – Mitarbeiter der Genossenschaftsbank VBS stehlen 110 Millionen Euro

VonWolfgang Drechsler

Zwei Drittel der Angestellten haben die südafrikanische Bank VBS bestohlen. Verwickelt in den Skandal ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Immer wieder geraten Töchter ausländischer Unternehmen wegen ihres dubiosen Geschäftsgebarens in Südafrika in Verruf. EyeEm/Getty Images

Skyline von Johannesburg

Immer wieder geraten Töchter ausländischer Unternehmen wegen ihres dubiosen Geschäftsgebarens in Südafrika in Verruf.

KapstadtFassungslos schauen die Menschen in Südafrika seit Längerem auf die Korruption am Kap. Gleich zwei Kommissionen unter Führung angesehener Richter untersuchen derzeit das Ausmaß der staatlichen Vetternwirtschaft und ihre Auswirkungen auf wichtige staatliche Institutionen wie Steuer- und Strafverfolgungsbehörden.

Mitten in diesen Anhörungen wurde ein weiterer Skandal publik: Laut einem Untersuchungsbericht der südafrikanischen Zentralbank haben leitende Mitarbeiter der südafrikanischen Genossenschaftsbank VBS zwischen 2015 und 2018 ihrem Geldinstitut rund 1,9 Milliarden Rand gestohlen, umgerechnet mehr als 110 Millionen Euro.

Über 50 der insgesamt nur 87 Angestellten, darunter der Finanzchef sowie fast alle Aufsichtsratsmitglieder, sollen demnach ohne jede Gegenleistung große Auszahlungen kassiert haben. Der am Mittwoch vorgelegte Untersuchungsbericht trägt den ominösen Titel „Der große Bankraub“.

Tief verwickelt in den Skandal ist die Unternehmensberatung KPMG, die der Bank trotz des Großbetrugs offenbar saubere Bücher testierte – und dafür großzügig entlohnt wurde. So soll ein ehemaliger Partner von KMPG für seine Rolle in dem Betrugsfall rund 34 Millionen Rand (umgerechnet zwei Millionen Euro) erhalten haben.

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Doch laut dem Bericht ist die Genossenschaftsbank nun „in ihrem Kern komplett marode und korrupt“ und müsse daher schnellstens abgewickelt werden. So gebe es unter den weniger als 100 Beschäftigten der Bank kaum eine Person in verantwortlicher Position, die nicht in irgendeiner Weise an dem Betrug beteiligt gewesen sei.

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Die Genossenschaftsbank war zuvor bereits wegen einer Liquiditätskrise in die Schlagzeilen geraten. Anwälte bezeichnen sie als „verfault und korrupt“.

Die Bank war kollabiert, nachdem bekannt geworden war, das leitende Mitarbeiter hohe Summen veruntreut hatten, die ihnen zuvor offenbar von Stadtverwaltungen, Spargemeinschaften schwarzer Südafrikaner sowie Pensionären in der bitterarmen Provinz Limpopo anvertraut worden waren.

VBS stand bereits unter Zwangsaufsicht der Zentralbank

Die Zentralbank hatte VBS nach einem von panikartigen Abhebungen ausgelösten Geldmangel bereits im März unter Zwangsaufsicht gestellt. Bei der Untersuchung des Zusammenbruchs kam heraus: Ausgerechnet Stadtverwaltungen der ärmsten Orte Südafrikas hatten rund 1,2 Milliarden Rand (ca. 700 Millionen Euro) illegal bei der VBS deponiert. Solche Geschäfte der Städte mit den Genossenschaftsbanken sind gesetzlich untersagt. 

Die Bank gelangte bereits 2016 zu plötzlicher Berühmtheit. Damals wurde bekannt, dass sie dem mutmaßlich korrupten früheren Staatschef Jacob Zuma etwa sieben Millionen Rand zur Zurückzahlung seiner Schulden für den illegalen Ausbau seines privaten Wohnsitzes im Zuludorf Nkandla geliehen hatte.

Immer wieder geraten Töchter ausländischer Unternehmen wegen ihres dubiosen Geschäftsgebarens am Kap in Verruf. Darunter auch die Unternehmensberater von KPMG, die eigentlich für Transparenz im System sorgen sollen. Der jüngste Skandal trifft das Unternehmen zum ungünstigen Zeitpunkt und könnte im schlimmsten Fall sogar seinen Rückzug aus Südafrika zur Folge haben.

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Mit der grassierenden Korruption geht auch der Niedergang von Afrikas stärkster Volkswirtschaft einher, die sich seit der 2010 am Kap ausgerichteten Fußball-WM in stetem Sinkflug befindet. Südafrika ist in der ersten Hälfte dieses Jahres in seine erste Rezession seit 2009 gerutscht. Seit 2013 ist die Wirtschaft nie mehr als zwei Prozent im Jahr gewachsen.

Die meisten Ökonomen erwarten auch für die nächsten drei bis fünf Jahre einen langsamen Anstieg des Wachstums auf zwei Prozent, was aber kaum die Bevölkerungszunahme von 1,7 Prozent pro Jahr kompensieren würde.

Südafrika braucht nach Ansicht der Weltbank über viele Jahre hinweg Zuwachsraten von mindestens sieben Prozent, um die anhaltend hohe Armut unter den 55 Millionen Südafrikanern auch nur ansatzweise zu reduzieren. Allein unter den farbigen Jugendlichen haben inzwischen zwei von drei keine Arbeit.

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