MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2019

05:01

Kreditmarktplatz

Auxmoney startet Geschäft mit Firmenkrediten

Von: Katharina Schneider

Nach kräftigem Wachstum im Privatkredite-Segment erschließt sich Auxmoney einen neuen Geschäftsbereich. Profitabilität steht nicht mehr im Fokus.

Auxmoney startet Geschäft mit Firmenkrediten

Raffael Johnen

Der Geschäftsführer von Auxmoney will sein Unternehmen in ein neues Marktsegment führen.

FrankfurtDer Kreditmarkplatz Auxmoney hat in den vergangenen Monaten mit starken Wachstumszahlen geglänzt: Seit der Gründung im Jahr 2007 hat das Düsseldorfer Unternehmen nach eigenen Angaben Kredite in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Euro ausgezahlt, davon allein 551 Millionen Euro im Jahr 2018.

Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, startet Auxmoney an diesem Donnerstag einen neuen Geschäftszweig: „Ab sofort bieten wir auch kleinen und mittleren Unternehmen Kredite an“, sagt Geschäftsführer Raffael Johnen. Das Ziel, schwarze Zahlen zu schreiben, sei allerdings verschoben.

Angefangen hat Auxmoney mit Krediten an Privatleute. Die Plattform brachte private Kreditnehmer und private Geldgeber zusammen. Seit 2014 bekommen auch Selbstständige Darlehen. Zu den Geldgebern gehören inzwischen auch institutionelle Investoren wie der niederländische Versicherer Aegon.

„Mit unserem neuen Angebot können wir nun auch Unternehmen bedienen, die schon viele Mitarbeiter beschäftigen. Von solchen haben wir zuletzt viele Anfragen bekommen“, sagt Johnen.

Der Fokus in diesem Geschäftsbereich werde auf Firmen mit einem Jahresumsatz in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro liegen. Geplant seien Kredite in Höhe von 10.000 bis 750.000 Euro – bei einem effektiven Jahreszins zwischen 2,7 bis 11,9 Prozent. Die Laufzeiten sollen zwischen sechs und 60 Monaten liegen. Bisher lag die maximale Kreditsumme des Fintechs bei 50.000 Euro.

Neuer Partner Solarisbank

Als Partner bei der Vergabe der Unternehmenskredite agiert die Solarisbank. Sie wickelt die Auszahlungen nicht nur ab, sondern stellt auch das Kapital. „Die Solarisbank ist unsere kreditvergebende Partnerbank und zugleich erster Investor im Firmenkundengeschäft“, sagt Johnen. „Mit der Zeit kommen sicher noch weitere Geldgeber hinzu.“ Die Kreditvergabe an Privatleute und Selbständige werde weiterlaufen und dafür werde Auxmoney weiterhin mit der SWK Bank zusammenarbeiten.

Kreditmarktplatz: Düsseldorfer Fintech Auxmoney knackt bei Krediten die Milliardenmarke

Kreditmarktplatz

Düsseldorfer Fintech Auxmoney knackt bei Krediten die Milliardenmarke

Zuletzt hat sich das Wachstum des Kreditmarktplatzes deutlich beschleunigt – so stark, dass die nächste Milliarde Kreditvolumen schon im Visier ist.

Geld verdient Auxmoney, indem es den Investoren eine Gebühr für die Kreditvermittlung in Rechnung stellt. Dass dieses Geschäft durchaus einträglich ist, suggerierte das Unternehmen in einer Pressemitteilung vor gut einem Jahr. Darin verkündete Johnen, dass Auxmoney im zweiten Halbjahr 2017 profitabel gewesen sei. „Starkes Wachstum und Profitabilität müssen kein Widerspruch sein“, sagte er damals.

Der Jahresabschluss für 2017 zeigt jedoch: In jenem Jahr machte Auxmoney einen Verlust in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro – Mitte 2018 war zunächst noch von 2,4 Millionen Euro die Rede, doch in einem Nachtragsbericht wurde der Fehlbetrag nach oben korrigiert.

Fokus auf Wachstum

Johnen erklärt: „Bei dem zusätzlichen Fehlbetrag handelt es sich um eine Rückstellung für Restkreditversicherungen.“ Solche Versicherungen bietet Auxmoney seinen Kunden an, damit diese sich gegen Zahlungsunfähigkeit absichern können. Trotz des Fehlbetrags spricht Johnen weiter davon, dass damals der „Break-Even“ erreicht wurde – also der Punkt, an dem die Firma erstmals keinen Verlust machte.

„Das war der Startpunkt um in den Aufbau neuer Geschäftsbereiche zu investieren“, sagt er. 2018 habe Auxmoney dann „nach Plan“ keine schwarzen Zahlen geschrieben. Jetzt stehe der Ausbau des neuen Geschäftsbereichs im Fokus.

Seine Aussage aus dem vergangen Jahr passt er nun etwas an: „Langfristig sind Wachstum und Profitabilität tatsächlich kein Widerspruch, aber wenn man als Unternehmen massiv in Wachstum investiert, kann der Fokus kurzfristig nicht auf Gewinn liegen.“

Funding-Circle-Chef Samir Desai: Ein Brite will Deutschlands Firmen mit Online-Krediten versorgen

Funding-Circle-Chef Samir Desai

Ein Brite will Deutschlands Firmen mit Online-Krediten versorgen

Die britische Kreditplattform Funding Circle will wachsen, auch in Deutschland. Ein Börsengang soll der Firma das dafür nötige Geld einbringen.

Dank höherer Kreditsummen könnten die Erträge künftig deutlich steigen. Doch im Marktsegment der Unternehmen mit etwa fünf Millionen Euro Umsatz gibt es bereits viel Konkurrenz, beobachtet Christian Fahrholz, Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

„Der Wettbewerb ist stark, deshalb sind die Margen in diesem Bereich relativ klein“, sagt er. Dass Unternehmen große Schwierigkeiten bei der Finanzierung haben, stimme nur bedingt, wie eine Umfrage des DIHK zeigt: „Relativ schwer haben es immer noch kleine Firmen mit ein bis neun Beschäftigen. Zwischen 2012 und 2016 haben etwa zehn Prozent dieser Unternehmen keinen Kredit bekommen“, so Fahrholz.

In der Zwischenzeit sei diese Ablehnungsquote auf sieben Prozent gesunken. Bei größeren Unternehmen liegt die Quote zwischen ein und vier Prozent.

Umkämpfter Markt

Andere Fintechs setzen schon länger auf das Firmenkundensegment. Die 2013 gegründete Plattform Lendico war mit Krediten von privat an privat gestartet, schwenkte dann aber auf Unternehmenskredite um. Anfang 2018 wurde sie von der Direktbank ING übernommen. Unternehmer erhalten dort maximal 450.000 Euro.

Beim Anbieter Creditshelf, der im vergangenen Jahr an die Börse gegangen ist, sind es bis zu fünf Millionen Euro und bei Funding Circle, einem Anbieter mit britischem Ursprung, der ebenfalls börsennotiert ist, maximal 250.000 Euro. „Im Vergleich zu Banken können Fintechs meist mit Schnelligkeit und ausgeklügelten Algorithmen zur Bonitätsprüfung punkten“, so Fahrholz. „Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit bis auch traditionelle Banken in diesem Bereich aufholen.“

Direktbank: ING-Diba übernimmt Online-Kreditmarktplatz Lendico

Direktbank

ING-Diba übernimmt Online-Kreditmarktplatz Lendico

Ein wachsendes Kreditgeschäft beschert der Direktbank bereits Rekordgewinne. Die Übernahme von Lendico passt zum Kurs von ING-Diba.

Johnen sieht den Vorteil seines Unternehmens in seiner Plattformtechnologie und bei der Bonitätsbewertung von Kreditnehmern. „Je mehr Kredite finanziert werden, desto mehr Daten haben wir und umso besser wird auch unser Scoring-System, mit dem wir Kreditanfragen differenziert bewerten“, sagt er. Bei Ratenkrediten an Privatleute und Selbständige liege die Ausfallquote aktuell bei rund vier Prozent.

Dieser Wert liegt über dem Marktdurchschnitt, laut neuestem Kreditkompass der Auskunftei Schufa, zahlten zuletzt nur 2,2 Prozent der Ratenkreditnehmer ihr Darlehen nicht zurück. Allerdings wirbt Auxmoney damit, dass auch solche Privatkunden einen Kredit bekommen, die von der Bank abgelehnt werden.

Auf das Geschäft mit Unternehmen lässt sich das Scoring-Modell freilich nicht eins zu eins übertragen, „aber wir können auf unsere Expertise aufbauen“, meint Johnen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Steven Miller

11.04.2019, 10:02 Uhr

Es wundert einen doch immer wieder aufs Neue wie ein Unternehmen nach 10 Jahren ohne einen Return überleben kann und Investoren findet. Eine Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen ist nichts neues...das existiert im Interbankengeschäft seit 10-15 Jahren.

Meine Euphorie was Fintechs und FinRegs angeht, hat sich schlagartig gelegt. Ich warte immer noch auf die große Disruption. Zahlungsdienste mal ausgenommen.

Mich würde dennoch mal interessieren, welcher Kunde geht als Investor oder Kreditnehmer zu Auxmoney...?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×