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09.09.2017

11:31 Uhr

Kryptowährungen

Die Banker und die Bitcoins

VonAstrid Dörner, Andreas Dörnfelder

Die Digitalisierung ist derzeit das wichtigste Thema in der Finanzindustrie. Alle reden vom technischen Fortschritt, von Innovationen und radikalem Wandel. Wie stehen die Banker eigentlich zu Bitcoins? Ein Stimmungsbild.

Bitcoins sind seit jeher umstritten. In der Finanzindustrie gelten sie überwiegend noch als Zockerwährung. AFP

Digitalwährung Bitcoins

Bitcoins sind seit jeher umstritten. In der Finanzindustrie gelten sie überwiegend noch als Zockerwährung.

FrankfurtFür Banker gehört Veränderung zum Tagesgeschäft. Erst recht seitdem der technologische Wandel und die Digitalisierung die Finanzbranche dominieren, Apps die Filialen ersetzen, Robo-Advisor das Investieren übernehmen und Geld binnen Sekunden via Facebook hin und her geschickt werden kann. Bei Bitcoins und anderen digitalen Währungen jedoch, da schrecken viele aus der Finanzindustrie noch zurück.

„Bitcoins sind ja noch gar nicht vernünftig investierbar“, lästert etwa der Banker einer großen europäischen Bank, der lieber anonym bleiben will. Er meint: Es gibt noch keine Exchange Traded Tunds (ETFs), über die man in Bitcoins und eventuell andere sogenannte Kryptowährungen investieren könnte. Derzeit kann man das digitale Geld nur direkt über verschiedene Börsen handeln.

Und hätte er es getan – zum Beispiel Anfang des Jahres einen Bitcoin gekauft – dann wäre er jetzt 80 Prozent mehr wert. Trotzdem ist der Banker nicht überzeugt. „Ich würde sie lieber shorten“, sagt er, also auf fallende Kurse setzen. „Das ist doch alles eine Blase.“ Doch auch das ist im Moment nicht möglich.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Thomas Ullrich, Vorstand der DZ-Bank, ist Bitcoins gegenüber ebenfalls skeptisch eingestellt. „Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzen wird“, stellt er auf der Handelsblatt-Bankentagung „Banken im Umbruch“ klar. Ähnlich klingt es bei Visa. „Für bestimmte Business-to-Business-Transaktionen vielleicht“, sagt Albrecht Kiel, der bei dem weltgrößten Kreditkartenkonzern für Zentraleuropa zuständig ist. „Aber dass es mittelfristig eine Massenanwendung werden wird, das sehe ich eher nicht.“

Bitcoins sind umstritten. Die einen glauben, sie könnten sich als neue globale Währung durchsetzen. Vielleicht sogar so etwas wie der neue Goldstandard werten. Bitcoins sind endlich, nur 21 Millionen können insgesamt geschürft werden. Das Verschicken von Bitcoins passiert binnen Sekunden, dafür wird keine Bank gebraucht. Es bedarf auch keiner Notenbank, um neue Bitcoins zu schaffen. Die Krypotwährung untersteht jedoch auch nicht der Kontrolle einer Zentralbank, die die Geldmenge regulieren und im Notfall eingreifen könnte.

Bitcoin-Hype geht weiter : Sieht so eine Spekulationsblase aus?

Bitcoin-Hype geht weiter

Sieht so eine Spekulationsblase aus?

Ganze 200 Prozent hat der Kurs des Bitcoin seit Jahresanfang auf inzwischen mehr als 4.000 Dollar zugelegt. Jetzt interessieren sich auch Profi-Investoren für das Cybergeld. Für die jüngste Kursrally bieten sich mehrere Erklärungen an.

Der Bitcoin-Kurs schwankt stark. Das hat einige Menschen sehr reich gemacht. 2012 kostete ein Bitcoin noch rund drei Dollar. 2013 schon mehr als 1000. Derzeit ist ein Bitcoin über 4000 Dollar wert.

Doch starke Kursschwankungen in die andere Richtung gehören ebenfalls zum Alltag. Allein am Freitag verlor der Kurs gut zehn Prozent. Nachrichten über strengere Regulierungsvorschriften aus China haben den Preis bereits in den Tagen zuvor einbrechen lassen. Vielen in der Finanzindustrie ist das – bei aller Liebe zur Innovation – dann doch zu unsicher, zu kompliziert, zu riskant. Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller hat erst am Mittwoch vor einer Bitcoin-Blase gewarnt.

„Meine Kinder haben Bitcoins, ich nicht“, sagt Larry Thompson, der Chef des einflussreichen Clearing-Hauses DTCC. Was längst nicht heißt, dass viele junge Investoren, gerade in Europa, in die Kryptowährung investiert sind. „Bitcoin ist ein ganz spannendes Thema, sicher auch eines, das bei N26 in den nächsten Jahren mal aktuell werden wird“, sagt Valentin Stalf, Gründer und Chef des Banking-Start-ups N26. Doch er selbst hält nur „einen einzigen Bitcoin irgendwo in einem Wallet“. Auch Christian Dierssen vom Robo-Advisor Scalable Capital winkt ab. „Klar, wenn man sich den Kurs heute anschaut, dann hätte man vielleicht einsteigen sollen“, räumt er ein. „ Aber es ist nicht reguliert und einfach noch zu unsicher.“

Das Krypto-ABC

Bitcoins

Bitcoins sind eine elektronische Währung, manchmal auch Kryptowährung genannt. Sie basiert auf einer Blockchain. Die Identität des Gründers, Satoshi Nakamoto, ist unbekannt.

Blockchain

Blockchains sind elektronische Buchhaltungen, die jedem Nutzer dezentral in identischer Form zur Verfügung stehen.

DAO

DAO steht für „Digitale autonome Organisation“. Das Unternehmen existiert virtuell, und die Eigentümer lenken es durch elektronische Entscheidungsprozesse.

Ethereum

Ethereum ist ein Projekt, das dem der Bitcoins ähnelt. Die zugehörige Währung heißt Ether. Die zentrale Gründerfigur ist der russischstämmige Kanadier Vitalik Buterin. Eine besondere Rolle spielen dabei Smart Contracts.

ICO

ICO steht für Initial Coin Offering. Im Internet sammeln Firmen bei virtuellen Börsengängen Geld für Geschäftsprojekte ein, häufig in Form von Bitcoins. Im Gegenzug erhalten die Investoren Tokens. Oft befinden sich die Projekte in einem frühen, sehr experimentellen Stadium. Manchmal handelt es sich bei den Unternehmen um DAOs.

Kryptowährungen

Kryptowährungen sind Zahlungsmittel, die allein auf einer Software basieren – auf einer globalen, praktisch fälschungssicheren Datenbank (der Blockchain). Die bekannteste Währung ist der Bitcoin. Elektronische Verschlüsselung stellt sicher, dass die digitalen Einheiten oder Münzen (Coins) nur ihren Besitzern zur Verfügung stehen.

Ripple

Ripple ist eine Alternative zu Bitcoins, die für den Zahlungsverkehr unter Banken gegründet wurde. Die zugehörige Währung heißt XRP. Das wichtigste Unternehmen ist Ripple-Lab.

Smart Contracts

Smart Contracts bewirken automatisch Vorgänge, etwa Zahlungen, bei Erfüllung bestimmter Bedingungen.

Token

Tokens werden im Rahmen von ICOs herausgegeben und sind keine Aktien. Sie ähneln eher digitalen Gutscheinen oder Einzahlungsbelegen, versprechen eine Beteiligung an künftigen Gewinnen oder Management-Entscheidungen, oder einen Zugang zum geplanten Service der Firma. Die Tokens sollen den Investoren die Teilhabe an dem Projekt garantieren, das mit ihrem Geld realisiert wird. Rechte für die Anleger sind mit ihnen aber meist nicht verbunden, teilweise deklarieren die Anbieter sie sogar als „Spenden“. Viele Anleger handeln sie wie Bitcoins – in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne.

Die Quote der Bitcoin-Fans ist einzig bei jenen in der Finanzindustrie hoch, die mit Technologie zu tun haben. „Ich will die Technologie nicht nur passiv sondern auch aktiv verstehen“, sagt etwa Dirk Emminger vom Software-Anbieter Temenos, der Bitcoins und weitere Kryptowährungen hält. Önder Yilmaz, der bei der MHB-Bank für IT-Security zuständig ist, glaubt auch an das Potenzial, ist ein Fan der Währung Iota, die vor allem für das Bezahlen von Maschine zu Maschine eingesetzt wird.

Blase hin oder her: Überzeugt sind alle, dass die Blockchain-Technologie, auf die der Bitcoin basiert, auf jeden Fall die Finanzindustrie verändern wird. Die großen Institute stellen sich gerade darauf ein.

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