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27.01.2019

18:36

Landesbank

Zwei Finanzinvestoren legen gemeinsames Angebot für die NordLB vor

Von: Frank Matthias Drost, Andreas Kröner

Cerberus und Centerbridge wollen gemeinsam in die Landesbank investieren. Es ist die Alternative zur Auffanglösung der Sparkassen-Gruppe.

Der Kapitalbedarf der NordLB wird auf rund 3,7 Milliarden Euro geschätzt. Westend61/Getty Images

NordLB

Der Kapitalbedarf der NordLB wird auf rund 3,7 Milliarden Euro geschätzt.

Berlin, FrankfurtFür die NordLB bricht eine entscheidende Woche an. Am Samstag haben die Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge überraschend ein gemeinsames Angebot für einen Anteil von 49,8 Prozent an der kriselnden Landesbank vorgelegt. Investieren wollen sie nach Informationen des Handelsblatts 600 Millionen Euro. Cerberus und Centerbridge, die sich dazu nicht äußerten, wollen demnach je die Hälfte der Stumme stemmen.

Damit steht das Land Niedersachsen, mit knapp 60 Prozent größter Anteilseigner der NordLB, vor einer echten Alternative. Angesichts des aus der anhaltenden Schiffskrise resultierenden Kapitalbedarfs der NordLB hatte das Land ein Bieterverfahren ausgerufen. Übrig blieben nur Finanzinvestoren.

Auf den letzten Metern raffte sich die Sparkassen-Finanzgruppe dazu auf, abseits des Bieterverfahrens Hilfen für die viertgrößte Landesbank zu mobilisieren.

„Wir werden das Angebot der beiden Investoren jetzt gründlich prüfen und auf dieser Basis gemeinsam mit unseren Trägern über das weitere Vorgehen entscheiden“, sagte NordLB-Chef Thomas Bürkle. Man sei aber auch weiterhin offen für eine öffentlich-rechtliche Lösung.

Die Sparkassen-Gruppe will in dieser Woche final über eine Auffanglösung entscheiden. Über beide Angebote beraten die Träger der NordLB wohl am Donnerstag. Zudem sollen in den nächsten Tagen Finanzkreisen zufolge Gespräche mit der Finanzaufsicht stattfinden. An der Bank sind neben Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auch die Sparkassen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt beteiligt.

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Eine dringend benötigte Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors ist in weite Ferne gerückt. Und die NordLB bleibt ein Problemfall.

Der Kapitalbedarf der NordLB wird auf rund 3,7 Milliarden Euro geschätzt. Der Löwenanteil von 2,5 Milliarden Euro entfällt auf ein Loch, das der Verkauf des maroden Schiffsportfolios in Höhe von sieben Milliarden Euro in die Kapitaldecke reißen wird. Die entsprechenden zusätzlichen Wertberichtigungen sollen sich auf rund 2,5 Milliarden Euro belaufen.

Mit zusätzlich 1,2 Milliarden Euro soll die Kapitalquote der Bank gestärkt werden. Der Verkauf des Schiffskreditportfolios verläuft zwar parallel zum Bieterverfahren, ist davon aber abgetrennt. Designierter Käufer des Portfolios ist Cerberus.

Cerberus und Centerbridge haben sich Insidern zufolge erst vor Kurzem entschieden, gemeinsam zu bieten. Nach Gesprächen mit allen Beteiligten haben sie zugestimmt, die öffentlich-rechtlichen Bereiche der NordLB zum Buchwert aus der Bank herauszulösen – sie müssten im Sparkassen-Lager aufgefangen werden.

Dazu zählen unter anderem die Braunschweigische Landessparkasse und die Beteiligungen an der Landesbausparkasse Nord und der Deka.

Die Investoren wollen aus der NordLB eine auf die Region fokussierte Bank machen, die darüber hinaus weiter im Geschäft mit Infrastruktur-, Immobilien- und Flugzeugfinanzierungen aktiv ist. Die Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro soll auf deutlich unter 100 Milliarden Euro sinken.

Die Investoren wollen, dass die NordLB im Haftungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe verbleibt. Zudem soll das Land Niedersachsen Pensionslasten von rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen und andere Risiken für eine Übergangszeit abschirmen. So soll eine gesäuberte Bank mit einer Kernkapitalquote von über 14 Prozent entstehen.

Belastung für das Land

Unabhängig davon, wer bei der NordLB zum Zuge kommt, wird Niedersachsen am tiefsten in die Tasche greifen müssen. Das Land muss rund 2,5 Milliarden Euro mobilisieren.

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Kurz vor Schluss scheint sich für die Sparkassen-Finanzgruppe bei der NordLB alles zu fügen – auch weil Präsident Schleweis lange gewartet hat.

Die Sparkassen-Finanzgruppe würde vorbehaltlich eines Gremienbeschlusses 1,2 Milliarden Euro aufbringen. Jeweils 400 Millionen Euro davon sollen die Träger-Sparkassen, der Sicherungsfonds der Sparkassen und der Sicherungsfonds der Landesbanken übernehmen.

Auf der Tagung der Sparkassen-Vorstände vergangene Woche zeichnete sich eine breite Zustimmung für die Auffanglösung ab. Als der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, seine favorisierte Lösung präsentierte, erntete er langen Applaus, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Trotz der zusätzlichen Belastungen sei der Plan alternativlos, sagte Schleweis.

Aber selbst wenn die Gremien der Sparkassen-Gruppe der Auffanglösung zustimmen, ist noch nicht klar, wie die EU-Kommission reagiert. „Wenn die Wettbewerbskommission den Anteil von 400 Millionen Euro, den die Träger-Sparkassen aufbringen wollen, nicht als Kapital von Privatinvestoren wertet, könnten wir ein Problem bekommen“, warnt ein Sparkassen-Vorstand.

Dann droht ein Beihilfeverfahren mit harten Auflagen für die NordLB. Dazu könnte wie bei der HSH Nordbank die Auflage zählen, das Institut zu privatisieren.

Sollten Finanzinvestoren schon jetzt den Zuschlag bekommen, ist weniger Gegenwind aus Brüssel zu erwarten. Das Land hätte dann die Option, die Kontrolle zu behalten oder irgendwann von sich aus eine Privatisierung der Bank anzustoßen.

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