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19.12.2017

17:34

London Stock Exchange

Aktivistischer Investor Hohn verliert Machtkampf

Von: Carsten Volkery

Die Anleger der London Stock Exchange haben Hedgefonds-Milliardär Christopher Hohn abblitzen lassen: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung haben sie Chairman Donald Brydon im Amt bestätigt.

Ende eines Machtkampfs. Reuters

Börse London

Ende eines Machtkampfs.

London Einige Dutzend Menschen verlieren sich in dem fensterlosen Saal im Keller eines Londoner Hotels. Das Licht ist so gedämpft wie die Stimmung, der Raum ist halbleer. Christopher Hohn ist nicht gekommen. Der aktivistische Investor hielt es offenbar für Zeitverschwendung, persönlich zu erscheinen: Er wusste, dass ihn eine Niederlage erwartet. Dabei hatte er die außerordentliche Hauptversammlung der London Stock Exchange mit einigem Nachdruck erzwungen.

Die Anleger sollen an diesem Dienstag über die Absetzung des LSE-Verwaltungsratsvorsitzenden Donald Brydon abstimmen. Hohn, milliardenschwerer Gründer des Hedgefonds TCI, wirft Brydon vor, den erfolgreichen CEO Xavier Rolet aus dem Amt gedrängt zu haben.

Das Votum fällt eindeutig aus: 79 Prozent stimmen gegen Hohns Antrag, 21 Prozent dafür. Brydon bleibt also zunächst im Amt. Abgestimmt wird nicht per Handzeichen, sondern per Stimmzettel. Das Treffen ist nach einer halben Stunde vorbei, das Ergebnis wird Stunden später am Nachmittag per E-Mail mitgeteilt.

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Damit ist ein Machtkampf zu Ende, der die ehrwürdige Londoner Institution seit zwei Monaten beschäftigt. Im Oktober hatte Vorstandschef Rolet angekündigt, dass er Ende 2018 abtreten werde - nach dann zehn Jahren im Amt. Doch Hohn wollte den Abgang nicht hinnehmen. Anfang November beschwerte er sich in einem Brief beim Verwaltungsrat, er habe den Eindruck, dass Rolet zum Rücktritt gezwungen wurde.

Offenbar hatten sich CEO und Chairman überworfen. Über mehrere Wochen warf Hohn dem Board mangelnde Transparenz und Führungsmängel vor und forderte Brydons Absetzung. Ende November hatte Rolet schließlich genug von dem öffentlichen Streit um seine Person und trat mit sofortiger Wirkung zurück.

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Auch Brydon kündigte damals an, nur noch bis zur Hauptversammlung 2019 im Amt zu bleiben. Doch so lange wollte Hohn nicht warten, er bestand auf der außerordentlichen Hauptversammlung vor Weihnachten. Vor den Anlegern erklärt daher nun Verwaltungsratsmitglied Paul Heiden, warum es im Interesse des Unternehmens sei, dass Brydon im Amt bleibe.

Die Nachfolgeregelung für Rolet sei im Einvernehmen mit allen Beteiligten erfolgt. Das Vorgehen des Boards sei „vollkommen angemessen“ gewesen. Ein Abgang Brydons zum jetzigen Zeitpunkt würde der Londoner Börse Schaden zufügen und sie destabilisieren, sagt Heiden.

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