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11.01.2019

16:15

Es geht um Veruntreuung, Geldwäsche und Betrug im Zusammenhang mit dem malaysischen Staatsfonds 1MDB. Reuters

Goldman Sachs

Es geht um Veruntreuung, Geldwäsche und Betrug im Zusammenhang mit dem malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Malaysischer Staatsfonds

Goldman Sachs kämpft im 1MDB-Korruptionsskandal um sein Image

Von: Astrid Dörner

Die Investmentbank verhandelt mit der US-Justiz, um eine der größten Finanzaffären der Geschichte zu beenden. CEO David Solomon will dabei nicht zu früh nachgeben.

New YorkDie ersten 100 Tage im Amt waren überraschend hart für David Solomon. Seit Oktober steht er an der Spitze der Investmentbank Goldman Sachs und muss plötzlich einen der größten Finanzskandale aller Zeiten bekämpfen.

Anfang November wurde bekannt, dass das US-Justizministerium zwei ehemalige Manager der Bank verklagte. Es geht um Veruntreuung, Geldwäsche und Betrug im Zusammenhang mit dem malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Die Justiz, sowie diverse US-Aufseher ermitteln auch gegen die Bank selbst. Im Dezember wurde zum ersten Mal überhaupt eine strafrechtliche Klage gegen die Bank eingereicht, von der malaysischen Regierung, die Milliarden zurückfordert. Ende Dezember verabschiedete sich die Aktie der Bank als größter Verlierer aus dem Dow-Jones-Index, mit einem Minus von 35 Prozent.

Dabei wollte Solomon eigentlich mit ambitionierten, zukunftsgewandten Projekten durchstarten, das Investmentbanking stärken, ebenso wie das neue Privatkundengeschäft. Auch feiert das Wall-Street-Haus in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum. All das jedoch rückt in den Hintergrund, weil der Betrugsskandal alles dominiert.

Solomon muss einen Spagat schaffen: Er will den Fall nicht zu früh außergerichtlich beilegen und nicht unter jeden Bedingungen. Der Goldman-Chef will genügend Zeit haben, um die Argumente der Bank zu präsentieren. Andererseits kann er die Sache nicht zu lange herauszögern, um den Aktienkurs nicht unnötig weiter zu belasten.

Der Fall lastet schwer auf dem Image der renommierten Investmentbank, die seit Jahren engste Verbindungen zu den wichtigsten Entscheidern aus Wirtschaft und Politik pflegt. Goldman half der malaysischen Regierung unter dem damaligen Premierminister Najib Razak dabei, den Staatsfonds aufzusetzen und emittierte dazu in mehreren Schritten Anleihen im Wert von 6,5 Milliarden Dollar.

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Doch der damalige Südostasien-Chef Tim Leissner und sein Stellvertreter Roger Ng sollen in den Jahren 2012 und 2013 gemeinsam mit dem dubiosen malaysischen Geschäftsmann Jho Low einen Großteil der Gelder entwendet haben, um sich selbst zu bereichern und um Schmiergelder zu zahlen, wie es in der Klageschrift heißt. Insgesamt geht es um mindestens 2,7 Milliarden Dollar.

Der deutschstämmige Leissner hat sich bereits schuldig bekannt und wartet, auf Kaution frei, auf die Urteilsverkündung. Ng weist die Vorwürfe zurück. Er sitzt in einem Gefängnis in Malaysia, das Auslieferungsverfahren an die USA läuft.

Am Montag hatte es das Gericht abgelehnt, ihn auf Kaution freizulassen. Das Fluchtrisiko sei schlicht zu groß. Low ist untergetaucht, Medienberichten zufolge wird er in China vermutet.

In Branchenkreisen wird über eine globale Einigung diskutiert

„Das Ganze außergerichtlich beizulegen wird nicht einfach werden“, gibt der unabhängige Bankenanalyst Chris Whalen zu bedenken. Der Fall hat in den vergangenen Monaten schließlich immer neue Kreise gezogen: Das Justizministerium ermittelt auch gegen Goldman selbst. Noch ist jedoch unklar, ob es auch zu einer Klage gegen die Bank kommen wird.

Die US-Börsenaufsicht SEC schaut sich den Fall an, ebenso wie die Notenbank Federal Reserve, die gleichzeitig ein wichtiger Bankenregulierer ist, und die New Yorker Finanzaufsicht DFS. Die malaysische Regierung fordert in ihrer Klage 7,5 Milliarden Dollar von der New Yorker Investmentbank.

Das beinhaltet nicht nur dem Wert der ursprünglichen Anleiheemissionen, sondern auch die 600 Millionen Dollar an Gebühren und Erträgen, die Goldman mit dem Deal gemacht hat. Der Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi plant ebenfalls eine Klage. Der Fonds kaufte einen Teil der Anleihen, deren führende Manager wurden laut IPIC jedoch auch von Leissner, Ng und Low bestochen.

In Branchenkreisen wird über eine globale Einigung diskutiert, mit der sowohl die Forderungen der US-Behörden als auch die der relevanten Parteien aus dem Ausland beglichen werden könnten. Die Verhandlungen dauern an, kurzfristig werde nicht mit einem Ergebnis gerechnet, hieß es. Auch über die Höhe der Strafzahlungen ist nichts bekannt.

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Guy Moszkowski vom Analysehaus Autonomous geht davon aus, dass es mehrere Milliarden Dollar werden. „Dies ist eine ernste Angelegenheit für Goldman“, sagt er, auch weil Leissner die Kultur seines ehemaligen Arbeitgebers vor Gericht kritisiert hatte. „Fakten von bestimmten Mitarbeitern aus den Compliance- und Rechtsabteilungen zu verschleiern“ gehöre dazu, so Leissner.

Solomon weist das scharf zurück. „Wir glauben, dass unsere Kultur und unsere Prozesse rund um Due Diligence und Compliance damals stark waren und heute noch stärker sind“, stellte er in einem Brief klar, den er zum Jahresende an seine Mitarbeiter schrieb.

Juristisch ist derzeit noch offen, wie viel Schuld der Bank überhaupt an der ganzen Sache angelastet werden kann. Leissner hat stets private Smartphones und E-Mail-Konten benutzt und systematisch Goldmans Compliance-Abteilung belogen, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Immer wieder habe er bestritten, dass Jho Low als Mittelsmann involviert ist.

Auch Hollywood ist in den Betrugsskandal verwickelt

Mehrere hochrangige Gremien der Bank haben den Deal schließlich abgesegnet. Auch Blankfein, damals CEO und sein operativer Vorstand Gary Cohn, stimmten zu.

Die Bank habe „eine sehr detaillierte Due Diligence gemacht, intern und durch externe Kanzleien“, schrieb Solomon. „Was wir nicht erwartet haben, war, dass eine Gruppe von Einzelpersonen und ausländischen Regierungsvertretern so eine dreiste Intrige orchestrieren würden.“

Leissner ist mit dem Model Kimora Lee Simons verheiratet. Ihr Jetset-Leben mit Yacht-Ausflügen und Urlauben auf Bora Bora ist auf ihrem Instagram-Konto detailreich dokumentiert.

So schillernd wie Leissners Leben war auch der Skandal, der ihn schließlich zu Fall brachte: Leissner war Goldmans Star-Banker in Malaysia und befreundet mit dem jungen Power-Broker Low. Der soll beste Verbindungen zu den wichtigsten Entscheidern seines Landes gehabt haben, ebenso wie ein Faible für die Nähe zu Hollywood-Stars.

Low umgab sich gern mit den Reichen und Schönen der westlichen Welt, spendierte teure Partys in New York, war bekannt für seine teuren Geschenke. Low, 1981 geboren, galt als enger Freund des Hollywood-Filmproduzenten Riza Aziz, dem Stiefsohn des damaligen malaysischen Premierministers Najib Razak.

Über Aziz ist auch Hollywood in den größten Betrugsskandal in der malaysischen Geschichte verwickelt. Seine Produktionsfirma Red Granite Pictures zahlte im März 60 Millionen Dollar Strafe an das US-Justizministerium, weil die Filme „Wolf of Wall Street“, „Dumm und Dümmer 2“ sowie „Ein Vater zu viel“ mit dem entwendeten Geld aus dem malaysischen Staatsfonds finanziert wurden.

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Vergangene Woche wurde bekannt, dass Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, der in dem Film über Exzesse an der Wall Street die Hauptrolle spielte, als Zeuge ausgesagt hat. Zwei millionenschwere Kunstwerke, ein Picasso und ein Basquiat, die der Schauspieler als Geschenke von Low erhalten hatte, übergab er den Behörden.

Die abgezweigten Milliarden flossen über verschiedenste Kanäle schließlich in Luxusgüter aller Art: Malaysische Ermittler fanden 14 mit Diamanten besetze Diademe, die mit dem Geld gekauft wurden, ebenso wie Luxusimmobilien und Kunst. Low ist ein ambitionierter Kunstsammler.

Goldman geht davon aus, dass seine Compliance-Systeme robust sind

Er soll zudem der anonyme Käufer sein, der 2015 Picassos Werk „Die Frauen von Algier“ für einen Rekordpreis von 179 Millionen Dollar ersteigert hat. Seine 250 Millionen Dollar schwere Yacht wurde im Dezember zum halben Preis versteigert.

Auch die chinesische Regierung schaltete sich offenbar in den Fall um 1MDB ein. Regierungsvertreter hätten 2016 angeboten, ihren Einfluss zu nutzen, um die USA und andere Länder zu einer Einstellung des Verfahrens zu bewegen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag. Low wies das prompt über einen Sprecher zurück.

Leissner musste im Zuge seines Schuldeingeständnisses 44 Millionen Dollar Strafe zahlen. Auch wird Goldman Boni für Leissner und Ng zurückhalten, wie es an der Wall Street üblich ist, wenn Mitarbeiter Straftaten begehen.

Es war die Bank, nicht die Staatsanwaltschaft, die Leissner auf die Schliche gekommen ist. 2015, als die Geschäfte mit der malaysischen Regierung längst abgeschlossen waren, entdeckte Goldman ein Empfehlungsschreiben für Low, das Leissner mit dem Briefkopf der Bank aufgesetzt hatte.

Er wurde noch am selben Tag befragt und suspendiert und die zuständigen Behörden alarmiert. Erst danach rekonstruierte Goldman Leissners Rolle bei 1MBD.

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Das Finanzinstitut geht davon aus, dass seine Compliance-Systeme robust sind. Dennoch hat Solomons Vorgänger Lloyd Blankfein bereits 2017 eine groß angelegte Compliance-Initiative für Partner und Managing Directors gestartet. Die 2500 Top-Manager der Bank wurden in Gruppen von etwa 50 Teilnehmern aufgeteilt, um an einem Rollenspiel teilzunehmen.

Die Bank heuerte Schauspieler an und simulierte eine Situation ähnlich wie bei 1MBD. Anschließend wurde diskutiert, wie sich Banker in schwierigen Situationen richtig verhalten und Fehler vermeiden können.

Auch investiert Solomon stärker in neuste Technologien die schneller auf verdächtige Mitarbeiter hinweisen. Unliebsame Schlagzeilen hatte der Goldman-Chef schließlich schon genug.

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