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17.03.2019

15:04

Möglicher Zusammenschluss

Deutsche Bank und Commerzbank starten Fusionsgespräche

Von: Andreas Kröner, Yasmin Osman, Daniel Schäfer

Die Vorstände der beiden größten Geldhäuser Deutschlands geben grünes Licht für Sondierungsgespräche. Die Politik unterstützt das, Gewerkschaften üben Kritik.

Medienberichten zufolge wollen die beiden Geldhäuser in Kürze offizielle Fusionsgespräche aufnehmen. dpa

Deutsche Bank und Commerzbank in Frankfurt

Medienberichten zufolge wollen die beiden Geldhäuser in Kürze offizielle Fusionsgespräche aufnehmen.

Frankfurt Die Deutsche Bank und die Commerzbank nehmen offizielle Sondierungsgespräche über einen Zusammenschluss auf. Das teilten beide Geldhäuser am Sonntagmittag in separaten Pflichtmitteilungen mit.

„Commerzbank und Deutsche Bank haben sich heute darauf verständigt, ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss aufzunehmen“, gab die Commerzbank bekannt. Die Deutsche Bank sprach von „strategischen Optionen“, die geprüft würden. Dazu gehörten auch Gespräche mit der Commerzbank.

Zuvor hatten nach Angaben aus Finanzkreisen die Vorstände beider Geldhäuser am Sonntagmorgen getagt und entsprechende Beschlüsse gefasst. Dadurch sollten Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing und Commerzbank-Boss Martin Zielke das offizielle Mandat erhalten, in den kommenden Wochen eine Fusion beider Häuser auszuloten.

Über einen Zusammenschluss der Banken war in den vergangenen Monaten wiederholt spekuliert worden. Schon vor einer Woche war bekannt geworden, dass Sewing und Zielke im kleinen Kreis ein solches Vorhaben prüfen. Doch vor allem Sewing hatte zuletzt noch gezögert, weil er nach Angaben aus Finanzkreisen eine klare Ansage aus Berlin vermisst hatte, dass die Bundesregierung einer harten Restrukturierung mit dem Abbau von möglicherweise Zehntausenden Stellen nicht im Weg stehen wird.

Ebendiese Zusicherung habe er am Samstag aus Berlin erhalten, ist in Finanzkreisen zu hören. Daher hätten beide Banken am Samstagnachmittag kurzfristig zu Vorstandssitzungen für den Sonntagmorgen eingeladen.

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Sewing hatte in den vergangenen Monaten zudem auch den Eindruck verhindern wollen, er lasse sich von der Bundesregierung in eine inländische Übernahme hineindrängen. So hatte das Deutsche-Bank-Management in den vergangenen Monaten intern und gegenüber Investoren immer wieder betont, dass das Geldhaus auch andere Optionen wie stärkere Kostenkürzungen oder einen europäischen Merger prüfen wolle. In der Pflichtmitteilung am Sonntag spricht die Deutsche Bank daher auch von „sich bietenden Opportunitäten“ und „strategischen Optionen“, die vom Vorstand geprüft würden.

Commerzbank-Chef Martin Zielke wiederum hat Insidern zufolge seit langem deutlich gemacht, dass er offen ist für eine Fusion mit der Deutschen Bank. Bei internen Diskussionen wies er mehrfach darauf hin, dass das Beteiligungsverhältnis für die eigenen Aktionäre bei einer Fusion aktuell so attraktiv wäre wie lange nicht. Gemessen an den Marktwerten würden die Commerzbank-Aktionäre bei einem Zusammenschluss derzeit gut ein Drittel an dem fusionierten Institut halten. In den Jahren zuvor kamen die Gelben oft nur auf ein Viertel.

Zielkes Strategie sieht vor, dass die Commerzbank ihren Marktanteil im Privat- und Firmenkundengeschäft ausbaut. Neben Wachstum aus eigener Kraft hat sich das Institut dabei in den vergangenen Jahren auch immer Mal wieder Zukaufsmöglichkeiten angesehen – beispielsweise die NordLB und die Oldenburgische Landesbank.

Falls es zu einer Verschmelzung mit der Deutsche Bank kommen sollte, würde das Institut seinen Marktanteil im Privat- und Firmenkundengeschäft auf einen Schlag deutlich ausbauen. Commerzbank-Manager weisen jedoch darauf hin, dass das Institut aktuell stabil dasteht und auf einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank nicht angewiesen ist.

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Allerdings gibt es immer wieder Debatten, ob die Commerzbank alleine auf Dauer groß genug ist, um zu überleben. In den vergangenen Jahren haben immer mal wieder ausländische Institute in Berlin vorgefühlt, konkrete Offerten gab es jedoch nie.

Zielke wäre eine Fusion mit der Deutschen Bank Finanzkreisen zufolge lieber als eine Übernahme durch ein ausländisches Geldhaus – auch aus politischen Gründen. Er ist nämlich der Ansicht, dass eine deutsche Großbankenfusion für die Bundesrepublik industriepolitisch vorteilhaft sein kann. Und er hätte dabei wohl auch mehr Einflussmöglichkeiten als bei einer Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Geldhaus.

Mit Fusion könnten Zehntausende Arbeitsplätzen wegfallen

Durch ein Zusammengehen der beiden größten deutschen Privatbanken würde das mit großem Abstand führende deutsche Geldhaus entstehen. Die kombinierte Bank hätte rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, eine Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro sowie rund 140.000 Mitarbeiter.

Das Vorhaben wird auch von der Politik unterstützt – insbesondere von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und seinem Staatssekretär Jörg Kukies, dem früheren Deutschland-Chef von Goldman Sachs. Ob die Sondierungsgespräche, über die am Sonntag zunächst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte, tatsächlich zum Erfolg führen werden, ist allerdings noch unklar.

Eine mögliche Fusion dürfte jedoch auf erbitterten Widerstand der Gewerkschaften stoßen, da sie mit dem Abbau von Zehntausenden Stellen einherginge. Am Sonntag bekräftigte der Vorsitzende der Bankengewerkschaft DBV, Stephan Szukalski, seine Kritik. „Unsere Einschätzung, dass eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank zum jetzigen Zeitpunkt ein großer Fehler wäre, ist unverändert“, sagte er dem Handelsblatt. Beide Unternehmen hätten noch ausreichend Hausaufgaben zu erledigen, bevor ein solcher Schritt zu überlegen wäre.

„Als Arbeitnehmervertreter könnten wir die mit einer Fusion verbundenen Einschnitte in die Belegschaften sowieso nur unterstützen, wenn am Ende ein stabiles, zukunftsfähiges Gebilde entstünde, das die verbleibenden Arbeitsplätze sichert“, so Szukalski, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Dass gerade dies nicht der Fall sei, befürchte er allerdings aufgrund der Komplexität und der aktuellen besonderen Situation beider Häuser in hohem Maße.

Für die meisten Mitarbeiter der Commerzbank wäre eine Fusion gleichwohl eine Horrorvorstellung. Sie wissen, dass dann erneut Tausende Arbeitsplätze gestrichen würden. Und sie haben Zweifel, dass eine Integration angesichts der großen kulturellen Unterschiede zwischen beiden Häusern gelingen kann.

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Schon die Integration der Dresdner Bank war für die Commerzbank ein Kraftakt. Aber eine Fusion mit der Deutschen Bank könnte das Institut aus Sicht vieler Beschäftigter zerreißen. „Wir haben ein völlig anderes Selbstverständnis“, sagt ein Commerzbank-Mitarbeiter. „Das würde hinten und vorne nicht funktionieren.“

Mehrere Mitarbeiter und Manager haben im kleinen Kreis kundgetan, dass sie das Institut verlassen wollen, wenn es tatsächlich zu einer Fusion mit der Deutschen Bank kommt. Auch die Arbeitnehmervertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat haben deutlich gemacht, dass sie einen Zusammenschluss ablehnen.

In einer Botschaft an die Mitarbeiter versuchte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Wogen zu glätten. „Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird. Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können“, heißt es in dem Schreiben. Der Vorstand müsse sich aber dann mit „Gelegenheiten“ beschäftigen, wenn diese sich böten. Die Konsolidierung der Bankenbranche in Deutschland und Europa sei ein wichtiges Thema. „Wir müssen prüfen, wie wir sie mitgestalten wollen“, so Sewing.

Zugleich versuchte er Ängste zu zerstreuen, eine Fusion würde mit einem Rückzug aus dem internationalen Geschäft verknüpft sein: „Unser Ziel ist uns bleibt es, eine globale Bank mit einem starken Kapitalmarktgeschäft zu sein – basierend auf einer führenden Position in unserem Heimatmarkt Deutschland und Europa und mit einem weltweiten Netzwerk, wie es unsere Kunden von uns erwarten.“

Beide Banken stehen nicht gerade gut da – vor allem im internationalen Vergleich. Der Deutschen Bank war 2018 nach drei Verlustjahren in Folge zwar die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen, allerdings schwächelt das wichtige Investmentbanking weiterhin. Die Commerzbank schrieb zwar ebenfalls schwarze Zahlen, musste aber ihre mittelfristigen Gewinnziele zuletzt kassieren.

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Kommentare (1)

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Herr Volker Kobelt

18.03.2019, 17:21 Uhr

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann "starten (nicht) Fusionsgespräche", sondern Gespräche über eine eventuelle Fusion. Bei diesen Gesprächen sollten pro und kontra ehrlich abgewogen werden, erst dann wäre Zeit für die meisten Kommentare, die man heute schon hört und liest. Eine große Gefahr ergibt sich aus der Beteiligung des Bundesfinanzministers, dessen Interessen sind nicht förderlich für eine Bank. Die Gewerkschaften vertreten , wie Politiker, keine bankfachlichen Interessen, die suchen in erster Linie offenbar nur Versorger für ihre Mitglieder. Aus diesen Gründen sollten die ersten Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden. Erst wenn ein positives Ergebnis (also pro Fusion) als Ergebnis der sog. Fusionsgespräche verkündet wird wäre die Zeit für die Kommentare der üblichen Bedenkenträger gekommen.

Gegenwärtig kann man nur den Gesprächsteilnehmern genügend gesunden Menschenverstand wünschen, damit die Trauerspiele um die Banken möglichst bald aufhören. Außerdem benötigen sie viel Kraft, um die trotzdem über sie herfallenden mehr oder weniger guten Ratschläge zu verdauen.

Toi, toi, toi!

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