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30.10.2019

11:03

Nachgefragt

„Die Ertragsentwicklung bei der Deutschen Bank ist ernüchternd“

Von: Yasmin Osman

Die Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment hält die Ziele der Deutschen Bank nach Vorlage der Quartalszahlen für anspruchsvoll.

Fondsmanagerin bei Union Investment Union Investment

Alexandra Annecke

Fondsmanagerin bei Union Investment

Frankfurt Trotz der heftigen Verluste an der Börse sieht Alexandra Annecke neben vielen Risiken auch einige Hoffnungsschimmer in den Quartalszahlen der Deutschen Bank. Die Expertin erklärt, wo sie Schwachpunkte sieht und warum sie Nachjustierungen in der Strategie für eine Option hält.

Frau Annecke, die Aktienmärkte haben schnell und mitleidlos auf die Quartalszahlen der Deutschen Bank reagiert. Aus Ihrer Sicht zu Recht?
Fairerweise muss man sagen, dass Bankaktien am Mittwoch generell unter Abgabedruck standen. Die Märkte waren da einfach insgesamt sehr kritisch.

Die Aktien der Deutschen Bank haben aber mehr verloren als der Durchschnitt, das ist schon richtig.

Man hat der Deutschen Bank lange vorgeworfen, kein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben. Hat sich das durch die neue Strategie geändert?
In einem normaleren Zinsumfeld und bei einer geringeren Wettbewerbsintensität würde ich diese Frage ganz klar mit Ja beantworten. Aber die Rahmenbedingungen werden weiter schwierig bleiben.

Insofern sind Nachjustierungen nicht ausgeschlossen.

Selbst die Erträge der Kernbank sind in vielen Untersparten geschrumpft. Beunruhigt Sie das?
Dass die Quartalszahlen äußerst durchwachsen ausfallen würden, war zu erwarten. Die Bank befindet sich im Umbau, die Bilanz wird verkleinert, gleichzeitig investiert das Institut auch in Wachstum, IT und Kontrollprozesse.

Unter dem Strich gibt es Punkte, die mehr Mut machen – das gilt etwa für das gute Abschneiden der Unternehmensbank. Und es gibt Punkte, die ernüchternd sind. Das gilt etwa für die Investmentbank. Die Bank hat im Anleihe- und Devisenhandel im zweistelligen Prozentbereich verloren, während viele ihrer Wettbewerber die Einnahmen sogar steigerten.

Ist die Investmentbank also die größte Baustelle?
Ja. Die große Frage lautet, ob die Bank hier weiter Kundengeschäft verliert beziehungsweise wann sie diese Verluste stoppen kann. Aber auch das Privatkundengeschäft bleibt anspruchsvoll.

Hier gilt es, die Postbank-Integration zu stemmen. Zudem belastet das Zinsumfeld stark – und das wachsende Kreditgeschäft kann das nicht kompensieren.

Die Bank will bei Firmenkunden und reichen Privatkunden Negativzinsen erheben. Würde das helfen?
Das könnte sicher einen Teil des Ertragsdrucks kompensieren, wobei man das gut steuern muss, weil Kunden ihre Einlagen dann auch abziehen könnten. Die Bank denkt aber nicht als einzige über solche Schritte nach.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die Bank ihre Zielvorgaben mit Blick auf Erträge und Profitabilität erreichen wird?
Die Ziele waren von Anfang an anspruchsvoll. Und wie ungünstig sich das Zinsumfeld dann noch entwickeln würde, war damals nicht absehbar. Es ist deutlich schwerer geworden, die Ziele zu erreichen. Die Transformation ist nicht einfach, gerade angesichts des Umfelds. Und die Fehlertoleranz ist angesichts der Eigenkapitalquote der Bank gering. Beim Abbau von Risiken und Kosten ist die Bank auf Kurs. Aber was die Ertragsentwicklung angeht, ist der aktuelle Eindruck ernüchternd.

Die Fragen stellte Yasmin Osman.

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