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18.08.2019

14:55

Paul Achleitner

Achleitner unter Druck: Investoren der Deutschen Bank wollen weitere Amtszeit verhindern

Von: Yasmin Osman, Andreas Kröner

Die Bank bemüht sich, den Verdacht zu zerstreuen, Achleitners Amtszeit könnte vorzeitig enden. Ihm wird aber wohl nahegelegt, sich mit seiner Nachfolge zu befassen.

Die Amtszeit des Chefkontrolleurs der Deutschen Bank endet regulär 2022. dpa

Paul Achleitner

Die Amtszeit des Chefkontrolleurs der Deutschen Bank endet regulär 2022.

Frankfurt Paul Achleitner ist so etwas wie das Stehaufmännchen der Deutschen Bank. Unzählige Male galt er als angezählt. Mächtige Investoren drohten mit Vertrauensentzug auf der nächsten Hauptversammlung, und Forderungen nach einer Wachablösung an der Aufsichtsratsspitze wurden laut.

Der Österreicher hat all diese Krisen überstanden. Am Ende präsentierte der seit 2012 amtierende Aufsichtsratschef, so behaupten seine Kritiker, in letzter Minute immer ein Versprechen, ein Zugeständnis, das die Unzufriedenen ruhigstellte.

Hört man sich bei wichtigen Investoren um, dann legte man Achleitner schon im Umfeld der diesjährigen Hauptversammlung im Mai nahe, sich alsbald einen Nachfolger zu suchen. „Der Deal ist, er kann selbst einen Nachfolger suchen, aber er muss auch liefern“, heißt es in Finanzkreisen. Die Botschaft sei bei ihm angekommen, so ein Insider.

Vergangene Woche sickerte nun durch, dass Achleitner einen Nachfolgeprozess angestoßen haben soll. Einer der Top-20-Investoren der Bank begrüßt das. „Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht angeraten, jetzt mit der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef zu beginnen“, sagt er.

Achleitner sei 62 Jahre alt. „Schon vom Alter her ist klar, dass die nächste strategische Weichenstellung unter einem anderen Aufsichtsratschef stattfinden wird. Und falls man jemanden von außen holen will, braucht derjenige Zeit, um sich einzuarbeiten.“

Doch ein formaler Prozess, in den auch der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats eingebunden wäre, scheint noch nicht eingeleitet worden zu sein. Das erscheint Beobachtern nicht ungewöhnlich. „Es wäre typisch für Achleitner, das erst einmal im stillen Kämmerlein zu regeln“, heißt es in der Bank. Doch jetzt steht die Frage im Raum, wie lange sich Achleitner noch an der Spitze des Aufsichtsrats halten wird.

Sein Umfeld bestreitet, dass irgendwas an Gerüchten über eine Nachfolgesuche dran sein könnte. Und die Bank ist ebenfalls bemüht, jeden Verdacht zu zerstreuen, Achleitners Amtszeit könnte vor dem planmäßigen Ende im Jahr 2022 enden. „Die Bestellung von Herrn Achleitner als Aufsichtsratsvorsitzender läuft bis 2022. Darüber hinaus sind generell Nachfolgefragen im Aufsichtsrat klar geregelt, sie werden durch den Nominierungsausschuss vorbereitet“, teilte ein Sprecher mit.

Gut möglich, dass sich der eine oder andere Achleitner-Kritiker unter den Investoren provoziert fühlt oder daran zweifelt, dass Achleitner die versprochene Nachfolgesuche entschlossen genug vorantreibt. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ legte am Freitag nach vorangegangenen Meldungen noch einmal nach und berichtete unter Berufung auf Investoren, es gebe „konkrete Gedankenspiele“ um seine Ablösung. Die Suche solle zum Jahreswechsel Fahrt aufnehmen mit dem Ziel, Achleitners Amtszeit frühzeitig zu beenden.

Der Frust der Investoren ist verständlich. Achleitner werden viele Versäumnisse vorgeworfen: Der Österreicher habe zu lange an Anshu Jain an der Spitze der Bank festgehalten, der die Skandale der Investmentbank weder entschlossen aufarbeitete noch unterband.

Dann habe er mit John Cryan jemanden an die Spitze geholt, der die Probleme zwar brillant analysierte, aber wenig entscheidungsfreudig war. Hinzu kommen mehrere Strategiewechsel der Bank, die keine Besserung brachten.

Einigen Großinvestoren gehen Gedankenspiele über eine vorzeitige Ablösung dennoch zu weit. Die Probleme der Bank seien nicht mit einer konkreten Person verknüpft, und es müsse erst einmal alternative Kandidaten geben, die es besser könnten, heißt es bei einem wichtigen Investor. Entscheidend sei, dass Vorstandschef Christian Sewing mit seiner Strategie Erfolg habe.

„Wie lange Paul Achleitner Aufsichtsratschef bleibt, wird maßgeblich davon abhängen, ob die neue Strategie funktioniert“, betont auch ein anderer Investor. „Wenn die Deutsche Bank die Trendwende hinbekommt, kann er aus meiner Sicht bis 2022 Aufsichtsratschef bleiben. Wenn es nicht klappt und der Unmut steigt, muss er früher gehen.“ Diese Sicht ist von verschiedenen Seiten zu hören: Solange Achleitner Sewing nicht bei der Arbeit stört, stört sich auch niemand an Achleitner.

Die Nachfolgesuche ist ohnehin kein Selbstläufer. Für die Bank wäre ein Kandidat wichtig, der in der deutschen Politik und Unternehmenswelt gut verdrahtet ist. Auch die Bankenaufseher legen mittlerweile strenge Maßstäbe an Banken-Aufsichtsräte, insbesondere wenn diese den Vorsitz übernehmen wollen: Sie müssen nachweisen, dass sie die Materie ausreichend verstehen. An der Spitze der meisten Banken-Aufsichtsräte stehen daher hochrangige Ex-Manager aus der Finanzbranche.

Schwierige Suche

Legt man diese Maßstäbe an, so drängt sich keiner der aktuellen Aufsichtsratsmitglieder als Nachfolger auf. Ex-UBS-Vorstand Jürg Zeltner, der als Vertrauter der katarischen Großaktionäre nun neu dazustößt, würde diese Kriterien zwar noch am ehesten erfüllen. Doch da er als Vertreter Katars gilt, ist er nicht unabhängig. Damit würde seine Wahl gegen die Satzung der Bank verstoßen.

Diese Konstellation, für die Achleitner durch seine bisherige Personalpolitik im Aufsichtsrat mitverantwortlich ist, macht die Suche nach einem externen Kandidaten nötig.

Und das kann dauern: Erst muss sich ein Kandidat finden, der dann womöglich erst nach einer Übergangszeit zur Verfügung steht und sich idealerweise erst noch in das Amt einarbeiten kann. So stehen die Chancen für Achleitner nicht schlecht, seine Amtszeit in Ruhe zu beenden.

Achleitner gegen seinen Willen vorzeitig aus dem Amt zu drängen wäre ohnehin nicht so leicht. Aktionäre können Aufsichtsräte auf Hauptversammlungen abwählen.

Doch bislang konnten sich die Großaktionäre der Deutschen Bank bei aller Kritik noch nicht einmal dazu durchringen, Achleitner mehrheitlich die Entlastung zu verweigern und ihm damit symbolisch das Misstrauen auszusprechen.

Ein Trost bleibt Achleitner auf jeden Fall: Für die Nachfolgesuche ist formal der – von Achleitner geleitete – Nominierungsausschuss zuständig. Er weiß dort auch künftig seinen Vertrauten, Verdi-Chef Frank Bsirske, an seiner Seite. Dessen Amtszeit als Verdi-Vorsitzender endet zwar bald, doch sein bis 2023 laufendes Mandat bei der Bank will er noch erfüllen.

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