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29.04.2019

17:00

Paul Achleitner

Deutsche-Bank-Chefkontrolleur droht eine ungemütliche Hauptversammlung

Von: Michael Maisch, Daniel Schäfer

Aufsichtsratschef Paul Achleitner könnte auf Widerstand seitens der Aktionäre stoßen. Meinungsverschiedenheiten gibt es auch mit CEO Sewing.

Der Chefkontrolleur der Deutschen Bank hat demnächst einen Posten weniger inne. Bloomberg/Getty Images

Paul Achleitner

Der Chefkontrolleur der Deutschen Bank hat demnächst einen Posten weniger inne.

Frankfurt Das Thema war wie für Paul Achleitner gemacht: „Disruption in der Bankenbranche“ lautete das Motto des Vortrags, den der Österreicher am 27. März vor dem Finance Forum Liechtenstein hielt. Nicht nur die Deutsche Bank musste lernen, mit einer Überdosis Disruption zu leben, auch ihr Aufsichtsratschef. Bislang konnte sich Achleitner stets mit einer Mischung aus Glück, Geschick und akribischer Planung allen Rücktrittsforderungen entziehen.

Aber auch die Hauptversammlung am 23. Mai dürfte ungemütlich werden: Mindestens ein wichtiger Aktionär spielt nach Handelsblatt-Informationen mit dem Gedanken, Achleitner nicht zu entlasten.

Da sind Auftritte wie der in Liechtenstein deutlich komfortabler. In solchen Momenten lässt sich viel über Paul Achleitner lernen. Dann mutiert der Banker zum Dozenten, Daumen und Zeigefinger formen ein O, im Stakkato der Argumente schnellt die Hand nach vorne. Damit die Lehrstunde nicht gar so streng ausfällt, garniert Achleitner das Ganze mit einer Prise österreichischem Schmäh und ein paar Witzchen, gerne auch über sich selbst.

„Angesichts meiner Körpergröße von 1,68 Meter mag es merkwürdig klingen, aber auf die Größe kommt es an“, charmierte der Aufsichtsratschef in Vaduz. Will heißen, die Europäer sollen doch bitte keine Angst vor zu großen Banken haben, sondern sich lieber fragen, ob die Geldhäuser nicht noch viel größer sein müssten, um mit der übermächtigen US-Konkurrenz mithalten zu können.

Auch wenn Achleitner gerne aus gehöriger Flughöhe über die großen Fragen seiner Branche räsoniert, sind solche Aussagen auch pro domo zu verstehen, schließlich verhandelte sein Vorstandschef Christian Sewing zu jener Zeit noch über eine Fusion mit der Commerzbank. Am Ende ließ sich Achleitner auf der Bühne in Liechtenstein den Satz entlocken, dass er den Deal mit dem Frankfurter Nachbarn zumindest volkswirtschaftlich für sinnvoll hält.

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Überraschend kam das nicht, schließlich gilt Achleitner seit langem als Fan der Fusion, im Gegensatz zu Sewing, der das Projekt stets mit einer gewissen Grundskepsis betrachtete. Am Ende ließ sich auch Achleitner überzeugen, dass sich der Deal vielleicht volkswirtschaftlich rechnet, aber nicht betriebswirtschaftlich.

Ob ihm das leicht fiel? Schließlich hat er erhebliche Teile seines Berufslebens mit der Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft verbracht – weitgehend erfolglos.

Dissonanzen mit Sewing

2000 wechselte der damalige Deutschland-Chef von Goldman Sachs als Finanzvorstand zur Allianz und versuchte vergeblich, eine Ehe zwischen Deutscher Bank und Dresdner Bank zu arrangieren. Stattdessen übernahm die Allianz die Dresdner selbst, eine Fehlentscheidung. Immerhin gelang es Achleitner noch in der Finanzkrise, die gefährliche Bankentochter an die Commerzbank weiterzuverkaufen.

Nicht nur in Sachen Fusion gibt es Dissonanzen zwischen Achleitner und Sewing. In Liechtenstein wiederholte der Aufsichtsratschef sein Credo, dass Europa starke Investmentbanken brauche und die Deutsche Bank für diese Rolle prädestiniert sei.

In der „Financial Times“ antwortete Achleitner auf die Frage, ob die von Investoren geforderten Einschnitte im Investmentbanking nicht doch nötig seien, mit „Nein“. Bei Sewing hört sich das anders an. Am Wochenende drohte er den Investmentbankern mit Konsequenzen, sollten die nicht bald Gewinne erwirtschaften.

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Daraus ein Zerwürfnis zu stilisieren, wäre übertrieben. Eher geht es um eine Emanzipation des CEO von dem Mann, der ihn vor mehr als einem Jahr in einer Hauruck-Aktion an die Spitze der Bank hievte. Aber auch diese Emanzipation ist pikant, denn die Dauerkrise der Bank sorgt dafür, dass sich die Machtverhältnisse zwischen Aufsichtsrat und Vorstandschef umkehren.

Sewing könnte wohl auch ohne Achleitner, aber Achleitner kaum ohne Sewing. In seiner Amtszeit hat der Aufsichtsratschef bereits drei Vorstandschefs verschlissen. Einen weiteren Wechsel würden ihm die Aktionäre kaum verzeihen.

Ein Trost bleibt Achleitner: Schlimmer als bei Bayer, wo er ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, kann die Hauptversammlung der Deutschen Bank nicht werden. Die Aktionäre des Leverkusener Konzerns verweigerten Vorstandschef Werner Baumann die Entlastung. Das gab es beim Frankfurter Geldhaus selbst in den chaotischsten Zeiten nicht.

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Kommentare (1)

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Herr Andre Peter

30.04.2019, 08:39 Uhr

Die jahrelange Unfähigkeit des Aufsichtsratschef hat zum Niedergang der Deutschen Bank geführt. Der Aufsichtsratschef muss weg.

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