Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2018

14:56 Uhr

Paul Pester

Chef der TSB-Bank verzichtet nach IT-Panne auf Millionenbonus

Nach dem Umzug auf ein neues Computersystem hatten etliche Kunden der Bank keinen Zugriff auf ihre Konten. Die Bank kündigt Entschädigungen an.

Seit der problematischen Umstellung hat die Bank rund 40.000 Beschwerden erhalten. imago

TSB-Geldautomat

Seit der problematischen Umstellung hat die Bank rund 40.000 Beschwerden erhalten.

LondonPaul Pester, Chef der britischen Bank TSB, hat sich nochmals bei der Regierung des Königsreichs entschuldigt. Wegen der fehlerhaften Einführung eines neuen Computersystems hatten Hunderttausende Kunden keinen Zugang zu den Dienstleistungsfunktionen der Bank. Andere Kunden dagegen hatten Zugriff auf fremde Konten.

Vor dem dem Finanzausschuss des britischen Unterhauses (Treasury Select Committee) in London hatte Pester am Mittwoch gesagt, er übernehme „absolute Verantwortung“ für diesen „inakzeptablen“ Kundenservice. Er stritt allerdings ab, dass das neue Computersystem vorzeitig ohne ausreichende Tests eingeführt worden sei. Auch habe die spanische Muttergesellschaft keinen Druck ausgeübt, das System möglichst schnell umzustellen.

Laut TSB-Chairman Richard Meddings verzichtet Pester auf insgesamt zwei Millionen Pfund (2,28 Millionen Euro) an Bonuszahlungen wegen der Probleme bei der IT-Umstellung. Das berichtet die britische Tageszeitung Guardian Auch andere Führungskräfte müssten deswegen eventuell auf einen Teil ihrer Boni verzichten. Pester kann aber noch 1,3 Millionen Pfund Boni für 2018 bekommen – zusätzlich zu den 1,3 Millionen an Grundgehalt, weiteren Vergünstigungen und Pensionsverpflichtungen.

Probleme noch 13 Tage nach Bekanntwerden

Großbritannien: IT-Panne der TSB betrifft Millionen Kunden – und stürzt die britische Bank in die Krise

Großbritannien

IT-Panne der TSB betrifft Millionen Kunden – und stürzt die britische Bank in die Krise

Eine IT-Panne hat bei der britischen Bank TSB eine Existenzkrise ausgelöst. Der Vorfall ist eine Warnung für die gesamte Branche, sagen Experten.

Britische Regierungsmitarbeiter beklagen sich auch 13 Tage nach dem Beginn der Probleme, dass sie immer noch nicht auf ihre Konten zugreifen könnten. Auf Nachfrage des Labour-Politikers John Mann, wann denn dieses „Chaos“ vorbei sei, konnte die Bank keine konkrete Antwort geben. Noch letzte Woche hatte Pester behauptet, die IT-Migration sei trotz der Störung „reibungslos“ verlaufen.

Bei der Software-Umstellung ging es um zwei Aspekte: Drei Jahre nachdem Lloyds aus der TSB ausgegliedert wurde, sollten fünf Millionen Kunden mit insgesamt 1,3 Milliarden Datensätzen auf die Software der neuen spanischen Muttergesellschaft Sabadell umgestellt werden. Auch das Upgrade der Systeme für die 1,9 Millionen Online- und Mobilfunkkunden der TSB führte dazu, dass hunderttausende Kunden entweder nicht auf ihre Konten zugreifen oder generell keine Kontofunktionen nutzen konnten.

Pester sagte, er sei „zutiefst traurig“ über die Rufschädigung der Bank. Außerdem entschuldigte er sich, dass die 30-minütige Wartezeit an der Service-Hotline „sehr schlecht“ sei. Dennoch behauptete er, dass „das zugrundeliegende System der Bank sehr gut funktionierte“. Und er habe sogar ein Team von IBM einfliegen lassen, um bei der Problemlösung zu helfen.

TSB drohen Geldbußen

Seit der problematischen Umstellung hat die Bank rund 40.000 Beschwerden erhalten. Im gleichen Zeitraum erhält die Bank normalerweise um die 3000 Beschwerden. Trotzdem seien mittlerweile 95 Prozent der Kunden wieder in der Lage, auf ihre Konten und Dienstleistungen zuzugreifen.

Kommentar: Die Finanzindustrie muss dringend in ihre IT investieren

Kommentar

Die Finanzindustrie muss dringend in ihre IT investieren

Die Einführung eines neuen IT-Systems wurde für die britische Bank TSB zu einem Fiasko. Dennoch müssen die Banken dieses Risiko eingehen.

Der Systemzusammenbruch könnte dazu führen, dass TSB Geldbußen und Entschädigungen zahlen muss. Außerdem sollen Nicht-TSB-Kunden entschädigt werden, die Verluste erlitten haben. Der Kreditgeber verzichtet im April auf Überziehungsgebühren und erhöht den Zinssatz für sein Classic Plus-Konto von drei Prozent auf fünf Prozent. Die Kontrolleinheit der Bank of England, die Financial Conduct Authority, kündigte Gespräche mit der TSB an, um herauszufinden, was schief gelaufen sei.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×