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19.06.2019

16:34

Personal

Spekulationen um Ablösung: Investoren stärken Deutsche-Bank-Vorstand von Moltke den Rücken

Von: Michael Maisch, Anke Rezmer

Die Nachricht, Deutsche-Bank-Chef Sewing könne sich vom Finanzvorstand trennen, stößt auf Verblüffung. Für Großinvestoren wäre sein Abgang eine Enttäuschung.

Im Sommer 2017 kam von Moltke von der Citigroup zur Deutschen Bank. Reuters

James von Moltke

Im Sommer 2017 kam von Moltke von der Citigroup zur Deutschen Bank.

FrankfurtWill Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing seinen Finanzvorstand James von Moltke ablösen? Das zumindest meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am vergangenen Dienstagnachmittag. Die Nachricht stieß innerhalb und außerhalb der Deutschen Bank bei vielen auf Verblüffung.

Zwar ist klar, dass Sewing an einem größeren Vorstandsumbau bastelt, aber bislang galten vor allem Regulierungschefin Sylvie Matherat und der oberste Investmentbanker Garth Ritchie als Wackelkandidaten.

Der Name von Moltke stand bislang nicht auf der Liste von in Ungnade gefallenen Managern, und im Aufsichtsrat der Deutschen Bank wurde nach Informationen des Handelsblatts auch noch nicht über einen Abschied des Finanzvorstands gesprochen.

Dementieren will die Bank einen möglichen Ausstieg von Moltkes allerdings auch nicht. Sollte sich Sewing trotzdem von seinem Finanzvorstand trennen wollen, wäre das für eine Reihe von Großinvestoren der Bank eine herbe Enttäuschung.

Ein wichtiger Aktionär zeigt sich regelrecht entsetzt über die Gerüchte: „Es wäre sehr schlimm, wenn James von Moltke gehen müsste“, heißt es. Und: „Er ist der beste Finanzchef, den die Deutsche Bank seit Langem hatte“. „Er hat beim Kostenziel geliefert“, pflichtet ein anderer Investor bei – wenn von Moltke ginge, wäre das „kein gutes Zeichen“.

Dass die Bank ihr Ertragsziel für dieses Jahr kassieren musste, lasten die vom Handelsblatt befragten Investoren dem Finanzvorstand nicht an. Im Gegenteil: Sie loben, dass von Moltke auch Defizite der Bank klar anspreche und keine Ausflüchte suche.

Von Moltke kam im Sommer 2017 von der Citigroup zu Deutschlands größtem Geldhaus. Er löste damals Marcus Schenck ab, der zeitweise gemeinsam mit Ritchie die Investmentbank leitete und als Kronprinz für die Nachfolge von Vorstandschef John Cryan galt. Als Sewing 2018 zum Vorsitzenden des Vorstandes ernannt wurde, verließ Schenck die Bank.

Abgang von Ritchie und Matherat würde nicht überraschen

Im Gegensatz zu von Moltke würde ein Abgang von Ritchie und Matherat die Großinvestoren nicht überraschen. Matherat mache nach all den Pannen rund um die Regulatorik keine gute Figur, hieß es bei einem Großaktionär.

Ein Abgang Ritchies sei nur folgerichtig angesichts der Pläne, seinen Bereich zusammenzustreichen. Außerdem kritisieren mehrere Großaktionäre die „überzogene“ Bezahlung des Chefinvestmentbankers. Obwohl er laut Geschäftsbericht bei der Erreichung seiner Ziele schlechter abschnitt als alle anderen Vorstände, bekam Ritchie für 2018 die höchste Vergütung zugesprochen.

Vorstandschef Sewing hatte auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai einen umfassenden Konzernumbau angekündigt und von „harten Einschnitten“ gesprochen. Details dazu sollen in den kommenden Wochen vorgestellt werden.

Dabei denkt die Bank auch über eine sogenannte Abwicklungseinheit nach, in die Finanzinstrumente und Anlagen im Volumen von bis zu 50 Milliarden Euro ausgelagert werden sollen. Darüber hinaus will das Geldhaus Insidern zufolge sein Aktienhandelsgeschäft in den USA auf das Notwendigste reduzieren. Diese Pläne stoßen bei den Investoren zumindest auf grundsätzliche Zustimmung.

Mehr: Vier Prozent Rendite hält die Deutsche Bank derzeit nicht für realistisch. Sie kassiert ihr eigenes Ziel. Grund: Der Umbau des Geldhauses kostet.

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