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07.11.2019

15:14

Privatkundengeschäft

Ärger um neuen Manager der Deutschen Bank

Von: Yasmin Osman

Ein führender Mitarbeiter der Privatkundensparte soll eine unrühmliche Rolle im Beraterskandal des Verteidigungsministeriums gespielt haben.

Die Neueinstellungen der Personalabteilung kommen nicht immer gut an. dpa

Deutsche Bank

Die Neueinstellungen der Personalabteilung kommen nicht immer gut an.

Frankfurt Mitarbeiter, die für unschöne Schlagzeilen sorgen, sind für die Deutsche Bank ein vertrautes Phänomen. Erst vor Kurzem kam heraus, dass ein Manager, der in fragwürdige Praktiken in China verwickelt war, später noch Karriere in der Compliance-Abteilung machte.

Auch bei Neueinstellungen fällt die Personalabteilung der Bank offenbar Entscheidungen, die bei vielen Deutsch-Bankern alles andere als gut ankommen, wie das Beispiel eines hochrangigen Mitarbeiters im Privatkundengeschäft nun zeigt.

Seit einigen Monaten ist Ulrich M. Chief Information Officer, also Leiter der Informationstechnik für die deutsche Privatkundenbank des Frankfurter Geldhauses. Er ist damit direkt unter der IT-Chefin des Privatkundengeschäfts, Zvezdana Seeger, angesiedelt.

In der Bank sorgt das für Unruhe, weil über M. schon vor seinem Einstieg bei der Deutschen Bank einiges in den Medien zu lesen war. Denn M. ist eine der Personen, die im Skandal der Bundeswehr um externe Beraterverträge eine Rolle spielen.

Bis Mitte vergangenen Jahres war M. noch Geschäftsführer der BWI, einer IT-Tochter der Bundeswehr. Seine Karriere dort endete abrupt und unfreiwillig.

„Nach Beschluss des Aufsichtsrats der BWI wurde Herr M. am 28. Juni freigestellt, ordentlich gekündigt und die Kündigung des Arbeitsvertrags fristgerecht zu Ende Juni 2019 vollzogen“, sagte ein BWI-Sprecher dem Handelsblatt auf Anfrage. Zu den Gründen könne er keine Auskunft geben. M. war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auskünfte finden sich dafür unter den Aussagen einiger Zeugen vor der Untersuchungskommission des Verteidigungsausschusses des Bundestags, der zur Berateraffäre eingerichtet wurde. Klaus-Hardy Mühleck, der damalige BWI-Aufsichtsratschef und Abteilungsleiter Cyber- und Informationstechnik (CIT) im Bundesverteidigungsministerium, begründete die Kündigung damit, dass M. freihändig – also ohne Ausschreibung – einen Vertrag an eine Tochter der Firma McKinsey vergeben habe.

Was Mühleck genau damit meint, zeigen die Ergebnisse einer vom Bundesverteidigungsministerium angestoßenen Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer und Anwälte von Deloitte, die dem Handelsblatt vorliegen. Danach vergab M. zwei Aufträge an die McKinsey-Tochter Orphoz mit einem Volumen von zusammen 5,5 Millionen Euro ohne öffentliche Ausschreibung. Aus Sicht von Deloitte ein Verstoß gegen das Vergaberecht – und damit eine Pflichtverletzung seitens des Geschäftsführers M.

Strafrechtlich relevante Verstöße fanden die externen Prüfer allerdings nicht, weil der BWI durch die illegal vergebenen Verträge kein Vermögensschaden entstand. Doch schon der Verstoß gegen die Vergabegesetze rechtfertigte aus Sicht von Deloitte die Abberufung M.s vom Geschäftsführerposten. Ein wichtiger Grund für eine Abberufung könne außerdem „generell in einem zerrütteten Verhältnis gegenüber dem Aufsichtsrat bestehen“, heißt es im Gutachten.

Im Aufsichtsrat hatte M. zu diesem Zeitpunkt keine Freunde mehr. Zu häufig hatte er die Dinge am Kontrollgremium vorbei direkt mit der damaligen Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Katrin Suder, geregelt, die ihn geholt hatte und mit der er sich duzt.

Die Orphoz-Verträge mögen die Aufträge sein, mit denen der BWI-Chef sich am angreifbarsten machte, doch es gibt weitere Fälle, in denen M. sein Kontrollgremium nicht rechtzeitig über Vertragsabschlüsse informierte, obwohl dies nach Einschätzung von Deloitte „zwingend geboten“ gewesen wäre. Der Ausschusszeuge Mühleck sprach von einem „großen Vertrauensverlust“, der zur Trennung von M. beigetragen habe.

Seeger schlug M. vor

Am Ende trennen sich M. und die BWI ohne Klage, aber nach Informationen des Handelsblatts auch ohne Abfindung. Die Zeit seiner Freistellung hat M. gut genutzt: Er kommt bei der Deutschen Bank unter. Die Vorwürfe aus seinem alten Job waren im Prinzip bekannt, als er bei der Bank anheuerte. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte bereits vor einem Jahr über die ungünstige Einschätzung des Deloitte-Gutachtens berichtet.

Für die Deutsche Bank steht dagegen M.s fachliche Eignung im Vordergrund. „Herr M. verfügt über die notwendigen Fähigkeiten für seine Rolle. Wir schätzen sein Expertenwissen in der Informationstechnik“, teilte das Institut auf Anfrage mit. Seine Einstellung habe man seinerzeit gründlich geprüft.

„Aufgrund der vorliegenden, öffentlich zugänglichen Informationen gab es keinen Grund, Herrn M. nicht einzustellen“, sagte ein Sprecher. M. selbst ließ Anfragen des Handelsblatts unbeantwortet.

M. ist kein Unbekannter bei der Deutschen Bank. Er arbeitete schon einmal sieben Jahre bis 2005 als CIO der Privatkundensparte.

Der IT-Experte hatte außerdem eine wichtige Fürsprecherin. Für den Posten, den die Bank nach eigenen Angaben im Zuge der Postbank-Integration neu besetzt hat, hat ihn seine direkte Vorgesetzte Seeger vorgeschlagen, wie es in Finanzkreisen heißt. Seeger hat M. aber wohl nicht so freihändig angestellt, wie dieser die McKinsey-Tochter Orphoz: „Seine Einstellung erfolgte entlang aller dafür vorgesehenen Verfahren und Vorschriften“, stellte die Bank klar.

Dennoch sehen einige seinen Neustart in der Bank kritisch. Nicht zuletzt, weil sich nicht abschätzen lässt, wie sehr der Manager durch den Untersuchungsausschuss noch ins Gerede kommen könnte. Dieser Ausschuss hat sich bei den Zeugenbefragungen zum Teil recht ausführlich mit M.s Gebaren als BWI-Geschäftsführer befasst.

Doch zumindest eine Gefahr erscheint relativ gering: dass M. unter Seeger ein vergleichbares Eigenleben entwickelt wie bei der BWI. Dafür dürfte schon seine neue Chefin sorgen: „Nana Seeger ist eine ganz toughe Person, die führt ihn, das können Sie mir glauben“, sagt einer, der die Managerin gut kennt.

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