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07.11.2019

06:05

PwC-Studie

Deutsche Kreditinstitute hängen bei der Automatisierung zurück

Von: Yasmin Osman

Das Kreditgeschäft bei Banken ist noch kaum industrialisiert. Das können sich die Institute angesichts des Kostendrucks nicht auf Dauer leisten, meint PwC.

Die Befragung unter 41 der Top 150 Banken im deutschsprachigen Raum zeigt: Die Unterschiede zwischen einzelnen Banken sind dabei enorm. imago images / Jochen Tack

Frankfurt am Main

Die Befragung unter 41 der Top 150 Banken im deutschsprachigen Raum zeigt: Die Unterschiede zwischen einzelnen Banken sind dabei enorm.

Frankfurt Die niedrigen Zinsen zwingen Banken zu mehr Effizienz im Kreditgeschäft. Doch einer Studie der Unternehmensberatung PwC zufolge nutzen die Kreditinstitute ihre Möglichkeiten bislang nur in geringem Maße. Der Industrialisierungsgrad im Kreditgeschäft liegt der Erhebung zufolge im Durchschnitt bei 40 Prozent, zeigt die Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Angesichts des herrschenden Kostendrucks können sich die Institute solche Ineffizienzen nicht länger leisten. „Die absoluten Margen sind durch das Zinsumfeld und den Wettbewerb mittlerweile so deutlich gesunken, dass ein halber Prozentpunkt bei den Prozesskosten den Unterschied machen kann“, sagt Studienautor Tomas Rederer, Partner Digital Operations im Bereich Financial Services bei PwC.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Banken sind dabei enorm, wie die Befragung unter 41 der Top 150 Banken im deutschsprachigen Raum zeigt. Bei Privatkundenkrediten kam das beste Institut auf einen Industrialisierungsgrad von 87 Prozent, viele andere Institute haben der Studie zufolge nur Werte zwischen zehn und 30 Prozent erreicht. „Das bedeutet für einige Institute, dass sie in den nächsten Jahren hohe Summen investieren oder einen strukturellen Wettbewerbsnachteil hinnehmen müssen“, sagt Rederer.

Um den Industrialisierungsgrad zu messen, hat PwC etwa 80 Hebel identifiziert, die im Kreditgeschäft für mehr Effizienz sorgen können. Nutzt ein Institut all diese Stellschrauben, dann liegt der Industrialisierungsgrad nach der PwC-Definition bei 100 Prozent. Da es nicht sinnvoll sein muss, all diese Hebel zu nutzen, liegt der Zielkorridor aber nur zwischen 60 und 90 Prozent. Je maschineller ein Kreditprozess abläuft, desto günstiger ist das für ein Kreditinstitut.

In den einzelnen Geschäftsfeldern gibt es große Unterschiede. Während der Industrialisierungsgrad im Privatkundengeschäft im Durchschnitt 48 Prozent erreicht, sind es bei Firmenkunden erst 31 Prozent. Für ratsam hält PwC bei Privatkunden Werte zwischen 70 bis 90 Prozent, bei Firmenkunden Werte von 60 bis 80 Prozent.

Viele Möglichkeiten

Dass das Geschäft mit Firmenkunden sich der Automatisierung und Standardisierung bislang am stärksten entzogen hat, überrascht Rederer nicht. „Bei Firmenkrediten hält man noch sehr den Manufakturgedanken hoch“, so Rederer. „Das Firmenkundengeschäft ist bei vielen Häusern die letzte nicht-automatisierte Bastion im Bankgeschäft.“

Bis zu einem gewissen Grad ist das normal. Unternehmenskredite ließen sich nicht im gleichen Ausmaß standardisieren und automatisieren wie Darlehen an Privatkunden, räumt Rederer ein. „Doch es ist mehr möglich, als man in den Banken gern glauben will“, sagt der Berater. Bei einem Projekt in der Schweiz etwa wurde unter anderem auch das Firmenkundengeschäft auf eine Plattform gehoben, bei der am Ende der Computer die Kreditentscheidung trifft.

Im internationalen Vergleich steht Deutschland nach Einschätzung Rederers nicht gut da. „Wir liegen deutlich hinter den angloamerikanischen Instituten, und auch spanische Banken sind bei der Automatisierung ihrer Prozesse sehr viel weiter“, sagt Rederer.

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