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29.10.2019

18:16

Quartalszahlen

Auf diese vier Punkte sollten Deutsche-Bank-Aktionäre achten

Von: Yasmin Osman

Die Deutsche Bank legt am Mittwoch Zahlen vor. Anleger dürften vor allem auf die Fortschritte bei der Umsetzung der neuen Strategie achten.

Der CEO baut das Geldhaus massiv um. Bloomberg

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Der CEO baut das Geldhaus massiv um.

Frankfurt Mit großen Ertrags- oder Gewinnsprüngen im dritten Quartal sollten Investoren bei der Deutschen Bank wohl eher nicht rechnen. Das größte deutsche Kreditinstitut befindet sich mitten im Umbau.

Der Abbau von Derivaten und von Geschäften, an denen die Bank das Interesse verloren hat, wird wohl noch viel Geld kosten. Die Bank hat angekündigt, dass alleine in diesem Jahr Restrukturierungs- und Abfindungskosten in Höhe von 5,1 Milliarden Euro anfallen werden.

Die jüngste Geschäftsentwicklung gibt den Investoren aber nun Einblick darüber, wie sich die Deutsche Bank seit Ankündigung der neuen Strategie operativ geschlagen hat. Erstmals berichtet die Bank in ihrer neuen Segmentstruktur, die im Juli nach Ankündigung der neuen Strategie beschlossen wurde.

Für Anleger hat das einen Vorteil: In der Vergangenheit begründete die Bank Ertragsrückgänge zum Teil damit, dass sie bestimmte Aktivitäten in den Geschäftsfeldern aufgegeben habe. Sie legte aber nie offen, wie sich die fortgeführten Geschäfte entwickelt haben.

Das ist nun anders. Alles Ungewollte wurde in die Abbaubank, die Capital Release Unit (CRU), geschoben. Für die Kerngeschäftsbereiche gibt es also keine Ausreden mehr, wenn sich die Kennzahlen in die falsche Richtung bewegen.

Analystenschätzungen gibt es dieses Mal aber noch nicht: Die Bank hatte erst vor einer Woche die Zahlen aus vergangenen Quartalen vorgelegt, die bereits die neue Struktur abbilden. Die Zeit bis zu den Quartalszahlen war den meisten Analysten zu kurz, um auf dieser Basis noch Quartalsschätzungen abzuliefern.

Auf diese fünf Punkte sollten Investoren bei Vorlage der Quartalszahlen achten.

1) Wie entwickeln sich die Kerngeschäftsfelder?

Die Deutsche Bank konzentriert sich künftig auf vier Säulen: die Unternehmerbank, in der das Firmenkunden- und Transaktionsbank-Geschäft gebündelt ist, das Privatkundengeschäft, das Asset Management, das im Wesentlichen aus der Vermögensverwaltungstochter DWS besteht, und das Investmentbanking.

Im ersten Halbjahr haben diese Kernsparten allerdings nur sehr durchwachsene Ergebnisse abgeliefert. Nur das Firmenkundengeschäft konnte seine Erträge im ersten Halbjahr nennenswert steigern. Das Vermögensverwaltungsgeschäft entwickelte sich immerhin stabil.

Spannend dürfte vor allem ein Blick auf die Privatkundensparte sein. Dort hat erst im August der neue Deutschlandchef Manfred Knof das Ruder übernommen. Wichtige Fragen, wie es im deutschen Privatkundengeschäft weitergeht, sind noch unbeantwortet.

Das gilt etwa für die Frage, ob die Bank die Sparte, die bislang in einer Aktiengesellschaft mit eigener Bank-Lizenz geführt wurde, wieder in den Konzern integriert. Die Geschäftsentwicklung dürfte einen Eindruck darüber geben, wie groß der Reformbedarf der Sparte eigentlich ist.

Bei allen vier Geschäftsbereichen lohnt sich außerdem ein Blick darauf, welche Rendite sie abwerfen und welche Ziele die Bank für diese Sparten jeweils genannt hat.

2) Welche Fortschritte macht die Bank bei Umsetzung der Strategie?

Fast noch wichtiger als die Geschäftszahlen dürfte für die Anleger sein, welche Fortschritte die Bank bei der Umsetzung ihrer Strategie macht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Abbaueinheit Capital Release Unit (CRU), in die die Bank unerwünschte Aktivitäten geschoben hat.

Vom Erfolg dieser Sparte hängt ab, wie viel Geld der Umbau das Institut kostet und wie stark diese Maßnahmen die Eigenkapitaldecke des Instituts angreifen. In die CRU hat die Bank Vermögenswerte im Umfang von 380 Milliarden Euro ausgelagert.

In den ersten sechs Monaten des Jahres liefen in der Sparte Vorsteuerverluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro auf.

Noch viele offene Fragen gibt es zum Stellenabbau der Bank. Das Institut hat unter anderem angekündigt, in den nächsten Jahren 18.000 Stellen zu streichen. Klar ist, dass viele dieser Jobs auch in Deutschland wegfallen sollen.

Bislang gibt es aber kaum Details dazu, wie sich der Abbau über den Konzern verteilen soll – und wie realistisch die Ankündigung dazu ist.

3) Welchen Ausblick gibt die Bank?

Kaum waren die neue Strategie verkündet und die damit verbundenen Ziele gesetzt, da dämpfte Finanzvorstand James von Moltke auf einer Investorenkonferenz in New York die Erwartungen bereits wieder. Die Bank hatte im Juli bis zum Jahr 2022 einen Ertrag von rund 25 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Im September köchelte von Moltke diese Zielmarke auf einen Ertrag von 24 bis 25 Milliarden Euro herunter. Er begründete das mit den anhaltend niedrigen Zinsen sowie der abflauenden Konjunktur in vielen Ländern, in denen die Bank aktiv ist. „Wir denken, das bleibt erreichbar, aber wir bekommen offensichtlich Gegenwind durch die niedrigen Zinsen“, sagte er damals.

Daher lohnt es sich, die Quartalsberichterstattung daraufhin abzuklopfen, ob die Erwartungen noch weiter heruntergedimmt werden. Und ob es Anzeichen daraufhin gibt, dass die Bank versucht durch einen noch schärferen Sparkurs gegenzusteuern.

4) Wie entwickelt sich die Kernkapitalquote der Bank?

Der Umbau der Bank kostet. Deshalb hat das Institut auch mit der neuen Strategie die Latte der für sie akzeptablen harten Kernkapitalquote ein wenig tiefer gehängt. Im Zuge der Umstrukturierung könnte diese Kennziffer auf bis zu 12,5 Prozent absinken. Vor der neuen Strategie peilte das Institut einen Wert von mehr als 13 Prozent an.

Damit ist der Umbau des Instituts ein klein wenig auf Kante genäht, allerdings mit Zustimmung der Bankenaufseher. Dennoch: wenn die Bank ihren Umbau ohne Kapitalerhöhung durchziehen will, sollte sich die Kernkapitalquote nicht zu schnell auf diese Untergrenze zubewegen.

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