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27.07.2017

19:12 Uhr

Quartalszahlen

Katerstimmung bei Deutsche-Bank-Aktionären

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 2017 mehr verdient als von Analysten erwartet. Doch Bankchef Cryan zeigt sich unzufrieden. Die Aktionäre auch. Mit einem Minus von 6,5 Prozent war die Aktie Schlusslicht im Dax.

Enttäuschende Zahlen

Ist die Deutsche Bank auf dem falschen Kurs?

Enttäuschende Zahlen: Ist die Deutsche Bank auf dem falschen Kurs?

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Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank hat im Tagesgeschäft trotz Rückgängen im wichtigen Anleihe- und Devisenhandel kräftig zugelegt. Wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, stieg das Vorsteuerergebnis im zweiten Quartal im Jahresvergleich von 408 auf 822 Millionen Euro. Dabei half auch der laufende Sparkurs. Unter dem Strich standen nun 466 Millionen Gewinn nach Steuern zu Buche, deutlich mehr als die 20 Millionen Euro des zweiten Quartals 2016.

Damit übertraf die Bank die Erwartungen der Analysten deutlich. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Vorsteuerergebnis von knapp 550 Millionen gerechnet und einem Gewinn nach Steuern von 273 Millionen. Bis vor wenigen Wochen lagen die Prognosen der Branchenexperten allerdings um einiges höher, bevor die Bank selbst die Erwartungen gedämpft hatte.

Auf dem Parkett herrschte nach Bekanntgabe der Zahlen Ernüchterung: Bereits in den ersten Minuten nach Handelseröffnung gaben die Papiere des Instituts deutlich nach und notierten rund 3,2 Prozent tiefer bei 16 Euro je Aktie. Noch schwächer schlug sich zunächst nur die Deutsche Börse. Bis zum Börsenschluss weiteten sich die Verluste der Deutschen Bank aber noch deutlich aus: Sie schloss mit einem Minus von 6,5 Prozent.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Christian Sewing ersetzte den Briten John Cryan Anfang April 2018 an der Spitze der Deutschen Bank. Auch die Vorstandsreihe hinter dem neuen Vorstandsvorsitzenden wurde radikal umgebaut.

Christian Sewing

Sewing, bisher Leiter des Privatkundengeschäfts, beerbte den Briten Cryan an der Spitze des Instituts. Kein anderer Vorstand kennt die Bank so gut wie der 47-Jährige: Von seinen 29 Jahren Berufserfahrung stand er 27 Jahre lang im Dienste der Deutschen Bank.

Garth Ritchie

Zum neuen Stellvertreter des Vorstandschefs wird wohl Garth Ritchie befördert. Gleichzeitig wird der Südafrikaner alleinverantwortlich für den Bereich Investmentbanking. Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 1996 für die Bank.

Karl von Rohr

Der Arbeits- und Rechtsvorstand rückte mit zusammen Sewing als dessen Vize nach oben. Der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist seit 1998 bei der Deutschen Bank beschäftigt.

Frank Strauß

Zu den Gewinnern des Revirements im Vorstand der Deutschen Bank gehört auch Frank Strauß, der durch die Beförderung Sewings alleiniger Chef der Privatkundensparte der Bank würde. Der Bankkaufmann und ehemalige Eishockeyspieler bleibt gleichzeitig Vorsitzender der Postbank, die seit 2015 eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ist.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet. 1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Das dürfte vor allem an der Art liegen, wie der Gewinn der Deutschen Bank zustande gekommen ist: Vor allem sinkende Kosten und eine ungewöhnlich geringe Risikovorsorge hatten das Ergebnis gestützt. Die Gesamterträge schrumpften dagegen, auch in dem für die Bank so wichtigen Investmentbanking. Analysten hatten gehofft, die Bank würde nach ihrer Kapitalerhöhung nun auch wieder Marktanteile gewinnen. Doch das geschieht bislang bestenfalls punktuell.

Auch Vorstandschef John Cryan zeigte sich mit den Zahlen nicht zufrieden. „Die Ergebnisse des zweiten Quartals geben einen guten Überblick darüber, wo wir derzeit stehen. Unser Gewinn ist deutlich höher als im Vorjahr. Wir kommen gut dabei voran, die Kosten zu senken, und gewinnen weiterhin neue Kundengelder hinzu”, sagte der Brite. Gleichzeitig gab Cryan zu Bedenken: „Trotz der deutlichen Verbesserung bleibt dieser Gewinn hinter unserem langfristigen Anspruch zurück. Bei den Erträgen sind wir noch nicht überall dort, wo wir sein wollen.“

Und tatsächlich: Im ersten Quartal des Jahres konnte die Bank noch ein besseres Ergebnis vorweisen. Vor Steuern stand im April ein Überschuss von 878 Millionen Euro, nach Steuern lag der Gewinn bei 575 Millionen Euro.

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Analysten hatten im Vorfeld gedämpfte Erwartungen geäußert. Dafür sorgte der stellvertretende Vorstandschef Marcus Schenck höchstpersönlich. „Das war kein Quartal, in dem es gebrummt hat“, hatte der Manager erst kürzlich zum Abschneiden der Bank im Frühjahrsquartal gesagt.

Der Anschluss an die Konkurrenz aus Übersee lässt damit weiter auf sich warten. Bei den US-Banken läuft die Geldmaschine wieder, die Ergebnisse im zweiten Quartal waren erfreulich.

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