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30.10.2019

18:47

Quartalszahlen

Zu wenige Lichtblicke bei der Deutschen Bank – Institut prüft Negativzinsen

Von: Yasmin Osman

Selbst im Kerngeschäft kämpft die Deutsche Bank um Erträge. Sie muss wegen der niedrigen Zinsen stärker gegensteuern – auch mit Negativzinsen für die Kunden.

„Natürlich ist dieses Quartalsergebnis nur ein erster Zwischenstand. Aber es macht Mut.“ Bloomberg

Christian Sewing

„Natürlich ist dieses Quartalsergebnis nur ein erster Zwischenstand. Aber es macht Mut.“

Frankfurt Drei Monate nach Beginn ihres umfassenden Umbaus hat die Deutsche Bank erstmals offengelegt, wie sich die neue Strategie von Vorstandschef Christian Sewing in der Praxis auswirkt. Dass das größte deutsche Kreditinstitut auch im dritten Quartal erneut tief in die roten Zahlen rutschte, dürfte angesichts der andauernden Umbauarbeiten niemanden überrascht haben.

Unter dem Strich schrieb die Bank 942 Millionen Euro Verlust nach Steuern. Frühestens im Jahr 2020 hofft das Institut wieder auf ein ausgeglichenes Ergebnis oder sogar einen leichten Gewinn.

Doch wie herausfordernd dieses Ziel ist, zeigen die Details aus den Zahlen: Die Niedrig- und Negativzinsen bereiten der Privatkundensparte wachsende Probleme: Die Erträge schrumpften um drei Prozent – im Heimatmarkt fiel der Rückgang mit fünf Prozent sogar noch pointierter aus.

Im Geschäft mit Unternehmenskunden leiden die Erlöse unter den höheren Kosten für faule Kredite, Tendenz steigend. Und im Investmentbanking bremsten unter anderem die niedrige Volatilität am Devisenmarkt sowie Turbulenzen in den Schwellenländern das Handelsgeschäft aus.

In ihren Kernbereichen – dem Unternehmenskundengeschäft, dem Privatkundengeschäft, dem Investmentbanking und der Vermögensverwaltung – ist die Deutsche Bank im dritten Quartal zwar trotz einiger Belastungen aus dem Umbau in den schwarzen Zahlen geblieben. Doch auch die Kernbank litt unter sinkenden Erträgen und sinkenden Gewinnen, selbst wenn man Sondereffekte und Umbaukosten herausfiltert.

Vor Steuern verdiente die Kernbank gerade einmal 353 Millionen Euro. Die Extralasten durch den Umbau beziffert die Bank mit 315 Millionen Euro. Doch an das Vorjahresniveau von 819 Millionen Euro reichte das immer noch nicht heran.

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Auch der Milliardenverlust der Abbausparte fiel für einige Analysten größer als erwartet aus. Mit Argusaugen beobachten Analysten daher, ob und in welchem Ausmaß die Bank ihre Ertragsziele für das Jahr 2022 relativiert.

„Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben unsere Ertragsbestrebungen sowie die Ziele für die Eigenkapitalrendite nach Steuern für das Jahr 2022 unverändert“, schreibt das Institut in seinem Quartalsbericht.

Bank ergreift Gegenmaßnahmen

Aus der Einschränkung „zum jetzigen Zeitpunkt“ schlussfolgern die Analysten von Barclays, dass der Druck auf die Gesamterträge groß sein muss. Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg werden noch deutlicher: „Die Wachstumspläne scheinen uns vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Weltkonjunktur und anderer geopolitischer Risiken zu ambitioniert“, schreiben sie in einer Analyse.

Kampflos will der Vorstand der Bank aber nicht aufgeben. Im Quartalsbericht ist von „einer Reihe flankierender Maßnahmen wie Preisanpassungen für Einlagen, der Einführung von Kontoführungsgebühren und dem Einsatz überschüssiger Liquidität“ die Rede, um den negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.

Die Bank prüft die Einführung von Negativzinsen für Firmenkunden und für reiche Privatkunden. Man habe den Einlagenbestand daraufhin untersucht, wo man Negativzinsen einführen könne, sagte Finanzvorstand James von Moltke vor Analysten.

Das Resultat: Etwa ein Fünftel der Einlagen im Privatkundengeschäft erscheinen dem Manager prinzipiell geeignet für so einen Schritt. Davon dürften vor allem einige sehr reiche Privatkunden betroffen sein.

In der Breite des Privatkundengeschäfts hält die Bank Minuszinsen für juristisch schwer durchsetzbar. „Wir sehen die Möglichkeit, individuell Kunden anzusprechen, die sehr große Einlagen haben“, erläuterte von Moltke. Ihm schwebt vor, für diese Klientel ein System mit Freibeträgen einzuführen, wie das bereits bei Firmenkunden angewandt wird.

Dass solche Pläne dazu führen könnten, dass Kunden Einlagen von der Bank abziehen, nimmt der Finanzchef in Kauf. Doch mit einer breiten Fluchtbewegung rechnet er nicht.

„Wir sehen eine Änderung der Wahrnehmung, gerade in Deutschland. Das Marktumfeld akzeptiert, dass Banken ihre Kunden nicht länger gegen die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank abschirmen können“, so von Moltke. Er geht davon aus, dass neben der Deutschen Bank auch andere Kreditinstitute zu solchen Mitteln greifen werden.

Höhere Gebühren und Negativzinsen für Privat- und Firmenkunden sind nicht der einzige Hebel, an dem die Bank schraubt, um ihre Ziele zu retten. Auch im Anleihehandel hat das Institut Finanzkreisen zufolge nachjustiert.

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Dass die Erträge der Investmentbank ausgerechnet in der Paradedisziplin Anleihe- und Devisenhandel um 13 Prozent gesunken sind, hat viele Finanzprofis überrascht, weil viele Wettbewerber in diesen Segmenten über Zuwächse berichtet hatten. „Wir haben da restrukturiert, und seit September läuft es nun im Anleihehandel besser“, sagte ein hochrangiger Manager dem Handelsblatt.

Nach innen gibt sich die Bank betont kämpferisch. „Natürlich ist dieses Quartalsergebnis nur ein erster Zwischenstand. Aber es macht Mut“, schrieb Vorstandschef Sewing an die Mitarbeiter. „Trotz einer schwierigen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Großwetterlage haben wir unsere Position in wichtigen Geschäftsfeldern gefestigt.“

Misstrauensvotum am Aktienmarkt

Doch diese Interpretation ist für den Geschmack vieler Investoren und Analysten zu optimistisch. Der Aktienkurs der Deutschen Bank rutschte um mehr als sieben Prozent ins Minus und bildete damit das Schlusslicht im deutschen Leitindex Dax.

Europäische Bankaktien standen am Mittwoch zwar generell unter Druck, doch die Kursverluste der Deutsche-Bank-Aktien fielen überdurchschnittlich hoch aus.

Vor allem die Kritik an der Privatkundensparte war einhellig. Der Bereich habe „wesentlich enttäuscht mit niedrigeren Erträgen und höheren Kosten“, schreibt der JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein.

Die Sparte leidet vor allem unter den niedrigen Zinsen. Im Vorjahr hatten Extraerträge aus dem Verkauf von Immobilien dieses Problem noch besser kaschiert. Mit dem Kostenabbau kommt das Institut in der Privatkundensparte ebenfalls nur im Schneckentempo voran. Die Bank begründet das allerdings auch mit höheren Investitionen in Geschäftsfeldern wie dem Wealthmanagement.

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Zunehmend unter Druck gerät auch die Fondstochter DWS. Mit Milliardenabflüssen hat der Vermögensverwalter zwar nicht mehr zu kämpfen, im Gegenteil: Im dritten Quartal flossen der DWS unter dem Strich neue Kundengelder in Höhe von 6,2 Milliarden Euro zu.

„Mit fortgesetzten Nettomittelzuflüssen in drei Quartalen in Folge haben wir die Trendwende geschafft“, meint Vorstandschef Asoka Wöhrmann. Doch in den Gewinnzahlen schlug sich das nicht nieder.

Das lag unter anderem daran, dass im Vorjahr ein Sondereffekt das Ergebnis nach oben getrieben hatte. Außerdem geraten die erzielbaren Margen für Managementgebühren zunehmend unter Druck.

Im dritten Quartal erreichte die DWS nur noch eine Marge von 0,29 Prozentpunkten. Wöhrmanns Vorgänger Nicolas Moreau hatte zum Börsengang noch versprochen, die Marge bei mindestens 0,3 Prozentpunkten zu halten.

Stabile Kernkapitalquote

Nach wie vor ist das Asset-Management aber die profitabelste Sparte des Konzerns. Erst an zweiter Stelle folgt die Unternehmerbank, in der das Institut Aktivitäten wie den Zahlungsverkehr, die Handelsfinanzierung und das Firmenkundengeschäft bündelt.

Nach einem kleinen Schwächeanfall im zweiten Quartal stiegen die Erträge zwischen Juli und September in dem Segment wieder. Das Institut will weitere Wachstumsinitiativen, etwa im Firmenkundengeschäft in Asien anstoßen, heißt es in Finanzkreisen.

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Dieses Wachstum dürfte die Sparte noch dringend benötigen, denn allmählich steigt angesichts der lahmenden Konjunktur dort auch die Risikovorsorge, also die Kosten für ausfallende Kredite.

Für Unruhe sorgte am Mittwoch der hohe Verlust der Abbausparte von einer Milliarde Euro. In der Capital Release Unit (CRU) hat die Bank all die Aktivitäten gebündelt, die sie nicht mehr fortführen will, etwa den Aktienhandel.

Die Verluste überdecken die Fortschritte, die die CRU gemacht hat: Das Volumen der Risikoaktiva ist seit Ende 2018 um ein Drittel auf 56 Milliarden Euro gesunken. Risikoaktiva binden Eigenkapital.

Und der Risikoabbau der CRU verbrauchte weniger Eigenkapital als befürchtet. Das lässt sich an der harten Kernkapitalquote der Bank ablesen, die bei 13,4 Prozent lag und damit besser ausfiel, als die meisten Analysten erwartet hatten.

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Kommentare (1)

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Herr Carl Wenninger

31.10.2019, 11:45 Uhr

Wer den Pfennig nicht ehrt ...
Seit Kurzem bietet die Postbank Echtzeitüberweisungen gegen eine Gebühr von 0,50€ an.
Gleichzeitig konnte ich beobachten, dass normale Überweisungen nahezu immer erst am folgenden Bankarbeitstag beim Empfänger eintreffen. Noch vor wenigen Wochen lief das zügiger ab.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt?

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