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28.07.2019

16:55

Refinitiv-Übernahme

Dämpfer für die Expansionspläne von Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer

Von: Yasmin Osman, Kerstin Leitel

Die Londoner Börse LSE schnappt sich den Datenanbieter Refinitiv – und fährt damit Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer in die Parade.

Der Deutsche-Börse-Chef hätte Refinitiv gerne die Devisenhandelssparte abgekauft. dpa

Theodor Weimer

Der Deutsche-Börse-Chef hätte Refinitiv gerne die Devisenhandelssparte abgekauft.

Frankfurt, London Auf drei Säulen ruht die Strategie von Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer: organisches Wachstum, Investitionen in die IT-Systeme – und Übernahmen. Die Kasse der Deutschen Börse ist für solche Unternehmenskäufe gut gefüllt. Doch ausgerechnet der Londoner Rivale, die London Stock Exchange (LSE), hat der Expansionsstrategie des Eschborner Börsenbetreibers gerade einen empfindlichen Dämpfer verpasst.

Am Samstag teilte die LSE mit, dass sie für 27 Milliarden Dollar den Finanzdatenanbieter Refinitiv übernehmen möchte. Den Kauf, der auch die Refinitiv-Schulden einschließe, wolle sie mit neuen LSE-Aktien abwickeln. Ob es zu einem Abschluss komme, sei aber noch ungewiss.

Für die Deutsche Börse war das eine schlechte Nachricht, weil sie bereits seit einigen Monaten mit Refinitiv über die Übernahme der Devisenhandelsplattform FXall verhandelte, die der Refinitiv-Gruppe gehört. Dass die LSE auf FXall verzichten möchte, ist unwahrscheinlich. Noch am Samstag teilte die Deutsche Börse mit, dass sie angesichts der Übernahmeabsichten der LSE nicht mehr von einem „erfolgreichen Abschluss der Gespräche zum möglichen Erwerb“ einzelner Devisenhandelsgeschäftsfelder von Refinitiv ausgehe.

Die Übernahme von FXall hätte gut in die Expansionsstrategie der Deutschen Börse gepasst: Gemessen am Handelsvolumen ist die Refinitiv-Tochter ungefähr doppelt so groß wie die Währungshandelssparte der Deutschen Börse, wie Carlo Kölzer, der das Währungsgeschäft der Deutschen Börse leitet, einmal gesagt hat. Finanzkreisen zufolge wäre die Deutsche Börse bereit gewesen, einen „sehr niedrigen“ einstelligen Milliardenbetrag für die Transaktion auf den Tisch zu legen.

Nun muss sich Vorstandschef Theo Weimer nach anderen lohnenden Übernahmezielen umsehen. „Wir bleiben bei unserer M&A-Strategie, nach Unternehmen zu suchen, die zu uns passen“, sagte ein Sprecher des größten deutschen Börsenbetreibers am Sonntag auf Anfrage. So ärgerlich und überraschend der LSE-Vorstoß für die Deutsche Börse gewesen sein mag, das Unternehmen ist Finanzkreisen zufolge auch mit anderen potenziellen Kaufkandidaten im Gespräch.

Der Devisenhandel ist einer von fünf Bereichen, in denen die Börse Zukaufmöglichkeiten prüft. Die anderen Bereiche sind der Anleihe- und der Rohstoffhandel, das Datengeschäft sowie Fondsservicegeschäfte. Diese Segmente spielen für die Erträge der Deutschen Börse bisher eine untergeordnete Rolle. Eine Expansion auf diesen Feldern würde der Börse aber dabei helfen, weniger abhängig von den Schwankungen an den Aktien- und Derivatemärkten zu werden. Im April hatte die Börse deshalb bereits für 850 Millionen Euro den US-Konzern Axioma gekauft, der für Profi-Investoren Softwarelösungen für das Portfolio- und Risikomanagement anbietet. Damit stärkte die Börse ihr Indexgeschäft.

Stabiles Geschäft

Letztlich verfolgen die LSE und die Deutsche Börse ähnliche Ziele: Nachdem die 2017 gescheiterte Fusion des Londoner und des Eschborner Börsenbetreibers einmal mehr gezeigt hatte, dass Zusammenschlüsse von großen nationalen Handelsplätzen schnell zum Politikum werden können, expandieren sie lieber in „unverfänglicheren“ Geschäftsfeldern.

Wachstum ist dabei aber auf jeden Fall wichtig: Skalierbarkeit ist ein entscheidender Faktor für das Geschäftsmodell von Börsen. Die Fixkosten für den Betrieb der Handelssysteme sind hoch. Das heißt, je mehr Geschäft über diese Systeme abgewickelt wird, desto mehr Gewinn bleibt am Ende für das Unternehmen übrig.

Nun stärkt aber aller Voraussicht nach erst einmal die LSE ihre Position als Informationsdienstleister und sichert sich ihrerseits ein Geschäft, das konstantere Einnahmen als das Handelsgeschäft verspricht.

Zu den Gewinnern des potenziellen Deals dürfen sich aber auch die aktuellen Eigentümer des Datendienstleisters zählen: Refinitiv ist die Finanzmarktsparte, die der Medienkonzern Thomson Reuters 2018 in einem Milliardendeal größtenteils an den Finanzinvestor Blackstone verkauft hatte. Thomson Reuters hält aber noch 45 Prozent. Als am Freitag erste Gerüchte über den Deal durchsickerten, stieg die Aktie des Medienkonzerns auf ein Rekordhoch.

Mehr: Beim Wachstum aus eigener Kraft stößt Deutschlands größter Börsenbetreiber an seine Grenzen. Konzernchef Theodor Weimer setzt daher auf Zukäufe.

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