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11.07.2019

18:31

Regulierung

Das steckt hinter „Basel IV“

Von: Frank Wiebe

Europäer und Amerikaner ärgwöhnen gerne damit, welche Seite sich bei der Bankenregulierung Vorteile verschafft. Mit „Basel IV“ kommt nun die nächste Stufe.

Die Regulierung der Finanzwirtschaft wird durch „Basel IV“ wieder einmal novelliert. dpa

Bankenviertel in Frankfurt

Die Regulierung der Finanzwirtschaft wird durch „Basel IV“ wieder einmal novelliert.

FrankfurtBasel ist eine hübsche Stadt am Rhein. Für die Finanzbranche weltweit ist der Name aber vor allem ein Schlagwort, das sie mit einer Menge an Mühe und Arbeit verbindet. In Basel treffen sich regelmäßig internationale Aufseher und Notenbanker und versuchen, sich auf gemeinsame Standards zu einigen, um einen möglichst fairen globalen Wettbewerb sicherzustellen. Dabei geht es zum Beispiel um Mindeststandards bei der Ausstattung mit Kapital und Liquidität – also lang- und kurzfristig verfügbarem Geld.

Die dort beschlossenen Maßnahmen müssen dann in den einzelnen Ländern und Regionen noch umgesetzt werden. Dieser Prozess kann Jahre dauern und ist oft von gegenseitigem Misstrauen begleitet. Vor allem argwöhnen Europäer und Amerikaner gern, die jeweils andere Seite nehme es nicht so genau, um der eigenen Branche Vorteile zu verschaffen. Angefangen hat die Zählung mit Basel I, einer Richtlinie zur Kapitalausstattung der Banken in den wichtigsten Industrienationen (G10) aus dem Jahr 1988.

Das neueste Paket „Basel IV“ ist das jüngste Produkt dieser Verhandlungen in der Schweizer Grenzstadt. Dabei hat sich der Basler Ausschuss unter anderem mit der Ausgestaltung von Risikomodellen beschäftigt. Die Banken gewichten ja ihre Vermögensgegenstände nach Risiko – Staatsanleihen zum Beispiel mit null.

Je geringer diese Gewichte, desto weniger Kapital brauchen sie. Dabei gibt es extern vorgegebene Standardmodelle und interne, von den Banken selbst entwickelte Kalkulationen. Basel IV sagt, grob gesprochen, dass die internen Modell nicht zu weit von den Standards abweichen dürfen: Die Banken sollen sich nicht schönrechnen. Bestimmte Mindestvorgaben für einzelne Parameter der Berechnung kommen verschärfend hinzu.

Die Amerikaner legen besonderen Wert darauf, dass kleine Banken von allzu komplizierten Auflagen verschont werden. Diese Kleinbanken sind vor allem in ländlichen Gebieten gut vertreten und haben eine schlagkräftige politische Lobby. Was in Europa häufig übersehen wird: Es handelt sich um Tausende oft winziger Firmen, weit unterhalb der Größenordnung einer deutschen Sparkasse. In Deutschland sind solche Mini-Geldhäuser selten geworden.

Zudem verkaufen die US-Kleinbanken Kreditrisiken häufig weiter an den Kapitalmarkt. Das relativiert den manchmal gehörten Vorwurf, die USA seien hier zu großzügig.

Richtig ist, dass die USA alle Basel-Konzepte sehr freizügig so umsetzen, wie sie das für richtig halten. Dabei werden US-Banken aber häufig auch strenger überwacht als europäische Konkurrenten. Das gilt vor allem für die sogenannten Stresstests, bei denen bestimmte Krisenszenarien und deren Auswirkungen auf Kapital und Liquidität der Banken durchgerechnet werden.

Die USA machen hierzu relativ rigorose Vorgaben – die Behörden testen im Wesentlichen die Banken. In Europa testen dagegen die Banken sich selbst, und die Aufseher überwachen das. Die Europäische Zentralbank, die für die großen Finanzkonzerne zuständig ist, begründet das mit den unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern. Aus Sicht der Amerikaner ist diese Art von Test aber nicht wirklich ernst zu nehmen.

Die Amerikaner legen auch mehr Wert als die Europäer darauf, dass die Banken bestimmte Mindestquoten an Eigenkapital bereithalten müssen, ohne dabei wegen angeblich geringer Risiken bei Teilen des Vermögens Abstriche zu machen. Diese ungeschminkte Eigenkapitalquote oder „Leverage Ratio“ ist in Europa, wo mehr Geschäft über die Bilanzen und weniger über den Kapitalmarkt läuft, dagegen unbeliebt.

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