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19.06.2019

18:00

Schnelle Überweisungen

Swift will globale Zahlungen innerhalb von fünf Minuten durchsetzen

Von: Elisabeth Atzler, Andreas Kröner

Der Zahlungsdienstleister Swift will, dass bis 2020 alle Zahlungen binnen weniger Minuten ablaufen. Langfristig sind sogar Sekunden-Zeiträume geplant.

Über das genossenschaftlich organisierte Netzwerk schicken Banken Zahlungsaufträge innerhalb weniger Sekunden an andere Institute. Reuters

Swift-Logo mit Dollar-Scheinen

Über das genossenschaftlich organisierte Netzwerk schicken Banken Zahlungsaufträge innerhalb weniger Sekunden an andere Institute.

FrankfurtIm Zeitalter der Digitalisierung erwarten Firmen und Privatpersonen schnelle Entscheidungen und Prozesse. Innerhalb der Euro-Zone lässt sich Geld seit anderthalb Jahren in wenigen Sekunden überweisen. Doch Zahlungen in andere Währungsräume dauern zum Teil noch Tage. Gottfried Leibbrandt, der Chef des globalen Zahlungsdienstleisters Swift, will das ändern.

„Unser Ziel ist es, dass 2020 die meisten Zahlungen innerhalb von fünf Minuten getätigt werden“, sagte Leibbrandt dem Handelsblatt. Langfristig sollten „alle Zahlungen sofort verbucht werden, also innerhalb von zehn Sekunden“. An Swift sind über 11.000 Banken aus mehr als 200 Ländern angeschlossen.

Über das genossenschaftlich organisierte Netzwerk schicken Banken Zahlungsaufträge innerhalb weniger Sekunden an andere Institute. Doch bis das Geld tatsächlich transferiert wird, kann es dauern. Swift hat deshalb 2016 die „Global Payments Initiative“ (GPI) gestartet. Dabei verpflichten sich Finanzinstitute, Zahlungen schnell zu verarbeiten und relevante Informationen über Transaktionen rasch bereitzustellen.

Aktuell läuft etwa die Hälfte aller Swift-Zahlungen über GPI. Bis November 2020 sollten alle Banken auf den Standard umgestiegen sein, fordert Leibbrandt. Das sei zu schaffen. „Aber klar ist auch: Viele müssen dafür ihre IT-Systeme aufrüsten. Das ist eine große Herausforderung, besonders für kleinere Banken.“

2016 sorgte Swift für Schlagzeilen, als Kriminelle die Notenbank von Bangladesch attackierten und mithilfe gefälschter Nachrichten über das Netzwerk 81 Millionen Dollar erbeuteten. Swift hat die Sicherheitsstandards seitdem erhöht und Mindestanforderungen für Banken eingeführt. Doch wenn die globalen Zahlungen nun beschleunigt werden, „müssen auch die Sicherheitssysteme der Banken besser und vor allem schneller werden“, betont Leibbrandt. „Denn Kriminelle können bei schnelleren Zahlungen erbeutetes Geld naturgemäß auch schneller irgendwo auf der Welt abheben.“

Wenn der Verdacht besteht, dass bei Transaktionen gegen Sanktionen verstoßen oder Geld gewaschen wird, schlagen im Idealfall die automatisierten Prüfsysteme der Banken Alarm. Experten prüfen die Fälle dann eingehend. „Aktuell ist es jedoch so, dass es sich bei einem Großteil der gemeldeten Transaktionen um Fehlalarm handelt“, berichtet Leibbrandt.

Oft liege das daran, dass nicht alle für die Transaktion nötigen Informationen vorlägen. Swift will Banken deshalb künftig auf fehlende Daten aufmerksam machen, bevor sie eine Zahlungsanweisung losschicken. „Wenn es am Ende weniger Fehlalarme gibt, haben die Banken mehr Zeit, sich auf die wirklich zwielichtigen Transaktionen zu konzentrieren“, sagt Leibbrandt, der im Juli von seinem Kollegen Javier Pérez-Tasso als Swift-Chef abgelöst wird.

Zuletzt war Swift in die Kritik geraten, weil es aufgrund der US-Sanktionen den Zugang einiger iranischer Banken zum Netzwerk kappte. Leibbrandt beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Wenn die Zahl der Handelskonflikte und Sanktionen zunimmt, wäre das für alle schlecht, denn dann würden viele globale Geldflüsse nicht mehr stattfinden.“

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