MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2019

17:31

Schweizer Großbank

Aktionäre verpassen UBS-Chefs Weber und Ermotti einen Denkzettel

Von: Michael Maisch

Schlappe fürs Topmanagement: Der UBS-Verwaltungsratspräsident und sein Führungsteam werden nicht entlastet. Grund ist ein Rechtsstreit in Frankreich.

Auf der Hauptversammlung der schweizerischen Großbank stimmen die Aktionäre gegen eine Entlastung der Chefetage. dpa

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber

Auf der Hauptversammlung der schweizerischen Großbank stimmen die Aktionäre gegen eine Entlastung der Chefetage.

FrankfurtSehr viel lauter hätte der Warnschuss für Axel Weber, den Verwaltungsratspräsidenten der UBS und seinen Vorstandschef Sergio Ermotti nicht ausfallen können. Auf der Hauptversammlung des Schweizer Geldhauses in Basel stimmten die Aktionäre am Donnerstag gegen die Entlastung der gesamten Führungsmannschaft rund um den ehemaligen Bundesbank-Präsidenten für das Jahr 2018.

Lediglich 41,67 Prozent der Anteilseigner unterstützten das Management, für eine Entlastung wären mehr als 50 Prozent Zustimmung nötig gewesen. Wie ungewöhnlich dieses Misstrauensvotum ist, zeigen die Werte aus dem Vorjahr, als noch knapp 90 Prozent der Aktionäre für die Entlastung gestimmt hatten. Das Abstimmungsergebnis hat für das Topmanagement des Instituts zwar keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen - aber Signalwirkung.

Der wichtigste Grund für die Entfremdung zwischen Bankführung und Aktionären ist ein französisches Gerichtsurteil aus dem Februar. Die Richter hatten die Bank wegen Steuerhinterziehung zur Zahlung von insgesamt 4,5 Milliarden Euro verurteilt, weil die UBS ihren Kunden geholfen haben soll, deren Vermögen vorbei an den französischen Steuerbehörden in der Schweiz zu verstecken. Die Bank bestreitet die Vorwürfe und hat Berufung eingelegt. Angesichts der drohenden Milliardenstrafe musste die UBS dennoch etwa 450 Millionen Euro für Prozessrisiken in ihrer Bilanz zurückstellen.

Wegen des Urteils hatte der einflussreiche Aktionärsberater ISS ebenso wie der Schweizer Berater Ethos seinen Kunden geraten, die UBS-Führung nicht zu entlasten. Die Experten von Glass Lewis empfahlen den UBS-Eignern, sich in diesem Punkt der Stimme zu enthalten.

Der Hintergrund für die kritische Haltung der Stimmrechtsberater, an deren Empfehlungen sich viele Großinvestoren halten: Wenn Aktionäre dem Management die Entlastung verweigern, können sie damit ihre juristischen Ansprüche wahren, falls sie zu einem späteren Zeitpunkt gegen Verantwortliche der Bank eine Klage einreichen wollen.

Schweizer Großbank: Gewinn der UBS bricht ein – Vermögensverwaltung schwächelt

Schweizer Großbank

Gewinn der UBS bricht ein – Vermögensverwaltung schwächelt

Die Schweizer Großbank hat im ersten Quartal deutlich weniger Geld verdient als im Vorjahr. Für Aktionäre gibt es aber zwei Lichtblicke.

Verwaltungsratspräsident Weber zeigte „Verständnis“ für die Haltung der Aktionäre, die sich offenbar alle rechtlichen Möglichkeiten offenhalten wollten. Der Banker verteidigte aber auch das Vorgehen im Steuerstreit mit Frankreich. Eine außergerichtliche Einigung zu akzeptablen Bedingungen sei nicht möglich gewesen.

Bei dem Streit gehe es zudem um Vorwürfe aus der Vergangenheit, die in die Verantwortung früherer UBS-Manager fielen. „Wir können diesen Fall nicht ändern“, betonte Weber. „Die Risiken aus der Vergangenheit sind für uns Aktionäre bittere Realität“, warnte dagegen Vincent Kaufmann, Direktor der Schweizer Stiftung Ethos, die viele Schweizer Pensionskassen vertritt. Kaufmann fürchtet, dass auf die UBS am Ende tatsächlich milliardenschwere Strafen zukommen.

Für Missmut sorgten auf dem Aktionärstreffen auch die Bonuszahlungen. Zwar stimmten die Eigentümer schließlich mit 79,4 Prozent für den Vergütungsbericht, im Vorjahr hatte die Zustimmung allerdings noch bei 81,35 Prozent gelegen.

Ermotti soll für 2018 eine Gesamtvergütung von 14,1 Millionen Franken erhalten – nach 14,2 Millionen Franken im Jahr davor. Damit wäre er einer der bestverdienenden Manager in Europa, obwohl der Aktienkurs der UBS 2018 rund 30 Prozent an Wert verloren hatte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×