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29.08.2019

20:29

Schweizer Großbank

Starmanager Iqbal Khan wird jüngstes Führungsmitglied bei der UBS

Von: Andreas Kröner, Michael Maisch, Yasmin Osman

Die Schweizer Großbank steckt mitten im Umbruch. Ein neuer Star soll helfen, den Umbau zu bewältigen. Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing verlässt UBS.

2018 erzielte die Vermögensverwaltung der Schweizer Bank noch den höchsten Vorsteuergewinn seit zehn Jahren. mauritius images / Travelstock44 / Alamy

UBS

2018 erzielte die Vermögensverwaltung der Schweizer Bank noch den höchsten Vorsteuergewinn seit zehn Jahren.

Frankfurt In der Führungsetage der Schweizer Großbank UBS gibt man sich keinen Illusionen hin. Von Umbruch ist da die Rede, von Rückschlägen und von Gegenwind. Den anstehenden Umbau soll nun eine jüngere oder doch zumindest frischere Mannschaft bewältigen. Wichtigste Personalie beim großen Stühlerücken in der Konzernleitung: UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber holt den früheren Credit-Suisse-Starmanager Iqbal Khan an Bord.

Der 43-Jährige zieht im Oktober als mit Abstand jüngstes Mitglied in die Führungsetage ein und ist dort mitverantwortlich für das zuletzt schwächelnde Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung. Die Sparte also, die er bei seinem früheren Arbeitgeber deutlich vorangebracht hat.

Noch ist Khan offiziell nicht an Bord, schon gilt der Schweizer mit pakistanischen Wurzeln jedoch als möglicher Nachfolger für Vorstandschef Sergio Ermotti. Allerdings müssten sich bei der UBS neue Manager vor der nächsten Beförderung traditionell erst einmal einige Jahre bewähren, heißt es in Finanzkreisen.

Für Ermotti, den Investoren für eine ganze Reihe von Rückschlägen in den vergangenen Monaten mitverantwortlich machen, sei das eine gute Nachricht, heißt es. Sein Posten sei mit der Berufung von Khan zumindest vorübergehend sicherer geworden.

Die Bewährungszeit auf dem Weg zu höheren Weihen galt auch für den ehemaligen Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen Karriere nun nach drei Jahren bei der UBS zu Ende geht. Dabei war Blessing ebenfalls als potenzieller Nachfolger von Ermotti gehandelt worden. Statt seinen Vertrag bei der Frankfurter Bank zu verlängern, ergriff er damals den deutlich besser dotierten Job in Zürich.

Der 56-jährige Blessing startete zunächst als Chef des Schweiz-Geschäfts. Diesen Job habe er sehr erfolgreich erledigt und die UBS vor allem bei der Digitalisierung deutlich vorangebracht, heißt es in Finanzkreisen. Deshalb sei er anschließend an die Spitze der Vermögensverwaltung befördert worden, der wichtigsten Sparte des Konzerns.

Dort habe die Zusammenarbeit mit Co-Chef Tom Naratil aber nicht immer reibungslos funktioniert. Die Struktur mit einer Doppelspitze sei alles andere als einfach. Dazu seien die widrigen Marktbedingungen gekommen.

Im vergangenen Jahr erzielte die Vermögensverwaltung der Schweizer Bank mit 3,6 Milliarden US-Dollar noch den höchsten Vorsteuergewinn seit zehn Jahren. Doch die Zahlen für das erste Halbjahr 2019 zeigen, dass es ausgerechnet in der Paradedisziplin der UBS nicht mehr rundläuft.

In der Vermögensverwaltung, die für mehr als die Hälfte des Ergebnisses der Bank verantwortlich ist, sank der Vorsteuergewinn in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 886 Millionen Dollar. Unter dem Strich zog die reiche Kundschaft rund zwei Milliarden Dollar ab. Dabei will die Bank das Ergebnis bis 2021 um bis zu 15 Prozent steigern. An diesem Ziel halten Ermotti und Weber fest.

Doch der Wind hat sich gedreht – neben der US-Notenbank Fed dürften auch die Europäische Zentralbank und möglicherweise die Schweizerische Nationalbank ihre Zinsen senken. Das schmälert die Erträge im Zinsgeschäft. Dazu kommen die Angst vor einer empfindlichen Konjunkturabkühlung und die drohenden Handelskriege, die viele Kunden verunsichern. Die Ziele von UBS „scheinen nicht mehr glaubwürdig“, warnten die Analysten der US-Bank Citi nach der Präsentation des Zwischenergebnisses.

Nach Informationen des Handelsblatts sprach Blessing bereits im Juni dieses Jahres mit Vorstandschef Ermotti über seinen jetzt verkündeten Abschied – also bevor sein Nachfolger Khan im Juli überraschend bei der Credit Suisse gekündigt hatte. Blessing habe noch keinen neuen Job und suche nach einer unternehmerischen Herausforderung, heißt es in Finanzkreisen.

Eigentlich passt es nicht zu Blessings Charakter aufzugeben. Unzählige Male galt er in seiner Zeit als Commerzbank-Sanierer als angezählt, nie trafen die Gerüchte zu. Als Blessing die Frankfurter Bank dann doch verließ, tat er es erst, nachdem ihm der Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung angeboten hatte.

Das wirkte so, als hätte er es noch einmal darauf angelegt, klarzustellen, wer hier wem abgesagt hatte. Auch bei der UBS, so sagt es einer, der ihn kennt, sei es Blessing wichtig gewesen, aufrecht und selbstbestimmt zu gehen.

Schwächelnde Kernsparte

Dem Klischee des steifen Schweizer Bankiers hat Blessing nie entsprochen. „Er ist unprätentiös und hat viele Freunde in der Organisation“, heißt es in der Bank. Junge Mitarbeiter habe er ebenso ernst genommen wie die älteren. Das sei aber „vielleicht nicht überall gut angekommen, gerade bei den Etablierten“. Ein Grund für seinen Abgang sei, dass er die Organisation nicht so schnell verändern konnte, wie er es für nötig gehalten habe.

Jetzt soll Neuzugang Khan zusammen mit Naratil den Umbau der UBS-Vermögensverwaltung vollenden. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die Integration der beiden Einheiten des Kerngeschäfts der Bank ist noch immer eine Baustelle. Weber und Ermotti haben sich entschlossen, das ehemalige Wealth Management und die vormalige Einheit Wealth Management Americas, für die Naratil verantwortlich war, zusammenfassen.

Der Umbau soll bis 2021 Synergien von 600 Millionen Dollar bringen. Experten warnen allerdings, dass das schwierig werden könnte, weil sich die Geschäftsmodelle der beiden Divisionen stark unterscheiden.

Die Ernennung von Khan und der Abgang von Blessing waren nicht die einzigen Spitzenpersonalien, die die UBS zu verkünden hatte. Auch in der Vermögensverwaltung für institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds (Asset-Management) kommt es zu einem Führungswechsel.

Dort gibt der 57-jährige Ulrich Körner seinen Posten an die ehemalige Citigroup-Managerin Suni Harford ab, die vor wenigen Jahren zur UBS gewechselt war. Harford ist damit eine von zwei Frauen in der 13-köpfigen Geschäftsleitung des Schweizer Geldhauses.

Chief Operating Officer Sabine Keller-Busse übernimmt zusätzlich zu ihrer Funktion Körners Rolle als UBS-Präsident für die Region Europa, den Nahen Osten und Afrika. Einige Beobachter räumen auch Keller-Busse Chancen auf die Nachfolge von Ermotti ein, obwohl sie mit 54 Jahren zu einer ähnlichen Altersklasse gehört wie Blessing und Körner. Auch die frischgebackene UBS-Europachefin Christine Novakovic könnte sich Hoffnungen machen.

Auf die erneuerte Führungsmannschaft kommt jede Menge Arbeit zu, denn am Aktienkurs lässt sich ablesen, dass die Vermögensverwaltung nicht das einzige Problem ist, das der UBS zu schaffen macht. Mit einem Wertverlust von fast einem Drittel in den vergangenen zwölf Monaten zählt die Aktie der Großbank zu den schwächsten Titeln im Schweizer Leitindex SMI. Zeitweise kosteten die Papiere in den vergangenen Wochen keine zehn Franken mehr.

Der wahrscheinlich schwerste Rückschlag, den Ermotti und Weber in den vergangenen Monaten wegstecken mussten, war ein französisches Gerichtsurteil aus dem Februar. Die Pariser Richter hatten die Schweizer Bank wegen Steuerhinterziehung zur Zahlung von insgesamt 4,5 Milliarden Euro verurteilt, weil die UBS ihren Kunden geholfen haben soll, deren Vermögen vorbei an den französischen Steuerbehörden in der Schweiz zu verstecken.

Die Bank bestreitet die Vorwürfe und hat Berufung eingelegt. Angesichts der drohenden Milliardenstrafe musste die UBS dennoch etwa 450 Millionen Euro für Prozessrisiken in ihrer Bilanz zurückstellen.

Auf der Hauptversammlung des Schweizer Geldhauses in Basel stimmten die Aktionäre im vergangenen Mai vor allem wegen dieses Urteils gegen die Entlastung der gesamten Führungsmannschaft für das vergangene Jahr. Ein Rückschlag, den das neue Leitungsteam inklusive Jungstar Khan nun wieder ausbügeln soll.

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