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20.09.2017

19:36 Uhr

Schweizer SIX

Börsenkonzern prüft Abspaltung des Kartengeschäfts

Der Schweizer Börsenkonzern SIX lotet Finanzkreisen zufolge eine Abspaltung oder einen Verkauf seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Der ganze Bereich könnte auf einen Wert von bis zu zwei Milliarden Franken kommen.

Der Verkauf von Anteilen kommt voran. Reuters

Der Schweizer Börsenkonzern SIX

Der Verkauf von Anteilen kommt voran.

Zürich/Frankfurt/LondonDer Schweizer Börsenkonzern SIX lotet Finanzkreisen zufolge mit Hilfe einer Investmentbank eine Abspaltung oder einen Verkauf seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Die US-Investmentbank JP Morgan sei mit dem Mandat betraut worden, verschiedene Optionen für SIX Payment Services zu prüfen, erklärten mit der Situation vertraute Personen. Der ganze Bereich könnte auf einen Wert von bis zu zwei Milliarden Franken kommen. Die Szenarien umfassten einen Verkauf des ganzen Geschäfts und einen Börsengang, erklärte eine der Personen. Am wahrscheinlichsten sei jedoch, dass sich ein Investor an SIX Payment Services beteilige oder das Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werde. Der SIX-Verwaltungsrat dürfte im November eine Entscheidung fällen.

SIX Payment Services wickelt unter anderem Kredit- und Bankkartenzahlungen an der Ladenkasse ab und stellt Händlern die Bezahlterminals zur Verfügung. Mit einem Umsatz von 885 Millionen Franken und einem Betriebsergebnis (Ebit) von 92 Millionen Franken im Jahr 2016 ist es die größte Division des Konzerns. Mit dem Kauf des Konkurrenten Aduno SA im August hat die Sparte die Führungsposition in der Schweiz weiter ausgebaut.

Im europäische Markt für bargeldlosen Zahlungsverkehr werden die Karten derzeit neu gemischt. In vielen Ländern haben Banken diese nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereiche abgestoßen und ihre Bilanzen damit gestärkt. Anfang Jahr verkauften die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Commerzbank und weitere Institute die deutsche Concardis für rund 700 Millionen Euro an Finanzinvestoren. Der US-Kreditkarten-Abwickler Vantiv sorgte im Juli mit einem 8,7 Milliarden Euro schweren Angebot für die britische Worldpay für einen Höhepunkt der Übernahmewelle in der Branche.

Weil weltweit immer weniger mit Bargeld und immer mehr elektronisch bezahlt wird, bietet der Markt gute Wachstumschanchen. Wer bei der Konsolidierung vorne mitspielen will, braucht aber Kapital. Die im Besitz von rund 130 Banken stehende SIX hat in den vergangenen Jahren trotz voller Kassen nur kleinere Zukäufe gemacht. Experten interpretierten das so, dass die Mehrheit der Besitzer großzügige Ausschüttungen Investitionen ins Geschäft vorzieht. Letztlich entscheiden die Eigner, darunter UBS und Credit Suisse, was mit dem Karten-Dienstleister passiert.

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Der Zeitpunkt für einen Verkauf von Anteilen wäre Experten zufolge jetzt gut, denn die Bewertungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Das wollen die Besitzer solcher Geschäfte nutzen. So stehen die österreichische Card Complete und die portugiesische SIBS zum Verkauf, während die deutschen Sparkassen einen Minderheitsanteil an BS Payone loswerden wollen. Private Equity-Gesellschaften wie Advent, Bain, Warburg Pincus, Blackstone und CVC dürften Insidern zufolge Interesse an solchen Geschäften bekunden. Unklar ist, wie offen die SIX für einen Verkauf von Anteilen an Beteiligungsgesellschaften ist.

Ein SIX-Sprecher erklärte, das Unternehmen werde bis Ende des Jahres bekanntgeben, wie es mit dem Bereich weitergehe. JP Morgan und die Finanzinvestoren wollten sich nicht äußern oder waren für Stellungnahmen nicht verfügbar.

Von

rtr

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