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16.04.2019

20:11

Smartphonebank

Betrüger sollen Hunderte Konten von N26 für Geldwäsche genutzt haben

Von: Katharina Schneider

Einem Medienbericht zufolge könnten die Probleme bei der Berliner Smartphonebank größer sein als bisher bekannt. Betrüger sollen knapp 400 Konten eröffnet haben.

N26: Betrüger sollen Hunderte Konten für Geldwäsche genutzt haben Reuters

Angestellte von N26

Über Betrugsmaschen beim Video-Ident-Verfahren sind Kriminelle an N26-Konten gelangt.

FrankfurtBei der Smartphonebank N26 kehrt keine Ruhe ein. Nach Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) sollen die Probleme der Bank in Bezug auf Identitätsdiebstahl und Geldwäsche größer sein als bisher bekannt. Den beiden Medien liegt eine Liste mit knapp 400 N26-Konten mit deutschen IBAN-Nummern vor, die für Fakeshops im Internet oder betrügerische Ebay-Konten eingesetzt worden sein sollen. Bei einigen dieser Kontoverbindungen habe es nach Angaben der Medien mehrere Tage bis hin zu mehreren Wochen gedauert, bis die Bank sie entdeckt und gesperrt habe.

Vor der Betrugsmasche, die hinter diesem Identitätsdiebstahl steckt, hatte im vergangenen Monat auch die Finanzaufsicht Bafin gewarnt. Möglich wird sie mithilfe des Video-Ident-Verfahrens.

Dieses wird inzwischen von vielen etablierten Banken genutzt. Im Rahmen der Kontoeröffnung werden die Kunden dabei in einem Video-Chat identifiziert und können sich den Weg in die Filiale oder – wie beim Post-Ident-Verfahren notwendig – in eine Post-Filiale sparen.

Der Betrug funktioniert so: Unter falschem Vorwand bringen Betrüger Verbraucher dazu, ihre persönlichen Daten preiszugeben und am Video-Ident-Verfahren teilzunehmen. Gelockt werden sie oftmals durch gefälschte Stellenanzeigen in Job- oder Kleinanzeigen-Portalen im Internet.

Bewerber sollen an einem Online-Bewerbungsverfahren teilnehmen und werden dabei zur Video-Identifizierung gelotst. Bei einer anderen Variante wird den Bewerbern vorgegaukelt, sie sollten das Video-Ident-Verfahren testen.

Verbraucherschutz: Bafin warnt vor Betrugsmasche bei Video-Ident-Verfahren

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Betrüger lotsen Verbraucher zu falschen Identifikationsverfahren und missbrauchen Personendaten. Betroffen sind auch Onlinebanken, darunter N26.

Im Namen der Betrugsopfer werden dann aber tatsächlich Konten eröffnet. Die Täter nutzen diese für kriminelle Zwecke – etwa als Kontoverbindung für den Betrieb von Fakeshops oder zur Geldwäsche. Dieses Einspannen von Personen wird als „Social Engineering“ bezeichnet.

Auch die Marktwächter Finanzen und digitale Welt der Verbraucherzentralen Sachsen und Brandenburg hatten bereits auf solche Betrügereien aufmerksam gemacht. „Schon seit Juni 2018 haben uns Verbraucherbeschwerden dazu erreicht, und das Problem setzt sich bis heute fort“, sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin des Marktwächters Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen, kürzlich dem Handelsblatt.

In den Beschwerden sei es häufig um Kontoeröffnungen bei der Smartphonebank N26 gegangen. „Von den Polizeibehörden wissen wir mittlerweile, dass auch andere Onlinebanken wie die Solarisbank oder die Fidor-Bank betroffen sind“, sagt Schultz. Die Anzahl der Beschwerden nennt sie nicht, allerdings handle es sich nicht um Einzelfälle, „sonst hätten wir das Problem nicht an die zuständige Aufsichtsbehörde adressiert“.

Wochenlange Kontonutzung

NDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichten nun von einem Betroffenen, der auf einen vermeintlichen Produkttest reingefallen war. Als er gemerkt habe, dass etwas faul war, habe er zwei Wochen lang vergeblich versucht, von der Bank dazu Auskunft zu bekommen.

Erst auf Nachfrage der beiden Medien sei dem Kunden mitgeteilt worden, dass das Konto geschlossen sei. Das sei nach Angaben von N26 geschehen, nachdem eine andere Bank die Überweisung eines geprellten Kunden zurückgefordert hatte und der Betrug so offenbar wurde. Ob und in welcher Höhe dem Kontoinhaber wider Willen ein Schaden entstanden sein könnte, sei ihm bislang nicht mitgeteilt worden.

Smartphone-Bank: N26 gerät ins Visier der Finanzaufsicht

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Die Bafin hat bei der Smartphone-Bank viele Mängel festgestellt und Reformen angemahnt. Auch von Kunden und anderen Banken gibt es Beschwerden.

Bei N26 könnte es den Recherchen zufolge möglicherweise vor allem bei der Überwachung von verdächtigen Transaktionen haken. So haben Kriminelle die Konten laut dem Bericht jeweils einige Tage bis einige Wochen für ihre Zwecke nutzen können, um Geld aus ihren Geschäften zu waschen.

Valentin Stalf, Geschäftsführer und Co-Gründer von N26, verteidigte im Gespräch mit dem Handelsblatt noch vor zwei Wochen die Überwachungssysteme seiner Bank. „Neben dem System, das wir selbst entwickelt haben, nutzen wir beim Transaktionsmonitoring ein bewährtes System, das in Europa auch bei mehr als 30 anderen Banken im Einsatz ist“, sagte er. Zudem sei bei N26 ein Team aus 50 Leuten mit nichts anderem als der Betrugsprävention beschäftigt.

Laut NDR und „Süddeutscher Zeitung“ werden betrügerisch eröffnete Konten teilweise im Netz wie eine Ware gehandelt und wechseln für wenige Hundert Euro den Besitzer. Auch für die getäuschten Kontoinhaber könnte der Betrug erhebliche Folgen haben. Die Medien zitieren die Staatsanwaltschaft Hamburg, laut deren Angaben den Betroffenen selbst in Fällen, in denen sie mutmaßlich betrogen wurden, Verfahren wegen leichtfertiger Geldwäsche und Zivilklagen von betrogenen Kunden der Online-Fakeshops drohen.

Die Finanzaufsicht hat zuletzt im Frühjahr 2017 im Rahmen eines Rundschreibens umfangreiche Vorgaben zur Video-Legitimation gemacht. Trotzdem komme es immer wieder vor, dass Kriminelle ihre Opfer dazu überreden, ihre persönlichen Daten preiszugeben, sagte eine Sprecherin der Bafin kürzlich dem Handelsblatt: „Dies lässt jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die Sicherheit des Videoidentifikationsverfahrens zu.“ Verbraucher müssten sich darüber im Klaren sein, dass sie sensible Daten unter keinen Umständen an unbefugte Dritte weiterreichen sollten.

Valentin Stalf im Interview: N26-Gründer räumt Fehler ein: „Hätten schon früher mehr Leute einstellen sollen“

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Zahlreiche Kunden der Smartphone-Banken wurden zuletzt Opfer von Betrügereien. Valentin Stalf räumt im Interview Kommunikationsfehler ein, betont aber auch seine Erfolge.

Gegenüber NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gab N26 an, die in dem Bafin-Rundschreiben von April 2017 festgelegten Vorgaben zum Video-Ident-Verfahren vollständig umgesetzt zu haben. N26-Co-Gründer Valentin Stalf habe jedoch betont, Bafin-Rundschreiben seien „kein Gesetz, sondern eine Empfehlung. Das heißt, das kann man umsetzen, man muss es aber nicht.“

Sonderprüfung der Bafin

N26 ist in den vergangenen Wochen häufiger in die Schlagzeilen geraten. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Finanzaufsicht Bafin bei der Smartphonebank schon im vergangenen Jahr weitreichende Mängel festgestellt und Nachbesserungen gefordert.

Die Aufseher hatten unter anderem Missstände bei der Personalausstattung sowie beim Management von ausgelagerten Aufgaben und bei der Technik kritisiert. Kritik kam auch von anderen Banken. Insidern zufolge haben sie sich bei der Bafin über die schlechte Erreichbarkeit von N26 beschwert. Sie bekamen bei der Smartphonebank teilweise niemanden ans Telefon, als sie betrügerische Überweisungen stoppen wollten.

Vor wenigen Wochen hatte zudem das Onlineportal Gründerszene über Betrugsfälle berichtet. Demnach waren mehrere N26-Kunden Opfer von Phishing-Attacken geworden, und Betrüger hatten Geld von ihren Konten entwendet. Das Geld hatten die Kunden zwar zurückbekommen, doch die Fälle legten deutliche Schwächen beim Kundendienst der Bank offen.

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Betrugsfälle bei N26: Was das für die Bank und ihre Kunden bedeutet

Handelsblatt Live: Betrugsfälle bei N26: Was das für die Bank und ihre Kunden bedeutet

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Nach Aussagen von Betroffenen erhielten sie mehr als zwei Wochen lang keine Auskunft darüber, warum ihr Konto gesperrt worden war. Zu Verzögerungen kam es dabei auch, weil die Bank ihre Telefonhotline für „Standard“-Konten bereits im August 2018 eingestellt hat und seitdem nur per E-Mail oder Chat zu erreichen ist.

Im Interview mit dem Handelsblatt hatte Stalf berichtet, dass die Bank ihr Kundenservice-Team zwischenzeitlich massiv aufgestockt habe. „Die Zahl der Mitarbeiter hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht. Heute arbeiten im Kundenservice 400 interne und 200 externe Kräfte für N26“, sagt er. Stalf gab aber auch zu: „Rückblickend kann man sagen, wir hätten schon früher mehr Leute einstellen sollen. Aber jetzt sind wir gut aufgestellt.“

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