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01.03.2019

07:16

Sofort kontra Fintecsystems

Fintechs einigen sich außergerichtlich über Marke „Sofortpay“

Von: Katharina Schneider

Im Streit um die Marke für ein Online-Zahlungssystem haben sich zwei Finanz-Start-ups außergerichtlich geeinigt. Eine neuer Markenname steht schon fest.

Den Namen „Sofortpay“ darf Fintecsystems nicht mehr nutzen. Screenshot

Sofort-Pay

Den Namen „Sofortpay“ darf Fintecsystems nicht mehr nutzen.

Frankfurt Der Versuch war ziemlich gewagt: Im vergangenen Sommer hat das Finanz-Start-up Fintecsystems ein Online-Zahlungssystem namens „Sofortpay“ gestartet. Die Ähnlichkeit zur „Sofortüberweisung“ des Wettbewerbers Sofort GmbH war offensichtlich. So sah es auch Sofort und reichte im Oktober eine Klage ein: Fintecsystems verstoße gegen das Markengesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Wie das Handelsblatt von den Unternehmen erfuhr, haben sie sich jetzt außergerichtlich geeinigt.

Mit ihrem Online-Bezahlsystem Sofortüberweisung gehört die Sofort GmbH zu den erfolgreichsten und zugleich ältesten Fintechs in Deutschland. Das Unternehmen wurde 2005 gründet und 2014 vom schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna übernommen. Laut Online-Payment-Studie des Handelsforschungsinstituts EHI entfielen in Deutschland zuletzt drei Prozent der Umsätze auf die Zahlungsart Sofortüberweisung. Von Konkurrent Paypal (20 Prozent) ist sie damit noch weit entfernt, liegt jedoch vor den Bezahldiensten Amazon Pay (ein Prozent) und Paydirekt – einem Angebot der deutschen Kreditwirtschaft, das in dieser Statistik noch gar nicht auftaucht.

Die Klage gegen Fintecsystems hatte Sofort im vergangenen Oktober damit begründet, dass der Name „Sofortpay“ irreführend sei und eine Verwechslungsgefahr bestehe. Im Rahmen der außergerichtlichen Einigung hat Sofort nun allerdings die Klage zurückgezogen. Im Gegenzug hat sich Fintecsytems bereit erklärt, die Bezeichnung Sofortpay nicht mehr zu verwenden. Auch die Bezeichnungen „Sofort“ oder „Sofortüberweisung“ darf das Start-up in seinen Geschäfts- und Marketingaktivitäten für Online-Zahlungsdienste nicht mehr verwenden.

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Fintecsystems wurde 2014 von zwei ehemaligen Managern der Sofort GmbH gegründet: Stefan Krautkrämer war als COO für das operative Geschäft zuständig und Dirk Rudolf als CIO für die IT. Zunächst hatten sie sich mit ihrem Unternehmen auf Kontoanalysen konzentriert. Nach Zustimmung der Kunden scannt Fintecsystems deren Kontotransaktionen und liefert beispielsweise Banken und anderen Finanzdienstleistern Eckdaten zur Bewertung der Kreditwürdigkeit.

Ihr Online-Zahlungssystem funktioniert ebenfalls mit direktem Kontozugriff. Wie bei der Sofortüberweisung gewähren die Kunden dem Anbieter kurzfristig Zugriff auf ihr Konto, damit dieser in ihrem Namen eine Überweisung an den Online-Händler anstoßen kann. Anderen Unternehmen bietet Fintecsystem dies als sogenannten Whitelabel-Zahlungsdienst an. Sofortpay war laut Krautkrämer nur ein Anwendungsfall.

Nach der Einigung mit der Sofort GmbH wurde „Sofortpay“ nun in „OnlineÜberweisen“ umbenannt. Die Whitelabel-Lösung sei schon bei „einigen Kunden“ im Einsatz, sagte Krautkrämer dem Handelsblatt. So etwa als „Abrapay“ bei dem Online-Gebrauchtwagenhändler Abracar. „OnlineÜberweisen werden wir als zusätzliche, eigene Bezahllösung für E-Commerce-Händler aufbauen“, sagte Krautkrämer. Er habe dazu ein „sehr gutes Feedback aus dem Markt“ erhalten.

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Trotz ihrer Auseinandersetzung zeigten sich beide Unternehmen offen für eine künftige Zusammenarbeit. Sofort-Manager Robert Bueninck sagte dem Handelsblatt: „Wir sind offen für Kooperationen mit Fintecsystems in Zukunft, sofern sich die Möglichkeit ergibt und beide Parteien das gleiche Interesse verfolgen.“ Ähnlich auch Krautkrämer: „Wir befinden uns immer noch in konstruktiven Gesprächen über eine mögliche Kooperation in bestimmten Anwendungsfällen.“

Fintecsystems ist nicht das einzige Unternehmen, das die Sofortüberweisung nachahmt. Das schwedische Start-up Trustly bietet einen solchen Bezahldienst ebenfalls seit Kurzem in Deutschland an. Weitere Anbieter könnten folgen, denn die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) bietet seit einem Jahr einen neuen rechtlichen Rahmen für dieses Geschäftsmodell: Sogenannte Drittanbieter können eine Erlaubnis der Finanzaufsicht erwerben und auf Kundenwunsch auf die Konten der Kunden zugreifen.

Weitere neue Wettbewerber im Online-Bezahlmarkt sind Google und Apple mit ihren Diensten Google Pay und Apple Pay. Sie werden meist in erster Linie in Zusammenhang mit mobilem Bezahlen per Smartphone genannt, mit beiden Diensten können Nutzer aber auch in Apps und Online-Shops bezahlen.

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