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19.09.2017

08:37 Uhr

Sparkassen und Volksbanken

Die kleinen Banken werfen am meisten ab

VonYasmin Osman

Klein, aber oho: Keine deutsche Bankengruppe war 2016 so profitabel wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Doch das Zinstief hinterlässt immer tiefere Spuren in den Bilanzen. Die kleinen Institute reagieren darauf.

Kleine Banken wirtschafteten 2016 im Durchschnitt profitabler als Großbanken wie die Deutsche Bank. Reuters

Logos der Deutschen Bank und einer Sparkasse

Kleine Banken wirtschafteten 2016 im Durchschnitt profitabler als Großbanken wie die Deutsche Bank.

FrankfurtAuf den ersten Blick herrscht heile Welt für Sparkassen und Genossenschaftsbanken: Keine Bankengruppe in Deutschland ist so profitabel wie die regionalen Institute. Spitzenreiter waren 2016 die Genossenschaftsbanken mit einer Eigenkapitalrendite von 8,4 Prozent nach Steuern, gefolgt von den Sparkassen mit 7,4 Prozent.

Damit lagen sie deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 4,3 Prozent und Lichtjahre vor den deutschen Großbanken, die gerade einmal 2,5 Prozent erwirtschaften konnten, wie der Monatsbericht September der Bundesbank zeigt.

Das Ergebnis ist alles andere als selbstverständlich, schließlich sind Sparkassen und Volksbanken stärker als andere Bankengruppen von Zinserträgen abhängig, die sie durch Kundeneinlagen und Kreditgeschäfte verdienen. Gerade diese Zinserträge geraten durch die Null- und Niedrigzinspolitik zunehmend unter Druck. Der Abstand zwischen Einlagen- und Kreditzinsen, die wichtigste Gewinnquelle für die Institute, schrumpft. Im vergangenen Jahr rutschte diese Zinsmarge bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sogar erstmals unter die Schwelle von zwei Prozent.

Welche Bankengruppen am profitabelsten sind

Eigenkapitalrentabilität

Wie profitabel ein Unternehmen arbeitet, zeigt sich unter anderem am Verhältnis von Gewinn zum eingesetzten Eigenkapital. Seit der Finanzkrise müssen Banken aufgrund schärferer Auflagen durch die Aufsichtsbehörden deutlich mehr Eigenkapital vorhalten: Seit 2007 erhöhte sich das Eigenkapital deutscher Banken um 46 Prozent auf 466 Milliarden Euro, berichtet die Bundesbank. Mehr Eigenkapital heißt daher auch: Werden die Gewinne nicht im selben Maß gesteigert, verringert sich die Rentabilität.

Alle deutschen Bankengruppen

Nach Steuern liegt die Eigenkapitalrendite aller deutschen Banken zusammengenommen bei 4,3 Prozent. Das ist mehr als 2015 (4,0 Prozent), aber weniger als 2012, als sich die Rentabilitätsquote auf 5,6 Prozent belief.

Großbanken

Mit einer Nach-Steuer-Eigenkapitalrendite von gerade einmal 2,5 Prozent liegen Deutschlands Großbanken selbst im nationalen Vergleich weit abgeschlagen hinter ihren Wettbewerbern. Immerhin konnten sie 2016 wieder ein wenig Boden gutmachen: 2015 lag der Profit bezogen auf das Eigenkapital gerade einmal bei 1,8 Prozent.

Landesbanken

Vor allem hohe Abschreibungen für faule Schiffskredite verhagelten einigen Landesbanken wie etwa der HSH Nordbank 2016 das Geschäft. Entsprechend mies fällt die Eigenkapitalrentabilität aus: Laut Bundesbank liegt sie für die Gruppe aller deutschen Landesbanken nach Steuern bei minus zwei Prozent.

Sparkassen

Drei Mal rentabler als die Konkurrenz aus dem Privatsektor ist das Geschäft der deutschen Sparkassen im Jahr 2016. Laut Bundesbankbericht erwirtschaften die Institute eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 7,4 Prozent. Im nationalen Vergleich ein imposantes Ergebnis. Doch wieder hat der schärfste Wettbewerber die Nase vorn.

Genossenschaftsbanken

Die Genossen unter den deutschen Kreditinstituten schlagen die Konkurrenz aus dem Sparkassensektor bei der Rentabilität deutlich. 8,4 Prozent Eigenkapitalrentabilität nach Steuern für das Jahr 2016 weist der Bundesbankbericht für die Genossenschaftsbanken aus – ein Prozentpunkt mehr, als die Sparkassen erwirtschafteten.

Bausparkassen

Erstaunlich rentabel arbeiten – bezogen aufs Eigenkapital – auch Deutschlands Bausparkassen. Und das, obwohl deren Geschäft in Zeiten niedriger Zinsen nicht gerade leichter wird. Die Bundesbankstatistik weist für die Spezialinstitute mit Fokus auf Bauherren und Immobilienkäufer eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 7,3 Prozent aus.

Das lag daran, dass insbesondere die Zinsen für Baufinanzierungen noch einmal kräftig gesunken sind. Das hätten die Institute auf der Einlagenseite nur ausgleichen können, wenn sie auf breiter Front Negativzinsen für Sparer eingeführt hätten, doch das ist unpopulär und deshalb nicht allzu weit verbreitet. Meist trifft es nur sehr vermögende Kunden oder Unternehmen.

Die Zinsmarge schrumpft seit längerem, doch bisher hatten die kleinen Institute diesen Rückgang noch immer durch Wachstum und durch die Vergabe von Krediten mit immer längerer Laufzeit ausbügeln können. Mittlerweile stößt diese Strategie an ihre Grenzen. Laut Bundesbank ist der Zinsüberschuss im Sparkassensektor um 2,7 Prozent und im Genossenschaftssektor um 2,9 Prozent gesunken. Noch härter traf es allerdings die Bausparkassen, bei denen der Zinsüberschuss sogar um 11,9 Prozent einbrach.

Welche Bankengruppen am effizientesten arbeiten

Die Aufwand/Ertrag-Relation

Um zu erkennen, wie wirtschaftlich ein Unternehmen arbeitet, lohnt sich der Blick auf das Verhältnis der Kosten zum operativen Ertrag. Je niedriger diese Relation ausfällt, umso mehr bleibt am Ende vom Firmenertrag übrig. Regelmäßig ermittelt die Bundesbank diese Kennziffer auch für Deutschlands Banken.

Deutsche Banken insgesamt

Für alle deutschen Kreditinstitute zusammengenommen liegt die Aufwand/Ertrag-Relation im Jahr 2016 laut Bundesbank-Bericht bei 69,2. Anders ausgedrückt: Um 100 Euro zu erwirtschaften, mussten die Institute im Mittel 69,20 Euro aufwenden. Damit arbeitete die Branche wirtschaftlicher als 2015: Damals lagen die Kosten pro 100 Euro noch bei 70,40 Euro. Doch auch der verbesserte Wert liege verhältnismäßig hoch, schreibt die Bundesbank – und das sowohl im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der eigenen Branche als auch verglichen mit der internationalen Konkurrenz.

Großbanken

Seit Jahren gehören die deutschen Großbanken zu den Instituten mit der geringsten Kosteneffizienz. Auch 2016 änderte sich wenig an diesem Bild. Um 100 Euro zu erwirtschaften, mussten die Großinstitute Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und Postbank 81,40 Euro aufwenden. Auch wenn das 1,50 Euro weniger pro 100 Euro ist als 2015, arbeiten die Branchenriesen damit deutlich ineffizienter als ihre Wettbewerber aus dem In- und Ausland.

Private Regionalbanken

Kleinere Kreditinstitute mit regionalem Schwerpunkt und privatrechtlicher Gesellschaftsform arbeiten deutlich effizienter als die Dickschiffe des privaten Bankensektors. Laut Bundesbank-Statistik liegt die Aufwand/Ertragsrelation der Kleinen 2016 bei 64,2. Damit verbesserten sie ihre Effizienzkennziffer um 0,4 Punkte oder 40 Cents pro 100 Euro.

Zweigstellen ausländischer Banken

Gemessen an heimischen Instituten arbeiten die Deutschland-Filialen internationaler Geldhäuser ausgesprochen effizient. Mit einer Kennziffer von 55,1 liegen sie weit vor ihren Konkurrenten aus Deutschland – und konnten die Aufwand/Ertrag-Relation sogar um 6,10 Euro pro 100 Euro gegenüber 2015 verbessern.

Landesbanken

Immerhin besser als 2015, aber weit von ihrem langjährigen Durchschnitt entfernt: So kommentiert die Deutsche Bundesbank die Effizienz der deutschen Landesbanken. 63,50 Euro müssen sie aufwenden, um 100 Euro zu erwirtschaften. 2015 lag das Verhältnis noch deutlich schlechter bei 69,1 zu 100.

Sparkassen

Die 403 Institute der deutschen Sparkassengruppe und ihre knapp 225.000 Beschäftigten arbeiten zwar effizienter als ihre Konkurrenten aus der Privatwirtschaft. Ihre Wettbewerber aus dem Genossenschaftslager aber können sie auch 2016 nicht schlagen. Das Kosten/Ertrags-Verhältnis von 67,8 liegt 1,1 Punkte besser als 2015. Die Genossenschaftsbanken arbeiten aber noch einen Tick effizienter....

Genossenschaftsbanken

Die genossenschaftlich organisierten Institute schlagen 2016 erneut ihre Wettbewerber in puncto Effizienz: Die Genossen wenden 66,60 Euro auf, um 100 Euro zu erwirtschaften. Die „Roten“ aus dem Sparkassenlager brauchen 1,20 Euro mehr, um zum selben Ertrag zu kommen. Allerdings schmilzt der Abstand der Genossen: Während die Sparkassen ihre Aufwand/Ertrag-Relation 2016 gegenüber dem Vorjahr verbessern konnten, blieb bei den Instituten aus dem Genossenschaftslager alles beim Alten.

Ohne die gute Konjunktur hätte das wohl böse Folgen für das Jahresergebnis gehabt. Doch da die deutsche Wirtschaft brummt, kam es kaum zu Kreditausfällen. Im Gegenteil, das Bewertungsergebnis, bei dem die Risikovorsorge für Kreditausfälle und Wertveränderungen von Wertpapieren berücksichtigt werden, fiel sogar leicht positiv aus: Die Institute konnten Rückstellungen auflösen.

Damit grenzten sich die kleinen Banken deutlich von den Großen der Branche ab. Dort kam es zu deutlich höheren Belastungen als im Vorjahr: „Insbesondere bei einzelnen Groß- und Landesbanken führte die schwierige Marktlage bei Schiffsfinanzierungen zu sehr hohen Wertberichtigungen“, schreibt die Bundesbank. Bei den Landesbanken hat sich die Risikovorsorge deshalb sogar verdreifacht.

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