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08.04.2019

10:28

Thomas Rodermann

Deutschlandchef der Schweizer Großbank UBS geht nach Machtkampf

Von: Daniel Schäfer

Thomas Rodermann wird die UBS Europe SE Ende November verlassen. Dem plötzlichen Führungswechsel soll ein interner Machtkampf vorausgegangen sein.

Thomas Rodermann stand seit fast vier Jahren an der Spitze des Deutschland-Geschäfts der UBS. Auftrag für Handelsblatt

UBS

Thomas Rodermann stand seit fast vier Jahren an der Spitze des Deutschland-Geschäfts der UBS.

Frankfurt Es ist gerade einmal fünf Wochen her, da konnte Thomas Rodermann einen Meilenstein für die von ihm aufgebaute und geführte Frankfurter Europa-Bank der UBS präsentieren: Am 1. März verleibte sich die Einheit die in der Londoner UBS Limited gebündelten Investmentbanking-Aktivitäten ein.

Dadurch hat die Ende 2016 als Hauptstandort für die europäischen Geschäfte gegründete Europa-Bank ihre Bilanzsumme auf rund 60 Milliarden Euro mehr als verdoppelt und sich für den bevorstehenden Brexit gerüstet.

Doch die Zeit nach dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union wird die UBS wohl ohne Rodermann gestalten: Der seit fast vier Jahren an der Spitze des Deutschland-Geschäfts stehende Topbanker wird die Schweizer Bank schon bald verlassen. Die UBS bestätigte am Montag Informationen des Handelsblatts, nach denen sich die Großbank und Rodermann darauf verständigt haben, seinen Ende November auslaufenden Vertrag als Vorstandssprecher der UBS Europe SE nicht zu verlängern.

Dem plötzlichen Führungswechsel ist laut Insidern ein Machtkampf zwischen Rodermann und Christine Novakovic vorausgegangen. Die italienische Bankmanagerin leitet aus Zürich heraus seit Februar vergangenen Jahres die Vermögensverwaltung in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika.

In Finanzkreisen heißt es, Rodermann sei seit Längerem über die organisatorische Unwucht unzufrieden gewesen, dass die Bank in der Frankfurter Europe SE zwar die regulatorische Verantwortung für elf europäische Länder gebündelt hat, die operative Leitung des Vermögensverwaltungs-Geschäfts in der Region aber in Novakovics Händen liegt.

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Wegen des schwierigen Umfelds sind die Erträge der Großbank im ersten Quartal gesunken. Die UBS will mit taktischen Sparmaßnahmen gegensteuern.

Rodermann habe die Verantwortung für das Tagesgeschäft für sich reklamiert, was Novakovic ihm nicht habe gewähren wollen. Sie habe den 54 Jahre alten Banker stattdessen aufgefordert, die ihm direkt unterstellten deutschen und österreichischen Filialen enger zu führen. Ausschließlich für diese Rolle wollte der als durchaus selbstbewusst geltende Rodermann aber offenbar nicht weiter zur Verfügung stehen.

Künftig will die UBS die operative und regulatorische Verantwortung für Kontinentaleuropa bündeln – nur eben nicht in Rodermanns Händen. In Finanzkreisen wird vermutet, dass die Topmanagerin Novakovic in Zukunft zusätzlich zu ihrer bisherigen Funktion auch die Europe SE leiten könnte. Der ebenfalls für die Nachfolge Rodermanns infrage kommende operative Chef der Vermögensverwaltung in Europa, Andreas Przewloka, gilt angesichts seiner Vielzahl an Aufgaben als unwahrscheinlicherer Kandidat.

Ein UBS-Sprecher wollte sich zu einem möglichen Nachfolger nicht äußern. „Wir werden schnellstmöglich über die Nachfolgeplanung informieren, sobald es diesbezüglich eine Entscheidung gibt“, sagte er lediglich. Bis zur Klärung der Nachfolge bleibe Rodermann im Amt, sowohl als Vorstandssprecher der Europe SE als auch als Chef des Deutschland- und Österreich-Geschäfts.

Das seit dem Jahr 2015 von Rodermann geleitete Deutschland-Geschäft der UBS galt noch nie als Erfolgsgeschichte. Die Landesgesellschaft hat jahrelang Verluste geschrieben. Rodermann drückte mit einem Sanierungsprogramm 2016 die Kosten um 40 Millionen Euro nach unten, wodurch er im Jahr darauf erstmals eine schwarze Null erreichte. Im Jahr 2018 dürfte das Deutschland-Geschäft einen minimalen Verlust erwirtschaftet haben.

Die Fortschritte gingen der ehrgeizigen Novakovic nicht weit genug, sagen Insider. Die Zentrale in Zürich hat sich offenbar noch größere Verbesserungen bei den Kosten sowie noch schnellere Marktanteilsgewinne in Deutschland erwünscht. Rodermann hat das Vermögensverwaltungsgeschäft in den vergangenen Jahren ausgebaut, mit rund 38 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen rangiert die UBS in Deutschland im Geschäft mit reichen Kunden auf dem dritten Rang.

Doch diese Erfolge wurden durch den großen Margendruck in der Branche wieder aufgefressen.

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Christine Novakovic soll das europäische Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS voranbringen. Dabei hatte sie von Banken eigentlich genug.

Beobachter rechnen damit, dass die mögliche Nachfolgerin Novakovic ihre Hausmacht für den Versuch nutzen würde, mit der entsprechenden Rückendeckung aus Zürich Deutschland endlich in eine Erfolgsgeschichte umzumünzen. Dazu könnte die illustre Managerin, die einstmals bei der deutschen Citibank und der Hypo-Vereinsbank gearbeitet hat und zu der Zeit als „Deutschlands bekannteste Bankerin“ galt, sich auch an Übernahmen wagen.

Die personellen Turbulenzen im Europa-Geschäft sind nicht die einzigen Sorgen, die Novakovics obersten Boss Sergio Ermotti derzeit plagen dürften. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, Aufsichtsratschef Axel Weber treibe die Suche nach einem Nachfolgekandidaten für den seit 2011 amtierenden UBS-Vorstandschef voran.

Ermotti hat die Schweizer Großbank nach seiner Amtsübernahme erfolgreich saniert, indem er die Investmentbank drastisch zurechtstutzte und dafür die Vermögensverwaltung ausbaute. Zuletzt hat der Aktienkurs allerdings arg gelitten, und im ersten Quartal sind die Erträge sowohl in der Vermögensverwaltung als auch in der Investmentbank stark gefallen. Ermotti will mit „taktischen Sparmaßnahmen“ gegensteuern, die nicht zulasten der Wachstumsinitiativen gehen sollen.

Noch-UBS-Banker Rodermann dürfte diese nächste Kostensenkungsrunde nicht mehr miterleben. Was er als Nächstes machen wird, ist unklar. Der ehemalige Deutschbanker gilt aber in der deutschen Branche als sehr gut vernetzt.

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