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30.09.2019

17:11

Trotz Negativzinsen

Kein Run auf Bankschließfächer in der Schweiz

Von: Michael Brächer

In der Schweiz bleibt der Sturm auf die Schließfächer aus. Einer der Gründe: Die Negativzinsen werden nur an vermögende Kunden weitergegeben.

„Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen der Einführung der Negativzinsen und der Nachfrage nach unseren Tresorfächern.“, heißt es bei der UBS. Imago

Paradeplatz in Zürich

„Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen der Einführung der Negativzinsen und der Nachfrage nach unseren Tresorfächern.“, heißt es bei der UBS.

Zürich Schon Asterix und Obelix wussten, dass Schließfächer zur Schweiz gehören wie Uhren und Schokolade. In „Asterix bei den Schweizern“ verstecken sich die beiden Comichelden im Tresor eines Züricher Bankiers.

Das Bankgeheimnis für Ausländer mag abgeschafft sein – in den Kellern vieler Schweizer Banken lebt der Mythos weiter. Was in den Schließfächern lagert, wissen nur die Kunden selbst.

Angesichts der Geldpolitik der Schweizer Nationalbank (SNB) locken die Schließfächer mit einem weiteren Vorteil: Negativzinsen werden hier nicht fällig.

Doch zu einem Sturm auf die Schließfächer hat das bislang nicht geführt. Auch die Bargeldbestände der Banken sind relativ konstant.

„Die Nachfrage und Auslastung unserer Tresorfächer ist relativ stabil, über die letzten Jahre betrachtet sogar leicht rückgängig“, heißt es etwa bei der UBS, bei der die Tresore gewissermaßen zum Markenkern gehören – die Bank führt drei Schlüssel im Emblem. „Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen der Einführung der Negativzinsen und der Nachfrage nach unseren Tresorfächern.“

Ähnlich äußert sich der Rivale Credit Suisse. „Die Nachfrage nach Schrankfächern hat sich in den vergangenen Monaten nicht erhöht“, sagte eine Sprecherin dort. Der Versicherer Zurich, bei dem Kunden das Bargeld in ihren Bankschließfächern und Tresoren versichern lassen können, spricht bei den Policen von einer „leichten Steigerung auf tiefem Niveau“.

Dass der Run der Privatkunden auf die Schließfächer ausbleibt, dürfte zwei Gründe haben: Erstens hält sich der Leidensdruck für die meisten Schweizer Bankkunden in Grenzen. Bislang geben die Schweizer Institute die Negativzinsen nur an vermögende Kunden weiter.

Bei der UBS etwa werden Gebühren erst fällig, wenn das Guthaben zwei Millionen Franken überschreiten. Wer seine Ersparnisse über mehrere Institute verteilt, kann den Gebühren oft entgehen.

Zweitens sind die Schließfächer kein Schnäppchen. So verlangt etwa die UBS für ein Fach mit fünf Liter Volumen zwischen 100 und 150 Franken im Jahr.

Bei der Credit Suisse werden für die Schließfächer der kleinsten Kategorie 200 Franken fällig. Bei vielen Banken fallen zusätzliche Gebühren an, etwa wenn ein Schlüssel dort hinterlegt werden soll.

Auch für die Banken selbst gibt es kaum einen Anreiz, Bargeld im großen Stil zu horten. Denn die Schweizer Notenbank gewährt den Instituten ihrerseits gewisse Freibeträge bei den Negativzinsen – zieht die Cash-Bestände aber ab.

Insgesamt hielten die Schweizer Banken 2018 rund zehn Milliarden Franken in Bargeld in ihren Bilanzen, zeigen Daten der SNB. Das ist in etwa so viel wie nach der Finanzkrise.

Die Notenbanker verfolgen die Entwicklung aufmerksam. Bei einer weiteren Zinssenkung könnten die Banken des Landes dazu übergehen, auch kleinere Guthaben zu belasten – spätestens dann dürfte die Nachfrage nach Schließfächern und Tresoren steigen. Denn wer seine Ersparnisse in bar bunkern möchte, hat es mit dem Schweizer Franken besonders einfach.

Die meisten Länder haben große Banknoten wegen Geldwäschebedenken abgeschafft. Nicht aber die Schweiz: Die Schweizer Notenbank hält weiter am 1 000-Franken-Schein fest.

Seit der Finanzkrise haben die Tausender an Beliebtheit gewonnen. Sie machen rund 60 Prozent des Geldnotenumlaufs im Schweizer Franken aus – und dürften laut SNB „in erheblichem Umfang als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden“.

Mit keiner westlichen Währung lässt sich mehr Kapital auf kleinem Raum aufbewahren: Eine Million in Schweizer Franken ergibt einen zehn Zentimeter hohen Stapel – da reicht auch ein Schließfach in Idefix-Größe.

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