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09.07.2019

17:44

Umbaupläne

Zweistellige Millionenabfindung für drei Topmanager der Deutschen Bank

Von: Andreas Kröner, Michael Maisch, Felix Holtermann

Für Zahlungen an scheidende Vorstände gibt es bei der Deutschen Bank feste Regeln. Auf drei Vorstände wartet jetzt eine Millionen-Abfindung.

Dem scheidenden Chefinvestmentbanker steht eine Zahlung von rund elf Millionen Euro zu. dpa

Garth Ritchie

Dem scheidenden Chefinvestmentbanker steht eine Zahlung von rund elf Millionen Euro zu.

Frankfurt Viele Investmentbanker der Deutschen Bank in New York und London haben bereits am Montag die Kündigung erhalten. Auch für drei Vorstände des Instituts ist der Abschied nah. Investmentbanking-Chef Garth Ritchie, Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Privatkundenchef Frank Strauß werden die Bank im Zuge des beschlossenen Radikalumbaus Ende des Monats verlassen.

Doch sie gehen nicht mit leeren Händen. Für den unfreiwilligen Abschied werden die drei nach Informationen des Handelsblatts mit insgesamt rund 26 Millionen Euro entschädigt. Für die Zahlungen an scheidende Vorstände hat sich die Bank feste Regeln gegeben. „Die Abfindung beträgt in der Regel zwei Jahresvergütungen und ist auf die Vergütungsansprüche für die Restlaufzeit des Anstellungsvertrags beschränkt“, heißt es im Geschäftsbericht.

Dabei geht es um die gesamten Leistungen bei einem vorzeitigen Ausscheiden, also um Abfindung und die sogenannte Karenzentschädigung. Es handelt sich hier um ein Verbot, bis zu einem bestimmten Termin bei einem Wettbewerber anzuheuern. Funktionszulagen wie die umstrittenen drei Millionen Euro, die Ritchie für die Vorbereitungen der Bank auf den Brexit kassierte, werden bei der Abfindung Finanzkreisen zufolge nicht berücksichtigt.

Elf Millionen für Ritchie

Auf Basis dieser Regeln steht Ritchie, der bislang auch Vizechef des Instituts ist, eine Zahlung von rund elf Millionen Euro zu. Regulierungsvorständin Matherat käme auf etwa neun Millionen, der ehemalige Privatkundenchef Strauß wegen der geringen Restlaufzeit seines Vertrags auf rund sechs Millionen Euro. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Zahlen nicht äußern.

Ritchie hatte auf der Hauptversammlung im Mai zusammen mit Matherat das schlechteste Abstimmungsergebnis eingefahren. Neben dem schwachen Abschneiden der Investmentbank ärgerten sich viele Aktionäre vor allem über Ritchies Entlohnung. Mit einer Gesamtvergütung von 8,6 Millionen Euro war er 2018 Topverdiener im Vorstand, obwohl er laut Geschäftsbericht bei der Erreichung seiner Ziele am schlechtesten abschnitt.

Matherat wird unter anderem vorgeworfen, nicht entschieden genug auf Vorwürfe über neue Geldwäscheaffären reagiert zu haben. Strauß war Finanzkreisen zufolge selbst unzufrieden mit der neuen Aufstellung des Privat- und Firmenkundengeschäfts. Auch sonst war sein Verhältnis zu Bankchef Christian Sewing Insidern zufolge nicht das beste.

Grafik

Sewing hatte am Sonntag eine fundamentale Neuausrichtung von Deutschlands größtem Geldhaus verkündet. Die bisher dominierende Investmentbank soll um 40 Prozent schrumpfen. Dafür will sich das Institut künftig wieder stärker um das Geschäft mit Unternehmen kümmern. Im Rahmen des Umbaus sollen bis 2022 rund 18.000 Stellen wegfallen. Das entspricht etwa jedem fünften Arbeitsplatz.

Sewing ist von seinem Plan überzeugt und will das auch dadurch demonstrieren, dass er mit privatem Geld Deutsche-Bank-Papiere kauft. Er wolle einen „erheblichen Betrag“ seines Fixgehalts in Aktien der Bank investieren, erklärte er – Finanzkreisen zufolge geht es um rund ein Viertel.

Die meisten Investoren sind von Sewings Umbauplan dagegen bisher nicht überzeugt. Bereits am Montag verlor die Deutsche-Bank-Aktie mehr als fünf Prozent. Am Dienstag betrug das Minus dann zeitweise erneut mehr als fünf Prozent.

Im Grundsatz finden viele Investoren und Analysten den Rückbau des Investmentbankings und die Konzentration auf das Firmen- und Privatkundengeschäft richtig. Allerdings hegen viele Zweifel, ob Sewing den Umbau wie geplant durchziehen und die für 2022 ausgegebenen Ziele erreichen kann. Bis dahin will die Bank eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent erzielen.

Die Deutsche Bank kalkuliert, dass sie 2022 wie im vergangenen Jahr Erträge von rund 25 Milliarden Euro einfährt. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste das Institut in seinen Kerngeschäftsfeldern trotz schwieriger Rahmenbedingungen wachsen. Denn die Erträge aus dem Aktienhandel, aus dem sich das Institut mit wenigen Ausnahmen zurückzieht, und vielen anderen Geschäften, die heruntergefahren oder verkauft werden sollen, fallen schrittweise weg. Das für 2022 ausgegebene Renditeziel ist aus Sicht der Analysten von Citi deshalb „äußert unglaubwürdig“.

Zu langes Zögern

„Das Management hat sich durch das lange Zögern, die Probleme der Bank anzugehen, strategischer Optionen beraubt“, sagte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, dem Handelsblatt. „Viele Weichenstellungen, wie die Konzentration auf eigene Stärken, hätten früher erfolgen müssen.“

Die Ratingagentur Fitch, die die Deutsche Bank vor Kurzem herabgestuft hatte, sieht beim Strategieschwenk „hohe Ausführungsrisiken“. Der Plan zeige das Bemühen der Bankführung, das Geschäftsmodell zu stärken und Schwachstellen anzugehen, schreiben die Analysten.

Allerdings könnten die geplanten Massenentlassungen und die Wechsel in der Führungsetage die avisierten Ertragszuwächse gefährden. Außerdem bleibe die Investmentbank auch nach der Schrumpfung groß und nehme 2022 immer noch rund 38 Prozent der risikogewichteten Aktiva der Gruppe in Beschlag.

Einige ausländische Geldhäuser rechnen sich Chancen aus, vom Umbau der Deutschen Bank zu profitieren – etwa durch die Übernahme von Mitarbeitern. Die französische Großbank BNP will zudem Teile des Aktienhandels von der Deutschen Bank übernehmen. Dabei handelt es sich um das Brokerage-Geschäft für Hedgefonds und andere Großkunden sowie den elektronischen Handel.

„Die Systeme und Mitarbeiter sollen zu gegebener Zeit an BNP Paribas übergeben werden“, erklärte die Deutsche Bank, ohne Details zu nennen. Wenn eine entsprechende Vorvereinbarung umgesetzt wird, könnte BNP sicherstellen, dass Ex-Kunden der Deutschen Bank ohne Unterbrechung weiter handeln können.

Für die übernommenen Kunden und Geschäfte wollen die Franzosen der Deutschen Bank Finanzkreisen zufolge keinen Cent bezahlen. Der Deutschen Bank ist es den Kreisen zufolge wichtig, das Geschäft an einen europäischen Spieler abzugeben, nicht an ein Wall-Street-Haus. BNP Paribas wollte sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußern.

Mehr: Der Umbau der Deutschen Bank bringt bekannte Gesichter in neue Positionen. Lesen Sie hier, mit welchem Team Vorstandschef Christian Sewing die Bank in die Zukunft führen will.

Kommentare (2)

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Liselotte Pulver

09.07.2019, 16:39 Uhr

Was bringt es mir zu wissen, wieviel jemand bekommt? Bekomme ich mehr, wenn die weniger bekommen? Die Medien sollten endlich mit der Befeuerung der deutschen Neidkultur aufhoeren!

Herr J.-Fr. Pella

10.07.2019, 10:44 Uhr

Welche Neidkultur?

Ein alter "HUT"

Die "Großen" läßt man laufen,(oder gibt Millionen Abfindungen fürs NICHTKÖNNEN)
die "Kleinen" beißen die Hunde. (oder sie erhalten die Kündigung)

Oh deutsches Land, gelobtes Land. Aber bald sind ja Wahlen!

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