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12.01.2018

18:40 Uhr

US-Bank JP Morgan

Gute Laune dank Trump-Effekt

VonAstrid Dörner

Die US-Großbank JP Morgan hat im vierten Quartal 2017 deutlich weniger verdient. Investoren sind dennoch zuversichtlich, denn die Bank profitiert von Trumps Steuerreform.

JP Morgan: Gewinneinbruch im vierten Quartal dpa

JP Morgan

Das Geldhaus verdiente im vierten Quartal 2017 4,2 Milliarden Dollar.

New YorkDie Zahlen sehen auf den ersten Blick nicht besonders rosig aus: Der Nettogewinn der größten US-Bank JP Morgan Chase brach im vierten Quartal um fast 40 Prozent ein. Doch das sorgt ausnahmsweise nicht für Trübsal bei den Investoren. Denn der Ausblick ist verlockend – dank der Steuerreform von US-Präsident Trump.

Rund vier Milliarden Dollar weniger wird die Bank ersten Schätzungen zufolge im kommenden Jahr an den Fiskus abdrücken müssen. Davon sollen laut Chef Jamie Dimon nicht nur die Mitarbeiter profitieren, sondern auch die Kunden und Kommunen, Banken müssten schließlich auch Gutes tun. Genaueres will die Bank in den kommenden Wochen vorstellen. Doch für Dimon ist klar: Die Steuerreform sei ein „eindeutig positives Ereignis“, von der am Ende alle Amerikaner profitieren würden.

Die effektive Steuerrate wird in den kommenden Jahren bei rund 20 Prozent liegen, sagte Finanzchefin Marianne Lake am Freitag bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Für 2017 liegt die effektive Quote bei 31,9 Prozent, im Jahr davor waren es 28,4 Prozent.

Die größten Investmentbanken weltweit

Platz 5

Citi

Marktanteil 2017: 4,8 Prozent

Erträge 2017: 5,03 Milliarden US-Dollar

Platz 4

Morgan Stanley

Marktanteil 2017: 4,9 Prozent

Erträge 2017: 5,08 Milliarden US-Dollar

Platz 3

Bank of America Merrill Lynch

Marktanteil 2017: 5,1 Prozent

Erträge 2017: 5,26 Milliarden US-Dollar

Platz 2

Goldman Sachs

Marktanteil 2017: 5,7 Prozent

Erträge 2017: 5,94 Milliarden US-Dollar

Platz 1

JP Morgan

Marktanteil 2017: 6,4 Prozent

Erträge 2017: 6,7 Milliarden US-Dollar

Die einmalige Belastung durch die kurz vor Weihnachten durch US-Präsident Donald Trump in Kraft gesetzte Steuerreform in den USA bezifferte das Institut auf 2,4 Milliarden Dollar. Ohne diesen Effekt hätte der Gewinn bei 6,7 Milliarden Dollar gelegen und damit in etwa auf Höhe des Vorjahresquartals. Der Gewinn lag für das gesamte Jahr 2017 unter dem Strich mit 24,4 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau.

„2017 war für JP Morgan in vielen Bereichen ein Rekordjahr“, lobte Dimon. Vor allem im Investmentbanking, insbesondere im Beratungsgeschäft rund um Fusionen, Übernahmen und Börsengänge, habe sich das Institut hervorragend geschlagen. Und auch die Vermögensverwaltung erwirtschaftete satte Gewinne.

Die Bank profitierte – wie andere Institute auch – von den steigenden Zinsen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins seit Dezember 2016 vier Mal angehoben. Das erlaubt den Banken, ihren Kunden mehr für die Kreditvergabe zu berechnen. Die Zinseinnahmen betrugen im vierten Quartal gut 13 Milliarden Dollar, elf Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ein Schwachpunkt war weiterhin der Wertpapierhandel. 2017 war ein Jahr mit ungewöhnlich wenig Volatilität an den Märkten. Das drückt auf die Handelsumsätze. Der Geschäftsbereich verbuchte von Oktober bis Dezember Erträge in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar – 22 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Wie bereits in den Quartalen zuvor schwächelte hier besonders der Anleihehandel mit einem  Minus von 27 Prozent. Finanzchefin Lake gab sich jedoch zuversichtlich: „Die Volatilität wird zurück kommen und dann werden wir gut positioniert sein“, sagte sie.

Auch die Probleme des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff wirkten sich negativ aus: Die Bank musste einen gewährten Kredit in Höhe von 143 Millionen Dollar abschreiben. Zu Steinhoff gehört unter anderem der US-Matratzenhersteller Mattress Firm.

Die Anleger ließen sich davon nicht beirren. Die Aktie von JP Morgan erreichte im frühen New Yorker Handel ein neues Rekordhoch von rund 112 Dollar. Im vergangenen Jahr hatte das Papier bereits rund 25 Prozent zugelegt.

Milliardenabschreibungen bei Großbanken: Trumps vergiftetes Geschenk

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Die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zwingt Geldhäuser zu milliardenschweren Abschreibungen – 17 Milliarden allein bei der Citibank. Das könnte auch für die Deutsche Bank zum Problem werden.

Wells Fargo dagegen kann bereits heute von der Steuerreform profitieren, die jene Unternehmen bevorzugt, die – wie die Bank aus San Francisco – den Großteil ihres Geschäftes in den USA machen. Der Gewinn stieg um 17 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar. Dafür hat das Institut weiter mit den Aufräumarbeiten nach dem Skandal um Scheinkonten zu kämpfen, der die Bank Milliarden gekostet. Ein Programm, das bis 2019 vier Milliarden Dollar einsparen soll, ist in vollem Gang. Es gebe noch einiges zu tun, sagt CEO Tim Sloan. Doch „der Bank ist heute ein besseres Unternehmen als von einem Jahr.“

In der kommenden Woche legen weitere US-Institute ihre Zahlen vor. Viele Banken haben bereits gewarnt, dass die Effekte der Steuerreform auf die Ergebnisse drücken werden. Die Citigroup, die am Dienstag Quartalszahlen vorlegt, rechnet gar mit einer Belastung in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Die Investmentbank Goldman Sachs geht von einer Belastung in Höhe von fünf Milliarden Dollar und von einem Quartalsverlust aus. Die Zahlen werden am Mittwoch präsentiert.

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Kommentare (1)

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Ralf Bäuerle

12.01.2018, 16:39 Uhr

Sie schreiben in ihrem Artikel " ...Auch die Pleite des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff wirkt sich negativ aus..." Können Sie belegen das Steinhoff zum jetzigen Zeitpunkt Pleite ist?
Zur Info:

Ihr Artikel wird bereits im Forum der Steinhoff Aktie bei Wallstreet Online diskutiert.

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