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11.02.2019

15:43

US-Bank

Wells Fargos langer Weg aus der Krise

Von: Astrid Dörner

Skandale überschatten die zuletzt guten Zahlen der US-Bank. Zusätzlich macht die Politik Druck. Der Wells-Fargo-Chef erwartet ein schwieriges Jahr.

Mit der Wachstumssperre müssen die Vermögenswerte der Bank länger als gedacht unter dem Niveau von 1,95 Billionen Dollar bleiben. AP

Wells Fargo

Mit der Wachstumssperre müssen die Vermögenswerte der Bank länger als gedacht unter dem Niveau von 1,95 Billionen Dollar bleiben.

New YorkNoch nie hat Wells Fargo so viel Gewinn gemacht wie im vergangenen Jahr. 22,4 Milliarden Dollar – auf den ersten Blick ein Erfolg für Vorstandschef Tim Sloan und ein gutes Signal für Mitarbeiter und Aktionäre. Doch der Eindruck trügt. Noch immer dominieren bei der Großbank aus San Francisco die vielen Skandale. Nun kommt auch noch Druck aus der Politik dazu.

Neben den Demokraten aus dem Repräsentantenhaus hat auch die demokratische Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren die Bank im Visier. Warren hatte mit ihren bohrenden Fragen bei einer Anhörung im Herbst 2016 bereits Sloans Vorgänger John Stumpf zu Fall gebracht und forderte erneut, dass auch Sloan, der seine Karriere bei der Bank gemacht hat und somit Teil des Systems war, zurücktreten sollte.

Der Wells-Fargo-Chef stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein. Noch bis Ende des Jahres wird die Wachstumssperre gelten, die die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dem Institut zur Strafe auferlegt hat. Damit müssen die Vermögenswerte der Bank länger als gedacht unter dem Niveau von 1,95 Billionen Dollar bleiben, dem Wert von Ende 2017.

Es ist eine ungewöhnliche Maßnahme der Fed. Doch die Notenbank wollte ein abschreckendes Signal setzen. Schließlich ist die Liste der Verstöße lang: Es begann 2016 mit einem Skandal um Scheinkonten. Um ehrgeizige Vertriebsziele zu erreichen, hatten Wells-Fargo-Mitarbeiter eine Reihe zusätzlicher Konten im Namen von ahnungslosen Kunden eröffnet.

Seitdem sind Probleme in fast jedem Bereich der Bank aufgetaucht: Wells Fargo buchte zu hohe Gebühren bei Hypothekenkrediten ab, was bei einigen Kunden dazu führte, dass sie ihr Haus verloren. Ähnlich ging es Mitgliedern der US-Armee, die einen Autokredit bei der Bank abgeschlossen hatten.

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Bei den Rückzahlungen dagegen schluderte Wells Fargo, informierte die falschen Kunden und machte es unnötig schwierig für die Geschädigten, ihr Geld zurückzubekommen. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die Bank auch von den Kunden der Vermögensverwaltung zu hohe Gebühren verlangt hatte und womöglich nicht immer im Interesse der Kunden handelte.

Am vergangenen Freitag waren Kunden in den gesamten USA von einem Ausfall des Online- und Mobile-Bankings betroffen, weil ein Feuer in einer Serverfarm die Dienste lahmgelegt hatte. Rund 1,5 Milliarden Dollar an Strafen hat die Bank bereits gezahlt, und noch sind nicht alle Untersuchungen abgeschlossen.

Reformierung mit Sloan möglich?

„Wir haben noch einiges vor uns, aber wir sind auf dem richtigen Weg“, versicherte Sloan Ende Januar im Gespräch mit dem Börsensender CNBC. Der Wells-Fargo-Chef hat führende Banker und Verwaltungsräte ausgetauscht, auch auf Druck der Aufsichtsbehörden. Das Risikomanagement wurde ausgebaut und neu aufgestellt, wie aus einem Fortschrittsbericht der Bank hervorgeht.

Auch die Hotline, über die Mitarbeiter Fehlverhalten melden können, soll nun besser funktionieren. Einige ehemalige Angestellte hatten berichtet, sie seien gemobbt worden, nachdem sie Fälle dort gemeldet hätten. Für Elizabeth Warren und Maxine Waters, die Chefin des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus, ist das jedoch noch nicht genug.

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Für Warren ist Vorstandschef Sloan, der vor seiner Beförderung das operative Geschäft leitete, zu sehr Teil des alten Systems – und kann es deshalb aus Sicht der Politikerin nicht glaubhaft reformieren. „Wells Fargo hat schon vor langer Zeit ein System aufgebaut, um Kunden auszunehmen, auszutricksen und hinters Licht zu führen“, kritisierte Warren. „Und Sloan ist mittendrin.“

Waters hatte im vergangenen Jahr bereits einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der vorsah, Großbanken zur Not aufzuspalten, falls sie ihren Kunden wiederholt Schaden zufügen. Auch Sloan wolle sie zu einer Anhörung nach Washington laden, sagte Waters Mitte Januar, als sie ihre Agenda für den Ausschuss vorstellte. „Mir scheint, als würde die Bank ihre Probleme einfach nicht in den Griff kriegen.“

Immerhin: Großaktionär Warren Buffett steht weiter zu seinem Investment. Zwar habe die Bank Fehler gemacht, doch Wells Fargo mache Fortschritte und habe Potenzial, meint Buffett, der rund zehn Prozent an dem Institut hält. Dem Starinvestor gefällt, dass Wells Fargo anders als andere Großbanken nicht so stark vom Kapitalmarktgeschäft abhängt, sondern mit dem klassischen Bankgeschäft stabile Erträge liefert

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