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28.03.2019

17:07

Verbraucherschutz

Bafin warnt vor Betrugsmasche bei Video-Ident-Verfahren

Von: Katharina Schneider

Betrüger lotsen Verbraucher zu falschen Identifikationsverfahren und missbrauchen Personendaten. Betroffen sind auch Onlinebanken, darunter N26.

Das Identifikationsverfahren soll Kunden den Weg in die Filiale oder zur Post ersparen. E+/Getty Images

Video-Ident-Verfahren

Das Identifikationsverfahren soll Kunden den Weg in die Filiale oder zur Post ersparen.

Frankfurt Ein Bankkonto zu eröffnen kann so bequem sein: Die Kunden sitzen auf dem heimischen Sofa, halten ihren Personalausweis vor eine Webcam, beantworten im Video-Chat ein paar Fragen, schon eröffnet eine Bank ein neues Konto für sie.

Viele etablierte Banken nutzen dieses Video-Ident-Verfahren und ersparen ihren angehenden Kunden damit den Weg in die Filiale oder – wie beim Post-Ident-Verfahren notwendig – in eine Post-Filiale. Die Finanzaufsicht Bafin warnt nun, dass die Legitimation per Video auch Kriminelle anlockt.

Die Masche der Betrüger: Unter falschem Vorwand bringen sie Verbraucher dazu, ihre persönlichen Daten preiszugeben und am Video-Ident-Verfahren teilzunehmen. Im Namen der Betrugsopfer werden dann Konten eröffnet. Die Täter nutzen diese für kriminelle Zwecke – etwa als Kontoverbindung für den Betrieb von Fakeshops oder zur Geldwäsche. Dieses Einspannen von Personen wird als „Social Engineering“ bezeichnet.

Gelockt werden Verbraucher oftmals durch gefälschte Stellenanzeigen in Job- oder Kleinanzeigen-Portalen im Internet. Bewerber sollen an einem Online-Bewerbungsverfahren teilnehmen und werden dabei zur Video-Identifizierung gelotst.

Die Betrüger geben an, dass die Bewerber ihre Identität bei einer „Partnerbank“ verifizieren müssten, da kein persönliches Vorstellungsgespräch möglich sei, schildert die Bafin. Bei einer anderen Variante werde den Bewerbern vorgegaukelt, sie sollten das Video-Ident-Verfahren testen.

Vor diesem Hintergrund warnen die Aufseher: Wer eine solche Betrugsmasche entdeckt, solle das Verfahren abbrechen. Auch die Marktwächter Finanzen und digitale Welt der Verbraucherzentralen Sachsen und Brandenburg hatten bereits auf solche Betrügereien aufmerksam gemacht. „Schon seit Juni 2018 haben uns Verbraucherbeschwerden dazu erreicht, und das Problem setzt sich bis heute fort“, sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin des Marktwächters Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen.

In den Beschwerden sei es häufig um Kontoeröffnungen bei der Smartphone-Bank N26 gegangen. „Von den Polizeibehörden wissen wir mittlerweile, dass auch andere Onlinebanken wie die Solarisbank oder die Fidor-Bank betroffen sind“, sagt Schultz. Die Anzahl der Beschwerden nennt sie nicht, allerdings handle es sich nicht um Einzelfälle, „sonst hätten wir das Problem nicht an die zuständige Aufsichtsbehörde adressiert“.

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Die Verbraucherzentralen warnen vor einer neuen Methode, mit der Betrüger fremde Identitäten stehlen. Die Folgen können katastrophal sein.

Auch N26 wollte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht zur Anzahl der Betrugsfälle äußern. Eine Sprecherin verweist darauf, dass Kunden gleich im ersten Schritt gefragt würden, „ob sie sich darüber bewusst sind, dass sie ein Bankkonto bei N26 eröffnen“.

Die Bank arbeite „eng mit den Behörden zusammen“. Auch würden die Kunden darüber informiert, wie sie sich vor Identitätsdiebstahl schützen können.

Verbraucherschützerin Schultz sagt: „Wir sehen, dass die betroffenen Banken sich zwar um Aufklärung bemühen, ob sie alle Vorgaben zum Video-Ident-Verfahren erfüllen, muss aber grundsätzlich die Bafin prüfen.“ Die Finanzaufsicht hat zuletzt im Frühjahr 2017 umfangreiche Vorgaben zur Video-Legitimation gemacht.

Trotzdem komme es immer wieder vor, dass Kriminelle ihre Opfer dazu überreden, ihre persönlichen Daten preiszugeben, sagte eine Sprecherin der Bafin dem Handelsblatt. „Dies lässt jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die Sicherheit des Videoidentifikationsverfahrens zu.“ Verbraucher müssten sich darüber im Klaren sein, dass sie sensible Daten unter keinen Umständen an unbefugte Dritte weiterreichen sollten.

Anzeige erstatten

Zu den größten Anbietern von Video-Legitimation gehören IDnow und WebID Solutions, die beide bereits mehr als vier Millionen Video-Identifizierungen abgewickelt haben. „Social Engineering ist der große Trend im Betrugsbereich“, sagt IDnow-Geschäftsführer Rupert Spiegelberg. Gegenmaßnahmen seien etwa „spezielle psychologische Fragestellungen“. Ähnliches schildert Thomas Fürst, Co-Geschäftsführer von WebID Solutions: „Unsere Mitarbeiter fragen detailliert nach, für welchen Zweck sich eine Person über uns identifizieren lassen will.“ Sobald eine Person bei der Beantwortung der Frage etwas unsicher sei, falle das den Mitarbeitern auf, es werde nachgehakt und gegebenenfalls abgelehnt.

Verbraucherschützerin Schultz empfiehlt: „Wer Opfer einer solchen Betrugsmasche wurde, sollte möglichst schnell Anzeige erstatten.“ Nur so könnten Verbraucher glaubhaft nachweisen, dass sie das Konto nicht absichtlich eröffnet haben.

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