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06.06.2018

10:01

Wertpapierhäuser im Ranking

Wo Anleger die besten Analysten finden

Von: Anke Rezmer, Katharina Slodczyk

Eine Umfrage ermittelt die besten Wertpapierhäuser in Deutschland und Europa. Dabei sticht ein Aufsteiger hervor.

Wertpapierhäuser: Wo Anleger die besten Analysten finden Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Bankenviertel in Frankfurt

Immer weniger Finanzanalysten beobachten den Aktienmarkt.

FrankfurtDas große Ziel hatte Philippe Oddo bereits Ende vergangenen Jahres ausgegeben: In Deutschland wolle die Bank Oddo BHF zu den drei größten Wertpapierhäusern gehören. Dafür werde man die Researchabteilung ausbauen, um künftig mehr deutsche Unternehmen mit Analysen abdecken zu können. Gutes Aktienresearch hilft Anlegern bei der Auswahl von Dividendentiteln.

Gerade einmal sechs Monate später sind erste Erfolge der Strategie sichtbar: Das deutsch-französische Geldhaus ist hierzulande in einer viel beachteten Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Extel unter die Top Ten der Banken mit den besten Analysten aufgestiegen – von Platz 18. Die Ergebnisse der Umfrage für Deutschland liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

Oddo BHF habe als eines der wenige Institute in einem Markt, der in der Konsolidierung stecke, in die Erweiterung des Geschäfts investiert, erklärt David Enticknap, Chef der Extel-Umfrage. Konkurrenten gäben vorwiegend Geld aus, um ihre Qualität zu halten, betont der Leiter der größten internationalen Erhebung unter mehr als 11.000 Fondsmanagern, Finanz- und Invest-Relations-Experten sowie Analysten, die die Qualität von Wertpapierhäusern und Fondsmanagern misst.

Dies kommt Anlegern zugute, wenn sie gute Analystenberichte zu ihren Papieren lesen wollen. Mit dem Partner Natixis will Oddo BHF nach eigener Aussage „Kräfte im Research“ bündeln, die Abdeckung europäischer Unternehmen erweitern und Kunden besser versorgen. 20 Analysten beobachten derzeit 131 deutsche Aktien.

Neue Vorschriften sorgen für Konsolidierung

Zu der Konsolidierung im Research haben zuletzt neue Vorschriften der EU beigetragen: die Mifid-II-Richtlinien, die seit Jahresanfang gelten. Researchanbieter müssen seit Januar den Investoren ihre Analysen separat in Rechnung stellen. Davor haben Investoren das Research über die Handelsgebühren mit bezahlt.

Um Research kostendeckend zu betreiben, haben einige Banken diese Sparten umorganisiert und teilweise verkleinert. Experten zufolge gehen die Veränderungen aber nicht weit genug. Der deutsche Markt sei noch immer übersättigt. Es gebe noch jede Menge Luft für Konsolidierung, heißt es in Finanzkreisen.

In nächster Zeit rechnen Branchenbeobachter daher mit einigen Zusammenschlüssen – vor allem bei Anbietern, die in Rankings der vergangenen Jahre nicht die vordersten Plätze belegten. Das Angebot an Aktienanalysen wird geringer, dafür hoffen Experten, dass die Qualität besser wird.

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Auf den Toprängen stehen in der jüngsten Extel-Umfrage die Commerzbank, Mainfirst und Baader/Helvea. Sie haben damit ihre Positionen verteidigt und gute Aussichten, weiterhin führend zu bleiben. Aktuell „testen Investoren intensiv aus“, welche Qualität sie beim Research und bei den Firmenkontakten für ihr Geld erhalten, sagt Enticknap vom Marktforscher Extel, der zum britischen Fachmedien- und Veranstaltungsunternehmen Euromoney Institutional Investor gehört. Bisher hätten die Investoren 90 bis 95 Prozent ihrer Verbindungen zu ihrem Researchanbieter behalten. Doch angesichts knapper Budgets der Investoren werde es zu einer Auslese kommen. „2018 und 2019 dürften die Schlüsseljahre werden“, so Enticknap.

Zahl der Anbieter wird sinken

Das gilt nicht nur für Deutschland: „Es gibt noch immer zu viele Analysten in den meisten europäischen Märkten, die Broker haben den Personalbestand in dem Bereich noch nicht im ausreichenden Maße zurückgefahren“, sagt Benjamin Quinlan, Chef der Beratungsgesellschaft Quinlan & Associates. Die Banken seien offenbar bereit, beim Verkauf von Analystenstudien Verluste hinzunehmen – in der Hoffnung, dass sie diese durch Zusatzservices wie Treffen mit Analysten überkompensieren können. Laut Quinlan wird diese Rechnung aber nicht aufgehen, da sich ein zunehmender Preisdruck im Markt bemerkbar mache und die Zusatzservices zu teuer daherkämen.

Bereits in den zehn Jahren vor Einführung von Mifid II hat sich die durchschnittliche Zahl der Analysten, die ein Unternehmen covern, dem Finanzdatendienstleister Bloomberg zufolge etwa halbiert. Die neuen Regulierungsvorhaben hätten bisher vor allem bei der Analyse kleinerer Unternehmen Auswirkungen gehabt und dazu geführt, dass die Zahl der Experten, die diese Firmen abdeckten, deutlich sinke, sagt Neil Scarth, Chef von Frost Consulting.

Am deutschen Markt ist die Zahl der Finanzanalysten seit der Jahrtausendwende bereits um gut ein Drittel auf rund 260 geschrumpft, wie die deutsche Analystenvereinigung DVFA feststellte. Weitere Einschnitte in den Researchabteilungen seien in ganz Europa sehr wahrscheinlich, da die Ausgaben der Investoren für Studien gegenüber dem Vorjahr um bis zu 40 Prozent sinken dürften, sagt Scarth von Frost Consulting voraus. Laut Extel-Chef Enticknap dürften sich vor allem die Spezialisten am Markt behaupten. Allrounder dagegen, die alles Mögliche anbieten, dürften es schwer haben.

Dass die Commerzbank zum inzwischen siebten Mal in Folge das Extel-Ranking anführt, begründet Enticknap mit dem klaren Fokus auf Research und den Handel deutscher Aktien – besonders kleinerer und mittelgroßer Werte. Wie im Vorjahr covern 25 Aktienanalysten 150 deutsche Titel.

Die Research-Qualität wird immer wichtiger

Mit Blick auf Mifid II und die damit verbundene Kürzung von Brokerlisten sei die Qualität des Researchs noch bedeutender geworden, betont Aktienresearch-Chef Christoph Dolleschal. Die Commerzbank will ihre Small & Mid Cap Coverage ausbauen.

Das Frankfurter Haus Mainfirst deckt mit 19 Analysten 75 Aktien ab. Bis Ende des Jahres sollen es 120 Titel werden. Dort lobt Extel-Mann Enticknap besonders das Research von Standardaktien. Mainfirst, meint er, rücke damit näher an die Commerzbank heran. Nicht mehr unter den Top Ten ist dagegen die Schweizer UBS. Dort konzentriere man sich stärker auf paneuropäisches Research, erklärt Enticknap.

Die Schweizer gehören seit Jahren zu den besten Wertpapierhäusern für europäische Aktien. Wie im Vorjahr steht in diesem Ranking das französische Haus Exane BNP Paribas auf Rang eins vor der UBS und Morgan Stanley. Exane BNP dominiert Extel zufolge sowohl im Aktien- und im volkswirtschaftlichen Research wie auch im Aktienhandel europäischer Werte.

Auch die Bewertung von Fondsmanagern ist Teil der Extel-Umfrage. Finanzexperten aus gut 1100 Unternehmen nennen die Allianz-Tochter Allianz Global Investors als besten Vermögensverwalter, der laut Extel mit einem breiten Investmentansatz und gutem Service überzeugt und von Platz drei aufgestiegen ist. Auf Rang zwei behauptet sich der Stuttgarter Vermögensverwalter Tresides. Neu im Ranking ist VM Vermögens-Management aus Düsseldorf mit dem Schwerpunkt auf Aktienfonds.

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