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13.02.2019

18:39

Zahlungsdienstleister

Wirecard drohen Sammelklagen in den USA

Von: Christian Schnell, Katharina Kort

Wegen Vorwürfen gegen einen Mitarbeiter in Singapur steht die im Dax notierte Aktie des Zahlungsdienstleisters unter Druck. In den USA könnte dies juristische Folgen haben.

Wirecard: Dementi sorgt für Kurserholung, doch Zweifel bleiben

Wirecard

Die Aktie des Unternehmens steht unter Druck.

München, New YorkFür den Zahlungsdienstleister Wirecard könnten die jüngsten Vorwürfe um gefälschte Dokumente und Konten, Betrug, Untreue, Korruption und Geldwäsche ein teures juristisches Nachspiel in den USA haben. Immer mehr US-Kanzleien rufen zu Sammelklagen gegen den Zahlungsabwickler aus der Nähe von München auf. Sie begründen die Klage mit dem Verlust, den die Investoren durch falsche Angaben des Unternehmens erlitten haben sollen.

Die New Yorker Kanzlei Bernstein Liebhard etwa zählt in ihrem Aufruf sowohl die Vorwürfe gegen einen Manager in Singapur auf als auch den Bericht einer externen Kanzlei, der von Fälschung der Konten spricht. Zudem habe das Unternehmen die Schwächen bei internen Kontrollen heruntergespielt. Bernstein Liebhard brüstet sich, seit 1993 bereits 3,5 Milliarden Dollar erstritten zu haben.

An der Sammelklage können sich Investoren beteiligen, die zwischen dem 7. April 2016 und dem 1. Februar 2019 Wertpapiere von Wirecard erworben haben. Auch die New Yorker Kanzlei Rosen Law Firm, die auf Investorenklagen spezialisiert ist, hat Wirecard-Aktionäre aufgerufen, sich zu melden. Das Gleiche gilt für die Kanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman und andere.

Bei Sammelklagen steht eine geschädigte Person stellvertretend für alle anderen Kläger. Beteiligen können sich alle, die den gleichen Schaden unter den gleichen Umständen erlitten haben. Da sich Sammelklagen oft jahrelang hinziehen und sehr kostspielig werden können, einigen sich die meisten Unternehmen irgendwann auf die Zahlung einer bestimmten Summe. Die wird dann unter den Klägern aufgeteilt. Je mehr Kläger es gibt, umso geringer wird die Auszahlung für jeden einzelnen.

Das Risiko tragen die Kanzleien, nicht die einzelnen Kläger. Dafür erhalten sie ein Erfolgshonorar und die Erstattung ihrer Kosten, wenn sie gewinnen. Beides zusammen kann bei 20 bis 50 Prozent der erstrittenen Summe liegen. Wer im Fall Wirecard als Hauptkläger auftreten will, muss sich bis zum 9. April bei einer der Kanzleien melden. Letztlich wählt das Gericht aus, wer für andere klagen darf.

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Keine andere Dax-Aktie steht derzeit so im Fokus wie Wirecard. Die Handelsumsätze sind dabei weit höher als bei allen anderen Indexmitgliedern.

Für die Unternehmen sind diese Klagen kostspielig, zudem binden sie das Topmanagement. Wirecard selbst bestreitet, dass das Unternehmen überhaupt Gegenstand von strafrechtlichen Ermittlungen werden könnte. „Da die Vorwürfe keine Grundlage haben, gibt es auch keine Grundlage für potenzielle Klagen in dieser Angelegenheit“, sagte ein Sprecher. „Zumindest nicht, soweit sie sich gegen Wirecard richten sollten.“

In Deutschland beobachten Juristen das Vorgehen ihrer US-Kollegen sehr genau – prüfen die dortigen Kanzleien doch akribisch, ob sie Arbeit investieren. Dass schon das Risiko einer Sammelklage ausreicht, um ein Unternehmen zum Einlenken zu zwingen, zeigt das Beispiel Volkswagen.

„Wirecard kann es also nicht egal sein, wenn sich eine der führenden Anleger-Kanzleien wie Hagens Berman sowie weitere Kanzleien mit ihnen beschäftigen“, sagt Robert Peres, Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre und selbst Anwalt.

Wie schon an den Vortagen war die Wirecard-Aktie am Mittwoch das meistgehandelte Papier im Dax. Der Kurs fiel um rund vier Prozent. Händler begründeten das mit der anhaltend hohen Spekulation auf die Aktie. Erst am Mittwoch hatte der amerikanische Hedgefonds Slate Path Capital gemeldet, dass er seine Leerverkaufsposition weiter ausgebaut hat. Von 1,42 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals ging es auf 1,50 Prozent.

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