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15.03.2019

14:13

Zahlungsverkehr

Die Deutschen entdecken das kontaktlose Bezahlen

Von: Elisabeth Atzler

Der Anteil der Kontaktlos-Zahlungen steigt bei Sparkassen und Volksbanken rasant. Die neue Technologie überzeugt viele Bargeld-Fans von der Kartenzahlung.

Ein Funkchip in der Kreditkarte überträgt Daten auf kurze Distanz. PR

Kontaktloses Bezahlen

Ein Funkchip in der Kreditkarte überträgt Daten auf kurze Distanz.

FrankfurtDas Bezahlen per Smartphone kommt in Deutschland nur langsam in Gang. Richtig schnell wächst dagegen eine andere Bezahlart: Immer mehr Kunden zücken an der Ladenkasse ihre EC-Karte, die heute offiziell Girocard heißt.

Bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gab es im vergangenen Jahr ein deutliches Plus an Girocard-Transaktionen von jeweils rund 20 Prozent – bei den Sparkassen auf rund 1,8 Milliarden Transaktionen, bei den Genossenschaftsbanken auf eine Milliarde.

Noch auffälliger: Die Kontaktlos-Zahlungen mit der Girocard werden immer beliebter. Der Anteil der kontaktlosen Zahlungen lag bei den Sparkassen-Kunden von Anfang 2018 bis Ende Januar 2019 bei 24 Prozent.

Bei den Genossenschaftsbanken betrug er im vergangenen Jahr 21 Prozent. Womöglich ein Zeichen, dass Kunden zwar das schnelle Bezahlen schätzen, aber dafür nicht unbedingt zum Smartphone greifen.

Noch immer dominiert Bargeld beim Bezahlen an der Ladenkasse. Drei Viertel ihrer Einkäufe in Geschäften beglichen die Deutschen zuletzt in bar, wie die Bundesbank ermittelte. Doch die Zahlen von Sparkassen und Volksbanken, die zusammen im Privatkundengeschäft den größten Teil des Marktes abdecken, zeigen, dass die Girocard auf dem Vormarsch ist.

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Der hohe Anteil der Kontaktlos-Zahlungen bei Sparkassen und Volksbanken ist auch deshalb bemerkenswert, weil noch nicht alle der von ihnen ausgegebenen Girocards mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet sind – bis Ende des Jahres wird das aber fast flächendeckend der Fall sein.

Basis für das kontaktlose Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte ist die NFC-Technologie, kurz für Near Field Communication, die in die Kassenterminals sowie in die Chips in den neuen Girocards – und auch in Kreditkarten - integriert ist.

Sie überträgt über maximal vier Zentimeter Distanz Daten per Funk. Der Kunde muss die Giro- oder Kreditkarte also ziemlich nah an das Kartenterminal halten. Bei Einkäufen von bis zu 25 Euro muss man keine Geheimnummer mehr eingeben. Ein großer Teil der Kassenterminals bei deutschen Einzelhändlern ist inzwischen mit der NFC-Technik ausgestattet.

Beim Bezahlen per Smartphone halten sich die Kunden indes noch zurück, wie Zahlen der Sparkassen zeigen. Sie haben im Sommer eine eigene Bezahl-App für Android-Smartphones gestartet. Im Januar registrierten sie die Millionste Transaktion, wie Sparkassenpräsident Helmut Schleweis kürzlich sagte.

Zum Vergleich: Insgesamt gab es von Anfang 2018 bis Ende Januar dieses Jahres fast 264 Millionen Kontaktlos-Transaktionen mit Girocards der Sparkassen. Handy-Zahlungen machen davon nicht einmal 0,4 Prozent aus.

Die Genossenschaftsbanken bieten ebenfalls seit Sommer eine Bezahl-Lösung für Android-Smartphones an. Sie nennen keine Transaktionszahlen dazu. Doch auch bei ihnen dürften die Handy-Zahlungen nur einen kleinen Bruchteil der Kontaktlos-Transaktionen ausmachen.

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Wie die Bezahlverfahren von Apple und Google, Apple Pay und Google Pay, bei den deutschen Kunden ankommen, kann man bisher nicht sagen. Es sind keine Transaktionszahlen bekannt.

Apple Pay startete hierzulande im vergangenen Dezember. Am Anfang waren unter anderem die Deutsche Bank, Comdirect, die Hypo-Vereinsbank und die Smartphonebank N26 mit dabei. Ihre Kunden können den Bezahldienst bisher nur über Karten von Mastercard oder Visa nutzen.

Kreditkarten sind in Deutschland aber bei weitem nicht so verbreitet wie Girokarten. Die Bezahlmethode des Konkurrenten Google ist seit Sommer für Kunden mehrerer Banken nutzbar.

Sparkassen und Volksbanken zeigten sich zuletzt zuversichtlich, dass auch sie ihren Kunden Apple Pay in diesem Jahr anbieten können. Da Apple den direkten Zugriff auf die NFC-Schnittstelle am iPhone für andere Bezahldienste gesperrt hat, müssen Banken mit dem Konzern über die Freigabe verhandeln.

Kommentare (1)

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Herr hel sta

15.03.2019, 16:49 Uhr

Wunderbare Geschäftsidee: Man baue einen kleinen, transportablen NFC-Leser, gehe damit im Gedränge - z.B. U-Bahn, etc. - von Gesäßtasche zu Gesäßtasche, wo viele Menschen ihre Geldbeutel haben, klopfe kurz dagegen - und schon sind 24,99€ abgebucht. 100 mal pro Tag gemacht sind das 2499 €, netto, steuerfrei - täglich !!!
Die Deutschen haben vor allem Angst, aber von dieser naheliegenden Betrugsmasche sind sie begeistert.
Ich habe jedenfalls meine Karten umgetauscht gegen welche OHNE NFC-Chip.
Berührungsloses Zahlen, ja gerne, aber NUR MIT PIN-Eingabe!

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