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09.08.2016

19:30 Uhr

ZEW-Studie

Große Kapitallücke bei der Deutschen Bank

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat einen Stresstest unter verschärften Bedingungen durchgespielt – und dabei eine große Kapitallücke bei der Deutschen Bank festgestellt. Diese kann die Zahlen nicht nachvollziehen.

Die Sorgen um die Deutsche Bank werden immer größer. AP

Deutsche Bank

Die Sorgen um die Deutsche Bank werden immer größer.

FrankfurtDie Deutsche Bank wird die Debatte über ihre Kapitalausstattung nicht los. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim kam in einer am Dienstag veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass Deutschlands größtes Geldhaus im Falle einer neuen Finanzkrise nicht genügend Eigenkapital hätte, um die zu erwartenden Verluste auszugleichen.

Die Lücke würde sich auf 19 Milliarden Euro belaufen, rechnete das Team um Bankenexperte Sascha Steffen aus. Eine Kapitalerhöhung als Antwort auf ein solches Krisenszenario wäre beim aktuell dahin dümpelnden Aktienkurs schwierig: Die gesamte Deutsche Bank wird an der Börse derzeit noch mit knapp 17 Milliarden Euro bewertet.

„Wir können die vom ZEW genannte Zahl nicht nachvollziehen“, erklärte die Deutsche Bank. Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA habe die Kapitalausstattung der Banken unter sehr strengen Voraussetzungen geprüft. „Daraus ergab sich kein akuter Kapitalbedarf für die Deutsche Bank.“

Das ZEW betrachtete die selben 51 europäischen Großbanken, die unlängst den Stresstest der EBA durchlaufen haben. Allerdings legten die Experten deutlich strengere Maßstäbe an: Sie stützten sich auf die Methode der US-Notenbank Fed, die den heimischen Bankensektor in diesem Jahr ebenfalls auf seine Krisenfestigkeit hin untersucht hatte. Hier werden die Risiken in der Bilanz nicht individuell gewichtet. Stattdessen steht die absolute Verschuldungsquote - die sogenannte Leverage Ratio - im Vordergrund. Sie bildet das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme neutral ab.

Insgesamt diagnostizierte die ZEW-Studie für alle getesteten Banken in Europa im Fed-Krisenszenario eine Kapitallücke von 123 Milliarden Euro. Größte Sorgenkinder sind neben der Deutschen Bank die beiden französischen Häuser Societe Generale (13 Milliarden) und BNP Paribas (zehn Milliarden). Ihre Marktkapitalisierung liegt allerdings klar über diesen Werten.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Christian Sewing ersetzte den Briten John Cryan Anfang April 2018 an der Spitze der Deutschen Bank. Auch die Vorstandsreihe hinter dem neuen Vorstandsvorsitzenden wurde radikal umgebaut.

Christian Sewing

Sewing, bisher Leiter des Privatkundengeschäfts, beerbte den Briten Cryan an der Spitze des Instituts. Kein anderer Vorstand kennt die Bank so gut wie der 47-Jährige: Von seinen 29 Jahren Berufserfahrung stand er 27 Jahre lang im Dienste der Deutschen Bank.

Garth Ritchie

Zum neuen Stellvertreter des Vorstandschefs wird wohl Garth Ritchie befördert. Gleichzeitig wird der Südafrikaner alleinverantwortlich für den Bereich Investmentbanking. Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 1996 für die Bank.

Karl von Rohr

Der Arbeits- und Rechtsvorstand rückte mit zusammen Sewing als dessen Vize nach oben. Der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist seit 1998 bei der Deutschen Bank beschäftigt.

Frank Strauß

Zu den Gewinnern des Revirements im Vorstand der Deutschen Bank gehört auch Frank Strauß, der durch die Beförderung Sewings alleiniger Chef der Privatkundensparte der Bank würde. Der Bankkaufmann und ehemalige Eishockeyspieler bleibt gleichzeitig Vorsitzender der Postbank, die seit 2015 eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ist.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet. 1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Für Bankenexperte Steffen liegt der Schlüssel zur Problemlösung ohnehin woanders: „Die USA haben ihre Schlüsse gezogen und bereits 2008 umfangreiche Maßnahmen zur Rekapitalisierung des amerikanischen Bankensektors getroffen“, erklärte er. „In Europa fehlt dazu noch der politische Wille.“

Deutsche-Bank-Chef John Cryan argumentiert, das Institut könne seine Kapitaldecke Schritt für Schritt aus eigener Kraft aufpolstern, indem es kleiner wird und Risiken in der Bilanz abbaut. Beim jüngsten Stresstest hatten vor allem Rechtsrisiken dazu geführt, dass die Deutsche Bank - an der Seite der Commerzbank - auf einem der letzten zehn Plätze gelandet war. Durchfallen konnte dieses Mal niemand. Die Europäische Zentralbank als Oberaufseherin über die Großbanken auf dem Kontinent will die Stresstest-Ergebnisse aber berücksichtigen, wenn sie bald wieder die individuellen Kapitalanforderungen berechnet.

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Von

rtr

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